Yo La Tengo - Stuff like that there

Yo La Tengo- Stuff like that there

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 28.08.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Volle Herzen voraus

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Yo La Tengo sind mehr als nur eine Band. Mehr als eine x-beliebige Kapelle aus New Jersey. Mehr als ein paar musizierende Kumpels. Yo La Tengo sind eine Institution, eine stets sichere Hausnummer für Musikliebhaber – ein über 30 Jahre bestehendes Schlachtschiff im Haifischbecken der Industrie, in der sie sich bei Kritik und Kunde wie kaum eine andere Band behauptet haben. 2016 feiert ihr Debütalbum "Ride the tiger" sein Jubiläum, die Veröffentlichung ihres letzten Werkes "Fade" liegt gerade mal zwei Jahre zurück. Die letzte Best-of-Compilation "Prisoners of love – Songs 1985-2003" ist mit ihren zehn Lenzen ebenfalls noch gar nicht so alt. Aber da Yo La Tengo nicht nur außerordentlich spannende Originalgeschichten in ihren Songs verpacken, sondern auch für ihr riesiges Repertoire an Coverversionen bekannt sind, haben sie für ihre Fans ein besonderes Schmankerl parat.

Es scheint kaum einen Song zu geben, an dem sich die Band rund um Ira Kaplan nicht bereits versucht hat. Verschiedene Genres und Generationen schrecken sie nicht ab, sondern stacheln sie nur noch mehr an, sogar den Titelsong der "Simpsons" hat sich das Quartett zu eigen gemacht. Das nun vorliegende "Stuff like that there" ist aber mehr als nur eine reine Cover-Sammlung, auch wenn die Neuinterpretationen fremder Songs im Vordergrund stehen. Neben zwei neuen Stücken gibt es zudem drei Remakes bereits längst bekannter Meisterwerke der Band selbst. Wer nun glaubt, es handele sich hier um ein schnödes Füllwerk, um die Wartezeit zum nächsten Studioalbum zu überbrücken, irrt gewaltig: Allein die von Georgia Hubley vorgetragene Version des The-Cure-Klassikers "Friday I'm in love" mitsamt des durch und durch herzigen Videos dürfte alle Zweifel aus dem Weg räumen. Dass Hubley den Song mit deutlich mehr Bedacht singt als der seinerzeit äußerst euphorische Robert Smith, trägt nur noch mehr zum Charme des Stücks bei.

Es ist nicht die einzige Wohltat, die Hubley auf "Stuff like that there" vollbringt. Wie sie dem 66 Jahre alten Country-Klassiker "I'm so lonesome I could cry" neues Leben einhaucht, hätte wohl sogar seinem Schöpfer Hank Williams die Tränen in die Augen getrieben. Weg von der abgrundtiefen Traurigkeit geht es mit dem Twang-Pop in "Butchie's tune" von The Lovin' Spoonful, das Fans der Serie "Mad men" dank der fast schon berüchtigten zwölften Folge der fünften Staffel wohl für immer ins Gedächtnis gebrannt wurde – nicht nur wegen der finalen Szene mit Creepy Glen. Dank der zeitlosen Leichtigkeit in ihrer Stimme hätte Hubley wohl auch Mitte der Sechzigerjahre für wahre Glücksmomente gesorgt wie jetzt, 50 Jahre später, und das spricht nur für sie. Natürlich überzeugt auch Ira Kaplan mit der für ihn schon typischen Melancholie: So drückt er "Before we stopped to think" von der im Vergleich zu den anderen gecoverten Künstlern relativ unbekannten Country-Band Great Plains seinen Stempel auf. Eher als Erzähler denn als Sänger sitzt er hier am Lagerfeuer und murmelt seine Anekdote vor sich hin, während die Harmonie zwischen ihm und Hubley in beschwingten Liedern wie "Automatic doom" oder dem Abschlusssong "Somebody's in love" wohl kaum zu übertreffen zu sein scheint.

"Rickety", der erste von zwei neuen Songs, erinnert zumindest in Teilen an "My little corner of the world" vom Karriere-Highlight "I can hear the heart beating as one" – sicher nicht die schlechteste Referenz. Gleichzeitig schlägt es die Brücke zu "Fade", auf dem Yo La Tengo ihre jugendliche Unverbrauchtheit wiedergefunden hatten. Mit dem von Kaplan angeführten "Awhileaway", dem anderen neuen Stück, verhält es sich gänzlich anders: Ordentlich auf die Tränendrüse drückend, könnte dieser wunderbar-schnulzige Schmachtfetzen von einem Song auch eine der vielen Coverversionen auf "Stuff like that there" sein – und das ist durchaus positiv gemeint. Zusätzlich gibt es auf dem Album drei sogenannte "Remakes", darunter auch "The ballad of Red Buckets" von "Electr-o-pura", das durch einen psychedelischen Bass und das hypnotische Schlagzeugspiel wie die Einleitung zum nächsten Tarantino-Film klingt. Oder auch die um ihre Noise-Gitarren reduzierte Neuauflage von "Deeper into movies", die jetzt nicht mehr wild um sich schlägt, sondern sich sanft und warmherzig einkuschelt. Müde geworden, Yo La Tengo? Mitnichten. Dieses Schlachtschiff weiß mittlerweile nur zu gut, dass es die See beherrscht wie kaum ein anderer.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • I'm so lonesome I could cry
  • Friday I'm in love
  • Butchie's tune
  • Deeper into movies
  • Somebody's in love

Tracklist

  1. My heart's not it in
  2. Rickety
  3. I'm so lonesome I could cry
  4. All your secrets
  5. The ballad of Red Buckets
  6. Friday I'm in love
  7. Before we stopped to think
  8. Butchie's tune
  9. Automatic doom
  10. Ahileaway
  11. I can feel the ice melting
  12. Naples
  13. Deeper into movies
  14. Somebody's in love

Gesamtspielzeit: 46:23 min.

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