Public Enemy - Man plans God laughs

Public Enemy- Man plans God laughs

Spitdigital / Al!ve
VÖ: 31.07.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kurzschuss

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Karrieren im HipHop verlaufen können. Manche werden Milliardäre, indem sie mehr Kopfhörer als Alben verkaufen. Andere verzetteln sich solange in Nebenprojekten, bis nicht viel mehr als rauchgeschwängerte Luft übrigbleibt. Und Public Enemy? Die veröffentlichen beharrlich und regelmäßig neue Alben. Meist gezielt am Zeitgeist vorbei, immer ziemlich oldschool und manchmal auch ganz schön altbacken. Dazwischen machen Chuck D, Flavor Flav, Professor Griff und Kollegen durch allerhand Dümmlichkeiten Schlagzeilen, sei es durch offen homophobe oder gar antisemitische Äußerungen, oder durch peinliche TV-Formate. Fairerweise muss der Band zugestanden werden, in den letzten Jahren weitaus seltener Schwachsinn in die Welt gesetzt zu haben. Hauptgrund dafür ist sicher, dass Chuck D mehr denn je das Ruder in der Hand hält. Eine gewisse Grundskepsis ist aber noch immer angebracht.

Seit dem großen Knall namens "It takes a nation of millions to hold us back" hat sich zweifellos viel im Game getan, doch das ursprüngliche Kernthema der New Yorker ist aktueller denn je: Nicht erst seit der Ermordung des Michael Brown ist offenbar, dass die USA noch immer ein Rassismusproblem haben. Ein Problem, das sich nicht nur in Polizeigewalt und Diskriminierung äußert, sondern auch in Form stramm geföhnter Betonfrisuren den Weg in den Präsidentschaftswahlkampf gefunden hat. Zu sagen gäbe es also viel, doch Public Enemy wählen einen anderen Weg: Ihr neues Album "Man plans God laughs" ist kurz. Sehr kurz. Nicht einmal eine halbe Stunde währt das Werk, und kaum ein Track ist länger als drei Minuten. Doch gerade in der Kürze der Platte liegt deren Reiz: Die verkopfte Vieldeutigkeit eines Kendrick Lamar sucht man vergebens. Public Enemy wählen einmal mehr den direkten Weg.

So ist es logisch, dass Chuck Ds Raps keine großen Geschichten erzählen, sondern impressionistisch und sloganhaft Stellung beziehen. Dies geschieht teils offen polemisch, wie etwa in dem furztrockenen Opener "No sympathy for the devil", teils metaphorisch und auf Grundpfeiler afroamerikanischer Kultur Bezug nehmend. Besonders "Mine again" entfaltet hier große Kraft. Angenehm auf den Punkt sind die Beats, für die fast ausschließlich Gary G-Wiz verantwortlich zeichnet. "Me to we" rummst etwa ziemlich ordentlich, und auch das schlingernde "Give peace a damn" bringt das Blut in Wallung. Diskussionswürdig ist dagegen "Honky talk rules", das auf einem Rolling-Stones-Sample basiert. Auch wenn die Idee ganz nett ist, wirkt der Track auf dem ansonsten sehr funkigen Album wie ein Fremdkörper.

Auffällig ist, dass Flavor Flav und Professor Griff nur noch selten in Erscheinung treten. Sonderlich schade ist dies jedoch nicht, denn trotz seines etwas in die Jahre gekommenen Rapstils verfügt Chuck D immer noch über genug Power in der Stimme, um Eindruck zu hinterlassen. Wenn etwa im Titeltrack die rauhen Vocals des MCs auf eingängige Melodiebruchstücke treffen, ist Zustimmung obligatorisch. Auch das zungenbrecherisch betitelte "Corplantationopoly" transportiert die simplen, aber präzisen Lyrics durchaus effizient. Revolutionär oder bahnbrechend sind die New Yorker allerdings nicht mehr, dafür sind mittlerweile jüngere Kollegen zuständig. Kopfhörerverkäufer müssen sie aber nicht werden.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • No sympathy for the devil
  • Man plans God laughs
  • Mine again

Tracklist

  1. No sympathy from the devil
  2. Me to we
  3. Man plans God laughs
  4. Give peace a damn
  5. Those who know, know who
  6. Honky talk rules
  7. Mine again
  8. Lost in space
  9. Corplantationopoly
  10. Earthizen
  11. Praise the loud

Gesamtspielzeit: 27:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
golden record
2015-09-21 02:50:21 Uhr
http://www.maxim.com/entertainment/music/article/fighting-power-public-enemys-chuck-d
terminator x
2015-09-05 23:45:06 Uhr

"Dazwischen machen Chuck D, Flavor Flav, Professor Griff und Kollegen durch allerhand Dümmlichkeiten Schlagzeilen, sei es durch offen homophobe oder gar antisemitische Äußerungen"

die übliche hetze des christopher sennfelder..
seno.
2015-09-03 11:30:03 Uhr
Was hören "die Kids" denn heute so?
naja
2015-09-03 01:37:56 Uhr
warum ist das peinlich? public enemy haben nun mal die besten zeiten hinter sich und die kids hören heute eh anderes hip-hop-zeugs an...

Telecaster

Postings: 728

Registriert seit 14.06.2013

2015-09-03 00:28:54 Uhr
Wie peinlich für die Band, dass sie jetzt als Support für die abgehalfterten Prodigy spielen müssen statt umgekehrt...
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