A Mote Of Dust - A Mote Of Dust

A Mote Of Dust- A Mote Of Dust

Babi Yaga / Chemikal Underground / Rough Trade
VÖ: 02.10.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Blick in die Zukunft

Es ist der 16. Januar 2016. Weihnachten ist längst vorbei, Silvester auch. Das viel wichtigere Fest steht jetzt erst an: Plattentests.de wurde 16 Jahre alt und feiert heute nach. Die Fete steigt in München, nach dem Riesenerfolg vor etwas mehr als einem Jahr ist man in einen größeren Club umgezogen, die Tickets waren schnell weg, die Vorfreude wuchs mit jedem Monat. Das Duo von The Dope ist soeben von der Bühne verschwunden und unterhält sich nach einem gelungenen Auftritt mit den Fans. Moment, ist das da hinten Thees Uhlmann, der sich am Merch-Stand ein Shirt kauft? Da hat sich der Überraschungsgast von der letzten Feier also klammheimlich auch ins Strom begeben. Gespannt wartet die Menge jetzt aber auf Craig B – und da ist er auch schon. Gut siehst Du aus, altes Haus!

Eigentlich hat jener Craig Beaton, so sein bürgerlicher Name, ja wahrlich genug Auswahl an Songs, die bekanntesten stammen wohl von seinem Output mit den Schlachtschiffen Aereogramme und The Unwinding Hours. Doch der Schotte hat andere Pläne: Solo und akustisch soll sein Auftritt sein, da bietet sich sein letztes Werk, das er gemeinsam mit Graeme Smillie unter dem Namen A Mote Of Dust veröffentlicht hat, geradezu an. Ein Zitat des Astronomen Carl Sagan inspirierte dabei nicht nur den Band- und Albumtitel, sondern auch die neun zarten, stellenweise fraglien Nummern selbst. Craig B beschäftigt sich mit Fragen rund um die Existenz und den Glauben, und dort oben auf der Bühne, so ganz allein vor Hunderten, muss er sich fühlen wie seine Hörer, als sie das Album vor Monaten zum ersten Mal gehört haben. Eine gewisse Melancholie macht sich breit, aber keine Einsamkeit. Im Gegenteil.

Er startet seinen Auftritt mit dem Opener, der ebenfalls den Namen der Gruppe und des Albums trägt. Eine reine Akustiknummer, Craig Bs Gitarrenspiel allein ist wunderbar, in der Albumversion kommt Smillies Piano dazu und setzt eine eigene, fast schon liebevolle Note. Für den Break zur Mitte hin reicht die Gitarre allein sowieso, ein Gefühl zwischen Zusammengehörigkeit und Verlustangst macht sich breit und wird vom folgenden "Cracks in the mirror" nur noch verstärkt: "I know that you know / That this thing might kill you / Before you let go / So why do you need to hold on?", singt er und es klingt wie eine flehende Anklage. An sich selbst, aber auch an sein Gegenüber. Nach Jahren voller großer, lauter Melodien ist diese ruhige Seite zunächst etwas ungewohnt, aber gerade deshalb so besonders, weil man merkt, dass sie für Craig B eine Herzensangelegenheit ist.

The Unwinding Hours hätten sich nie aufgelöst, sagt er und erwähnt gleich danach, dass auch die schwedische Pop-Kapelle ABBA nie ihre Trennung offiziell bekanntgegeben hat. Man bemerkt die Traurigkeit, die in diesen Worten mitschwingt, aber auch ein Stück weit eine Form der Erleichterung. Craig B war nie ein Freund des Mainstreams, war nie versessen auf den großen Erfolg, den sein (ehemaliger?) Kollege Iain Cook mit Chvrches eingefahren hat. Fast schon scheint "A Mote Of Dust" die Antwort darauf zu sein. Craig B schafft es auch alleine, ohne großen Pomp: Die Lagerfeuer-Ballade "Wolves in the valley" beschäftigt sich mit Fragen rund um Religion und Spiritualität, "Yield" mit Eifersuchtsszenarien, Schuld und Eingeständnissen. Gebannt hört ihm die Menge zu, wie er am Ende schließlich den ganz großen Wurf macht mit dem Finalsong "Home". Jeder ist angesprochen: Mädels, Jungs, die, die ihn schon vorher kannten und jene, die sich hier zum ersten Mal mit ihm beschäftigen. Craig B gibt die Richtung vor für alle, die nicht wissen, welchen Schritt sie als nächstes machen sollen. Zum Schluss geht er, wie immer, seinen ganz eigenen Weg: runter von der Bühne, immer weiter. Wohin er auch will.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Cracks in the mirror
  • Wolves in the valley
  • Home

Tracklist

  1. A mote of dust
  2. Cracks in the mirror
  3. Eve
  4. Pull me back in
  5. Yield
  6. Work of our hands
  7. Wolves in the valley
  8. The circus
  9. Home

Gesamtspielzeit: 38:48 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-01-18 02:20:23 Uhr
Die Geräuschkulisse gestern war zwischendurch nervig, ja. Allerdings ist es eben doch ein Unterschied, ob man speziell für ein reguläres Konzert von A Mote Of Dust anreist. Das soll keine Entschuldigung sein, aber das gestern war ja ein Festival, bei dem Leute für alles zusammengekommen sind. Und ja, natürlich auch für Craig B. Aber viele liefen dort eben mehr Bekannten über den Weg als bei einem normalen Konzert. Und hatten entsprechend Gesprächsbedarf. Leider zum falschen Zeitpunkt.

Ich möchte hier auch noch mal auf unser Video hinweisen.

derp

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Registriert seit 18.04.2014

2016-01-18 01:54:00 Uhr
Ne, aber ich habe gerade bei Facebook ein paar Sachen aufgeschnappt :) Er hat sich jedenfalls bedankt und war sehr glücklich, dass das Publikum so aufmerksam und ruhig war.
Es scheint wohl nicht selbstverständlich zu sein, dass man bei ruhiger Musik auch mal die Klappe hält und tatsächlich zuhört.

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-01-18 01:36:33 Uhr
Von München hat er aber nichts erzählt, oder? :-)

derp

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Registriert seit 18.04.2014

2016-01-18 01:16:11 Uhr
Das müssten ca. 75 Minuten gewesen sein. Er hat noch diverse Zugaben bzw. Liedwünsche aus dem Publikum gespielt.

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-01-18 00:39:44 Uhr
Wie lange hat er denn in Stuttgart gespielt? Bei uns gestern war ja ein verkürztes Set abgesprochen, weil ja drei Live-Acts insgesamt dabei waren.
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