Keith Richards - Crosseyed heart

Keith Richards- Crosseyed heart

Virgin EMI / Universal
VÖ: 18.09.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kopf ohne Arsch

Die Rolling Stones sind ja ein bisschen wie das Wetter: Einfach immer da, auf Platte, im Stadion oder auf den Boulevard-Seiten. Und auch wenn das omnipräsente Gespann Mick/Keith/Charlie/Ronnie im Team schlicht unschlagbar ist, haben sich zumindest Jagger und Richards im Lauf der Bandgeschichte immer wieder auf Solopfade begeben. Manchmal aus Trotz und Eitelkeit heraus, wenn es mal wieder knallte zwischen den beiden musikalischen Überegos, manchmal aber auch schlicht aus Lust auf andere Genres. Heuer bringt Richards – ganz ohne Rosenkrieg – mit "Crosseyed heart" seine erste Soloplatte seit 23 Jahren raus.

Dabei läutet der 71-Jährige sein Album ein, indem er an eben jene Wurzel zurückkehrt, aus der die Stones vor 50 Jahren erwachsen sind: den Blues. Der wunderbar ursprünglich-akustische Titeltrack zeigt ganz deutlich, wie sehr sich Richards diesem Genre verschrieben hat und die alten Meister von Robert Johnson bis Son House verehrt. Das darauffolgende "Heartstopper" hätte so auch auf die 2005er Platte "A bigger bang" gepasst, typisch bluesrockiger Stones-Sound trifft augenzwinkernde Mann-Frau-Geschichte; "She don't like meat", lamentiert Richards über den kulinarischen Konflikt mit der Angebeteten. Auch "Amnesia" und "Robbed blind" knüpfen stilistisch unmittelbar an die Stones-Spätphase an – nicht mehr so rotzig und gewagt wie, sagen wir, "Sympathy for the devil" oder "Street fighting man", aber immer noch mit mehr Eiern in der Hose als die zahmen Spätwerke von Eric Clapton oder Keiths Ex-Kollegen Bill Wyman.

Zumindest meistens, mit "Love overdue", der etwas langweiligen Reggae-Nummer "Suspicious" oder "Something for nothing" haben sich auch ein paar eher seichte Tracks auf die Platte geschlichen. Die schmissige Singleauskopplung „Trouble“, die klingt wie der kleine Bruder von "Doom and gloom", und die Chuck-Berry-Hommage "Blues in the morning", hauen dafür wieder rein und zeigen, dass das Riffmonster sein Handwerk und seine Tele immer noch beherrscht. Kuschlig wird es dann beim melancholischen "Illusion", zu dem Norah Jones ihr Stimmchen beisteuerte und damit Keiths Knarzen noch ein bisschen mehr unterstreicht. Überhaupt hat Richards' whiskygegerbtes Organ einen sympathisch ungeschliffenen Charme, eine Mischung aus Märchenonkel und Hallodri.

"Crosseyed heart" ist ein handwerklich makelloses, blueslastiges Album, das sich vor Keiths Vorbildern verneigt und eine lässige Altersreife zeigt. Richards' One-Man-Show ist für jeden eingefleischten Stones-Fan natürlich Pflicht, verdient aber leider nicht das Prädikat "überragend". Dafür fehlen dann doch die ganz großen Riffs, kommen die Tracks etwas zu glatt und kopflastig daher. Irgendwie scheint Keith eben doch Micks Tritt in den Allerwertesten zu brauchen, um sein wahres Genie in Sachen Songwriting zu zeigen. Bleibt zu hoffen, dass es die Glimmer Twins demnächst mal wieder zusammen im Studio krachen lassen. Ganz ohne Krach.

(Martina Bähring)

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Highlights

  • Crosseyed heart
  • Heartstopper
  • Blues in the morning
  • Illusion

Tracklist

  1. Crosseyed heart
  2. Heartstopper
  3. Amnesia
  4. Robbed blind
  5. Trouble
  6. Love overdue
  7. Nothing on me
  8. Suspicious
  9. Blues in the morning
  10. Something for nothing
  11. Illusion
  12. Just a gift
  13. Goodnight Irene (Written by Lead Belly)
  14. Substantial damage
  15. Lover's plea

Gesamtspielzeit: 57:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
el duce
2015-09-25 13:07:22 Uhr
bestes "stones"-album seit tattoo you (7,5/10)
Derrick
2015-09-22 11:47:40 Uhr
Hände. Sehr verdächtig.
kreativ(los)
2015-09-22 11:29:42 Uhr
Bin ich der einzige, dem das auffällt?


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Armin

Postings: 13371

Registriert seit 08.01.2012

2015-09-16 22:05:11 Uhr
Frisch rezensiert!

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