Simian - We are your friends

Simian- We are your friends

Source / Labels / Virgin / EMI
VÖ: 28.10.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Carpe jugulum

"Chemistry is what we are" war ein Traum. Ein Alptraum zwar, aber dafür ein süßer. Ein bisweilen trauriger. Und ein reichlich schräger. "Wir machten das ganze verträumte, verschwebte Ding, und das war wirklich großartig," erklärt Simian-Kopfstimme Simon Lord den Plan, "und jetzt wollen wir den Leuten an die Gurgel gehen." Gesagt, gegrabscht - "We are your friends" macht tatsächlich keine Gefangenen. Mit dem sphärischen Geschwurbel des Vorgängers hat der Zweitling der Briten nämlich nicht mehr allzuviel gemeinsam, denn das hier wirkt, als würde Prince mit ein paar defekten Festplatten Garagenrock imitieren wollen. Klingt verrückt? Ist es.

Aber dies ist im wirren Kosmos des Vierers aus Manchester ja nun wirklich nichts Neues. Dort darf man sich eben über scheppernde Gröler wie "La breeze" oder das stotternd funkende "Sunshine" genauso wenig wundern wie über den Pseudo-Charleston von "The way I live". Es wimmert und wummert an allen Ecken, während die Melodien am Löschpapier lecken. Direkt nebenan begatten sich zwei äußerst schäbige Köter namens Elektro und R'n'B. Doch wirft man alle Theorie beiseite, stößt man auf eine alte Jaggersche Weisheit: It's only rock'n'roll.

Den singenden Sägen, knispelnden Beats und psychotischen Beach-Boys-Chören zum Trotz, die auch auf dem Zweitling des Vierers hinter jeder Ecke lauern, brodelt in den zwölf Absurditäten aus dem Hause Simian echtes Feuer. Deren Vorsteher gefällt sich spürbar in seiner neuen Rolle. Aus dem versponnenen Flüsterer von früher wird mitunter ein rechter Schreihals. In der formidablen Single "Never be alone" kreischt er den Gospel des Bleichgesichtes, nur um wenig später den kalt lächelnden Verführer zu geben: "We truly believe you'd be better off with us."

Denn in Doktor Lords Kuriositätenkabinett geht bekanntlich vieles. Blubbernde Bässe und zickige Rhythmen stolpern permanent übereinander. Das spinnerte Gequietsche "When I go" zimmert sich plötzlich ein deftiges Geschepper zusammen. Zwielichtiges Gesäusel, enterdete Gitarren und hysterische Schaltkreise liegen sich gegenseitig darüber in den Ohren, welches denn nun der verwinkeltste Weg zum Pop sei. Und so wartet auf "We are your friends" der Fallstrick gleich neben dem Ohrwurm. Fragt sich nur, welcher welches ist.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • La breeze
  • Never be alone
  • The way I live
  • When I go

Tracklist

  1. La breeze
  2. Sunshine
  3. Never be alone
  4. Helpless
  5. Skin
  6. Big black gun
  7. In between
  8. The way I live
  9. Swarm
  10. When I go
  11. She's in mind
  12. End of the day

Gesamtspielzeit: 40:43 min.

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