Deafheaven - New Bermuda

Deafheaven- New Bermuda

Anti / Indigo
VÖ: 02.10.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Axt im Walde

Auf große Erwartungen folgen nicht selten große Enttäuschungen. Wenn der Weihnachtsmann die falschen Geschenke bringt, fließen Kindertränen. Wenn das Open-Air-Konzert verregnet ist, wird das Bier nass. Und wenn eine hochgelobte Band nach einem Meisterwerk ein merkwürdig orientierungsloses Album veröffentlicht, besteht mindestens Diskussionsbedarf. Deafheavens letztes Werk "Sunbather" war nicht nur im Metalsektor populär, die Melange aus Black Metal und Post-Rock erfreute sich auch in ungeschminkten Kreisen großer Beliebtheit. Episch waren die Songs, mitreißend, teils schlicht umwerfend. Mit "New Bermuda" versuchen die US-Amerikaner nun, in die eigenen Fußstapfen zu treten. Und versinken im Schlamm.

Bevor Missverständnisse aufkommen: "New Bermuda" ist nicht schlecht. Es enthält genau jene Ingredenzien, die Musikfans so an Deafheaven schätzen. Lange Lieder, die aus mehreren Parts bestehen, gehen nahtlos ineinander über und erzeugen so ein sehr dichtes, geschlossenes Werk. Ziemlich mittig abgemischte Gitarren pendeln rastlos zwischen purem Geschredder und lieblichen Melodien hin und her. Dazwischen wird genüppelt, gelitten und gekreischt, dass es nur so raucht. Wenn sich jener Rauch allerdings verzogen hat, bleibt ein nagendes Gefühl der Ratlosigkeit zurück. War das jetzt alles? Wo ist die Gänsehaut?

Nun lassen sich Emotionen nicht per Dekret herbeizitieren, schon gar nicht bei einer so flüchtigen Kunstform wie der Musik. "New Bermuda" ist nicht arm an großen Gefühlsmomenten – ganz im Gegenteil: Es ist bis zur Oberkante gefüllt mit gipfelstürmerischen Passagen, die das Pathos mit der Keule im Klanggebirge verteilen. Förmlich erschlagen wird man von solch brutalen Exzessen wie dem ersten Part von "Luna", wobei gerade bei diesem Track offenbar wird, dass Deafheaven ihr Handwerk noch immer beherrschen. Die geniale, mit viel Tremolo präsentierte Gitarrenmelodie in der Klimax lässt keinen Stein auf dem anderen. Auch das epische Finale, das stärker denn je Post-Rock-Anleihen aufnimmt, überlädt die Synapsen aufs Angenehmste.

Schön ist auch, wie der Opener "Brought to the water" die Wende von Moll zu Dur vollzieht. Auf eine nicht enden wollende Blastbeat-Orgie folgt ein melodisch äußerst ansprechender Mittelteil, der sich vor den Großtaten früherer Tage nicht zu verstecken braucht. Warum allerdings das Stück per Fadeout abgewürgt wird, dürfte wohl ewig Geheimnis der Band bleiben. Womit wir beim Klavier wären: Dieses übernimmt nicht nur nach "Brought to the water" das Ruder, sondern ist im Allgemeinen viel präsenter als früher. Eine konventionelle Black-Metal-Combo waren Deafheaven gewiss nie, näher als jetzt sind sie mehrheitsfähigen Spielarten der Rockmusik jedoch noch nicht gekommen.

Dies soll aber kein Vorwurf sein. Es geht nicht um Genres. Es darf aber auch nicht um das willige Abfeiern ohne genaues Hinhören gehen. Während "Baby blue" dank eines umwerfenden Gitarrensolos lange im Gedächtnis bleibt, schwankt "Come back" ziellos zwischen Brutalität und Zärtlichkeit, ohne einer klaren Linie zu folgen. "Gifts for the Earth" wirkt schließlich wie auf dem Reißbrett entworfen. Ein chromatisch fallendes Motiv bildet die Basis für das Offensichtliche: Natürlich müssen am Ende alle Register gezogen werden, natürlich muss alles noch größer als überhaupt sein. Diese Gigantomanie macht jedoch nicht ergriffen, sondern müde. Deafheaven verwechseln Ursache mit Wirkung. Ein Stamm, der nicht weit vom Apfel fällt, ist totes Holz.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Luna
  • Baby blue

Tracklist

  1. Brought to the water
  2. Luna
  3. Baby blue
  4. Come back
  5. Gifts for the Earth

Gesamtspielzeit: 46:35 min.

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Mister X

Postings: 2459

Registriert seit 30.10.2013

2016-07-08 01:03:24 Uhr
geh weiter spielen !

boneless

Postings: 2319

Registriert seit 13.05.2014

2016-07-07 23:19:00 Uhr
Warum gibst du dir solche Mühe? Einfach das hier reinkopieren, anpassen und schon läufts:

das album kann man aber auch nur scheiße finden, wenn man wirklich scheiße finden will. oder wegen dem namen beyonce gleich gleich nein sagt und schlecht bewertet.

Mister X

Postings: 2459

Registriert seit 30.10.2013

2016-07-07 19:54:43 Uhr
*
was ich auch am album wirklich toll finde ist dass sie es mit einer leichtigkeit schaffen jeden der songs bis zu einer laufzeit von 10 minuten zu halten. da ist mir auch mal egal dass das album nur 5 songs hat

Mister X

Postings: 2459

Registriert seit 30.10.2013

2016-07-07 19:44:55 Uhr
deafheaven sollte man ja auch nicht als reinen black metal betrachten. eher als alternative/melodic black metal. allein schon wegen der großen melodien auf new bermuda (bsp das ende von come back). leider werden sie nunmal in die normale black metal szene eingeordnet. erinnert mich an mezmerize/hypnotize das von vielen aus der metalszene verachtet wurde. dass das kein normaler metal ist, hoert jeder laie.

aus meinem umfeld sind das auch die reinen black metal hoerer die new bermuda ablehnen. alle anderen feiern es als eines der besten alben der 10er.

gott sei dank habe ich aufgehoert in genres zu denken

MAXIMAN

Postings: 188

Registriert seit 24.11.2013

2016-07-06 17:49:04 Uhr
Des Problem an Deafheaven ist, das ihre Musik stilistisch an eine Musikrichtung erinnert, die nicht gerade dafür bekannt ist, alternative Herangehensweisen an ihre Musik zu akzeptieren. Ich kenn Leute die hören nur Zeug aus Norwegen und auch nur Alben, die vor 1996 veröffentlicht sind. BM ist halt ein sehr emotionsgebundenes Genre und ich kann die Ablehnung gegen Deafheaven durchaus verstehen. Ich find aber in der Richtung Wolves of the Throne Room besser.
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