The View - Ropewalk

The View- Ropewalk

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 04.09.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gut durch

Das schottische Quartett von The View gehört zu diesen Bands, die schon vor 30 bis 40 Jahren Musik hätte schaffen können, welche damals schon heutige Jung-Omas verzaubert hätte und die trotzdem das Potenzial in sich trägt, jetzige Anfangzwanziger zu erreichen. Der Sound dieser im Jahr 2015 zehnjährigen Gruppe knüpft an bessere Zeiten an, ohne das Alte jetzt mir nichts, Dir nichts über das Neue stellen zu wollen. Nach vier Studioalben und einer Best-of-Compilation landen die Indie-Rocker mit "Ropewalk" erneut einen Triumph. Mit neuem Erfolgsgeheimnis: Als Produzent betätigte sich Albert Hammond, Jr. von The Strokes an den Reglern. Und so ist es kein Wunder, dass die Melodien oft nur so vor Fröhlichkeit sprühen und Hammond, vor allen Dingen hinsichtlich seines Solo-Erstwerks "Yours to keep", ganz vorne in die Referenzliste gehört, wobei The View freilich deutlich gitarrenlastiger bleiben.

Ein Stück auf dem gut halbstündigen Werk, welches dabei besonders hervorzustechen vermag, ist "Psychotic": Es schwingt sich langsam von der Dunkelheit zum Happy End, während der luftige Beat Kyle Falconers Stimme schweben lässt. Die gezupften Gitarrenanschläge im Chorus verbreiten Hoffnung im manischen Klangumfeld. Ein Hit, der nicht viel Geschwindigkeit braucht, um sich zu positionieren. So auch das vorhergehende "Talk about two", ein klassischer Blues, der den Sänger schon einmal zur gekeuchten Durchhalteparole verleitet: "Hold on darling!" Auch hier gilt: Ende gut, alles gut. Ähnlich verliebt präsentiert sich "Marriage", in welchem Hammonds Einfluss wohl am deutlichsten herauszuhören ist. Seichte Synthies und eine fast versteckte Orgel, die ganz ohne Verwandtschaftsgrad den Namen des Produzenten trägt, treffen hier auf softe Pickings, gehauchte Chöre und einen tanzbaren Breakbeat.

Das rockigste Teil auf "Ropewalk" bildet indes "Tenement light". Der deftige Bass und die verzerrten Gitarren schwingen empor bis zum Garagendach, sodass es im Refrain so richtig grungig werden darf. Plötzlich bricht die Stimmung, die Elektrische gibt der Akustischen die Klinke in die Hand und Falconer wird nachdenklich. Doch die Besinnung hält nicht lange an und der Track endet im Reigen-tanzenden Spektakel. "House of queue's" hält es da ganz anders und bleibt dauerhaft ruhig und doch grundoptimistisch. So wie hier hat man Falconer wohl noch nicht singen hören: Frank und frei zwischen Schmacht und Freude hin und her diffundierend, straight from the bottom of his heart. Ohne Kitsch!

Ganz zum Schluss liefern The View mit "Voodoo doll" dann noch das ultimative Feuerwerk der Fröhlichkeit, dem man ein wenig den Hang zum Stibitzen unterstellen darf. Im schlimmsten Falle aber ist der Song eben eine moderne, wirre, gewagte und entsprechend erweiterte Variante von Pete Townshends "Let my love open the door", einem Stück aus dem fernen Jahre 1980. Wie gesagt: The View begehen eine Anknüpfung an bessere Zeiten. Und die gelingt ihnen auf "Ropewalk" von vorne bis hinten. Angesichts der vergleichsweise kurzen Spieldauer darf man den Briten dabei Weitsicht unterstellen: All killer, no filler – auf dieser Platte war einfach kein Platz mehr für etwas Halbgares, The View servieren ihr Menü gut durch.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Marriage
  • Psychotic
  • House of queue's
  • Voodoo doll

Tracklist

  1. Under the rug
  2. Marriage
  3. Living
  4. Talk about two
  5. Psychotic
  6. Cracks
  7. Tenement light
  8. House of queue's
  9. Penny
  10. Voodoo doll

Gesamtspielzeit: 31:51 min.

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Armin

Postings: 12879

Registriert seit 08.01.2012

2015-11-23 17:35:54 Uhr
Der Zeitpunkt fühlt sich gut an für die Rückkehr der schottischen Indie-Rocker The View. In diesem Jahr feiert die Band ihr zehntes Bandjubiläum und hat mit „Ropewalk“ (Cooking Vinyl / Indigo, VÖ 04.09.2015) ein beachtliches neues Werk hingelegt. In der Sturm & Drang Zeit des großen Indie-Hypes eroberten The View mit brillanten Songs wie „Wasted Little Djs“ oder dem Überhit „Same Jeans“ die Charts und Dancefloors aller Indie-Discos. Das Debütalbum „Hats Off To The Buskers“ grüßte von der Spitze der Charts und brachte angenehme Randerscheinungen wie eine Mercury Prize Nominierung mit sich.

The View - The Ropewalk Tour 2016
Mo. 01.02.2016 Hamburg - The Rock Cafe St. Pauli
Di. 02.02.2016 Berlin - Privatclub
Mi. 03.02.2016 Leipzig - Täubchenthal
So. 14.02.2016 München - Milla
Di. 16.02.2016 Stuttgart - Keller Klub
Mi. 17.02.2016 Dortmund - FZW
Do. 18.02.2016 Köln - Blue Shell
Präsentiert von: Ampya
quasinebenbei
2015-09-07 11:54:45 Uhr
Ich sehe es wie MM13: Wäre ein gutes Album, aber die Stimme!

Kennt jemand diesen Typen, der mit ganz hoher Stimme immer wieder versucht hat, bei DSDS vorzusingen? Leider krieg ich den Typen beim Hören von Ropewalk nicht aus den Kopf. Schade.

Offtopic: Die Stimme der Augustines verhagelt's mir auch. Dort klingt die Stimme so bemüht, dass ich es nie geschafft habe, ein Album durchzuhören.

Offtopic2: Hat auch 'ne Weile gedauert, bis ich den Falsettgesang Justin Vernons tolerieren konnte.
schon wieder so ein mieses AdW
2015-09-05 23:28:27 Uhr
Dann lieber Culcha Candela, hohl, aber macht jedenfalls mehr Spaß. :D
schon wieder so ein mieses AdW
2015-09-05 23:25:06 Uhr
Schwache Platte.

MM13

Postings: 1462

Registriert seit 13.06.2013

2015-09-05 18:40:33 Uhr
sound ganz ok,aber die stimme geht bei mir leider gar nicht.
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