Widowspeak - All yours

Widowspeak- All yours

Captured Tracks / Cargo
VÖ: 04.09.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Dein war ich im Nebeltau

"I was once all yours", haucht Molly Hamilton über die sanften Gitarrenverwehungen von Robert Earl Thomas. Aus, vorbei ist das, was war. Der Bandname kokettiert in die falsche Richtung, denn Witwen sprechen nicht derart abgeklärt. Das hat mehr etwas von einem Zuspruch, einem beschwichtigenden Flüstern aus dem Nirgendwo. Als würde jemand aus dem Jenseits noch weiter bezirzen. Landläufig sagt man Dream-Pop dazu und meint eine vertonte Zaghaftigkeit, eine im Hall vor sich her dümpelnde Gitarren-Sanftmut. Und in diesem Genre bedarf es eines Duos: dem Herrn, der minimalistisch instrumentiert, und einer sinistren Gesangselfe. Bei Mazzy Star sind das David Roback und Hope Sandoval, bei Beach House Alex Scally und Victoria Legrand.

Ähnlich raunen sich die zwei von Widowspeak durch ihr bereits drittes Album "All yours". Vage zupfen die Gitarren eine wolkige und schlichte Schönheit in "Coke bottle green" herbei. Und albträumen in "Cosmically alignes" darüber, dass an allem Verdruss verdammt noch mal die Sterne schuld sind. Die können sich in kosmischer Ferne nicht wehren oder rechtfertigen, wenn Widowspeak in wiedergewonnener Unschuld den Slowcore von "Girls" mit Mundharmonika vor sich herschlingern lassen. "Narrows" feiert die Lethargie schon fast emphatisch als großen Schöpferzustand mit gedoppelten Stimmen und gen Ende auch mit leisen Streichern. Mit Slide-Guitar ist "Borrowed world" die leicht beschleunigte Erinnerung an The Velvet Underground, zu dessen einzeln klimpernden Klaviertasten Thomas' Gesang neben einem belebten Beat passenderweise weitaus weniger lebhaft wirkt.

Ein Trennungsalbum sollte "All yours" sein. Geworden ist es ein wohliges, kantenfreies, beinahe schon argloses Therapeutikum, zu dem man sich in aller Eleganz manchmal Ausbrüche gewünscht hätte. Die bieten dafür die Songtexte. "Dead love, you're so still / Are you just sleeping in?" möchte Hamilton in "Dead love (so still)" erfahren – für sie ist der Ex-Partner quasi gestorben, sodass sie selbst zur sprechenden Witwe wird, die ihn heraufbeschwören möchte. Für ihre jungen Jahre hat diese Dame bereits sehr viel Drastik intus. Und eine Menge Jenseitigkeit.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • All yours
  • Narrows
  • Cosmically aligned
  • Coke bottle green

Tracklist

  1. All yours
  2. Narrows
  3. Dead love (so still)
  4. Stoned
  5. Girls
  6. Borrowed world
  7. Cosmically aligned
  8. My baby's gonna carry on
  9. Coke bottle green
  10. Hands

Gesamtspielzeit: 44:48 min.

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nörtz

Postings: 4451

Registriert seit 13.06.2013

2015-10-06 21:17:22 Uhr
10 Songs auf dem Album und alle 10 werden in der Rezi als Highlight genannt. Warum dann nur eine 7/10?

Armin

Postings: 12904

Registriert seit 08.01.2012

2015-09-23 21:25:00 Uhr
Frisch rezensiert!

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