Chris Cornell - Higher truth

Chris Cornell- Higher truth

Universal
VÖ: 18.09.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die volle Wahrheit

Vor einer halben Ewigkeit, als Plattentests kaum so wirklich aus dem Ei geschlüpft war, schrieb Matthias Allstadt an dieser Stelle über Chris Cornells 1999 veröffentlichtes Solo-Debüt, es sei ein Album, "das den beiden letzten Veröffentlichungen von Soundgarden in nichts nachsteht." Cornell habe "lediglich die Härte und Lautstärke des Grunge zurückgelassen". 16 Jahre und eine gelungene Soundgarden-Reunion später ist eines dieser Statements immer noch wahr, nur leider nicht das wichtigere. Die obligatorische Entwarnung gibt's aber trotzdem vorab: Ein zweites "Scream" hat Cornell zum Glück nicht aufgenommen, auch wenn er sich in der jüngeren Vergangenheit wieder positiver über die Platte geäußert hatte.

"Higher truth" ist eher das klassische Soloalbum eines Rocksängers, der ein paar (oder in diesem Fall ein paar zu viele) ruhigere, balladeske Stücke geschrieben hat, die es allein aus soundtechnischen Gründen schon nicht auf die Bandplatte schaffen würden. Das sagt zunächst einmal nichts über die Güte der Songs, und Cornell platziert mit dem ohrwurmigen Opener "Nearly forgot my broken heart" und vor allem der in jeder Hinsicht geglückten Ballade "Josephine" in der ersten Albumhälfte ein paar Perlen, die beweisen, dass er auch ohne den Kontext von Soundgardens Riffkonstrukten richtig gute Songs schreiben kann.

"Higher truth" hinkt an vielen anderen Stellen dann auch nicht wegen der Grundideen. Der Großteil der Songs hat irgendwo eine richtig gute Melodie vorzuweisen, ein paar wirklich schöne Zeilen und natürlich Cornells Stimme, die fast überall funktioniert. Aber für die Umsetzung möchte man ihm die eine oder andere Wahrheit um die Ohren hauen: Anstelle der abstrakt-überkandidelten Dance-Produktion von "Scream" tritt diesmal klinisch reiner Gitarrenpop mit Orchesterunterstützung. Vom angeblich intimeren Sound, den Cornell im Vorfeld angekündigt hatte, ist nicht viel zu hören. Die Zahl der Stücke, die im Soundmatsch erzwungener Emotionen ertrinken, ist erschreckend hoch: "Dead wishes", der Titelsong und "Worried moon" zeigen zwar Potential, haben aber vor lauter Instrumenten-Overkill keine Chance.

Hinzu kommt, dass sich unter den zwölf neuen Songs auch ein paar Komplettausfälle finden. Auf das ziellos wankende "Before we disappear" hätte Cornell besser verzichtet, ebenso auf "Circling" und die Soundgarden-in-Polka-und-Akustik-Nummer "Our time in the universe". Mit Soundgardens "King Animal" kann "Higher truth" nicht mithalten, und das liegt nicht nur daran, dass Cornell auf Härte und Lautstärke verzichtet. Denn diese Platte ist auch kein zweites "Euphoria morning".

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Nearly forgot my broken heart
  • Josephine

Tracklist

  1. Nearly forgot my broken heart
  2. Dead wishes
  3. Worried moon
  4. Before we disappear
  5. Through the window
  6. Josephine
  7. Murderer of blue skies
  8. Higher truth
  9. Let your eyes wander
  10. Only these words
  11. Circling
  12. Our time in the universe

Gesamtspielzeit: 45:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Fanatic-
2017-06-22 16:18:59 Uhr
Neues Video von Chris Cornell:

https://www.youtube.com/watch?v=tEpwvvyrAJU&t=7s

Es ist ein Song zu einem Film über den Genozid an den Armeniern im Jahr 1917 und thematisiert die Aktuelle Politische Welt, so wie Flüchtlingskrise etc.

Bereits bei der Herstellung des Videos, wollte er dass das Video am 20 Juni erscheint. An dem internationalen Tag der Flüchtlinge.
Damit bewies der Mann bis zu letzt ein sehr großes Herz.
Menschen wie Chris Cornell werden leider immer seltener...
Fanatic-
2017-06-22 16:16:27 Uhr
Da meine Registrierung noch nicht durch ist, muss ich es wohl hier posten.
Fanatic
2017-05-18 09:59:28 Uhr
Chris muss neimandem mehr etwas beweisen. Da er mit seinen Bands und auch Solomäßig im bereich schon ziemlich viel geleistet hat. Songs wie Black hole Sun oder be your self laufen nach wie vor im Radio. Einige Junge Leute laufen immer noh mit Soundgarden sthirts rum. Und die Ultramega Ok läuft bei mir immer noch rauf und runter.

Wenn er mit 51 ein paar Songs geschrieben hat, die er selber gut findet und die auch gar nicht so schlecht sind... warum auch nicht?
RIP
2017-05-18 09:44:34 Uhr
Sky News Newsdesk‏
@SkyNewsBreak 2 Min.Vor 2 Minuten

AP: representative of Chris Cornell who was known as the lead vocalist of rock band Soundgarden says the singer has died at the age of 52
Raketenbohne
2015-10-02 11:50:44 Uhr
Meine Erwartungen hat das Album komplett erfüllt. "Higher Truth" ist ein solides und gutes Album ohne Innovation geworden. Mir macht es im Moment sehr viel Spaß. Mal schauen wie lange die Halbwertszeit des Albums ist. Die Produktion ist wo der Rezensent schon geschrieben hat komplett glatt und auf Hochglanz produziert. Mich stört das nicht, da dies bei Cornell schon seit "Carry on" so ist. Kreativ austoben kann sich der Gute beim nächsten Soundgarden Album. ;)
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