Public Image Limited - What the world needs now ...

Public Image Limited- What the world needs now ...

PiL Official / Cargo
VÖ: 04.09.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mind the bollocks

Was die Welt braucht? Keine Brause-Multis in der Bundesliga. Keine Rezensenten, denen es nicht gegeben ist, Post-Punk zu besprechen. Und natürlich erst recht nicht das, was allabendlich als Erstes, Zweites und Drittes in den Nachrichten kommt. Aber sonst? Ah! Gerade fällt uns das neue Album von Public Image Limited ins Auge. Darauf zu sehen: ein spindeldürrer Teufel oder wahlweise ein böses Rumpelstilzchen, in der nach unten zeigenden Hand die Erdkugel, in der nach oben zeigenden das Band-Emblem. Stimmt, dieses Bild hätte ebenfalls nicht Not getan. Schon 2012 war das Artwork von "This is PiL" einigermaßen vogelwild – John Lydons Punk-Veteranen sollten also bitte nicht nur ordentliche Platten machen, sondern sich auch auf die Zweckmäßigkeit früherer Cover zurückbesinnen. Was drin ist? Steht auf einem ganz anderen Blatt.

Dass bei Lydon zur Abwechslung einmal nicht gemeckert, gemotzt und gegrantelt würde, hatte allein wegen seines aggressiven Gesangsverhaltens wohl niemand ernsthaft erwartet. Auf "What the world needs now ..." treibt es der Frontmann aber von Anfang an ganz arg. Und das anlässlich unappetitlicher Dinge, wie die einleitenden Worte "The toilet's fucking broken / I repaired that / I told you get the fucking plumber in again!" klarstellen. Gas, Wasser, Scheiße, Punk. Überraschung jedoch: Obwohl sich der Opener "Double trouble" nicht nur über abgeranzte Klos, sondern auch über viele andere Ärgernisse auskotzt, gibt er einen stachligen Hit ab, der mit Uptempo-Beat, kantigen Gitarren und Funk-Bass über sämtliche Fäkalien erhaben ist. Und weil's so hübsch-hässlich war, haut "Know now" sofort noch mal auf die gleiche Stelle. Besser kann ein Album kaum beginnen.

Und dass es ähnlich gut weitergeht, liegt vor allem daran, dass der in Kalifornien residierende Lydon gerne über den britischen Tellerrand blickt: "Bettie Page" etwa gefällt sich als mit dem schmutzigen Popo wackelnder Boogie, der hämisch amerikanische Schönheitsideale denunziert, bevor "Space of choice" zu robustem Groove die Freiheit des Individuums feiert – und gleichzeitig beklagt, dass kein Mensch diese wahrnimmt. Dancehall-Freunde, die bei Public Image Limited auch stets fündig werden, rutschen inzwischen unruhig auf ihrem Stühlchen herum: Wann kommt endlich ihre Musik? In "Big blue sky" ist es dann soweit, auch wenn sich der eiernde Dub-Rock mittendrin zu einer Art Stadion-Hymne verpuppt. Kann man sich nicht ausdenken. "I don't feel human at all", quäkt Lydon – schönen Dank, wir auch nicht. Jedenfalls nicht bei diesem Song.

Nachvollziehbarer wird es bei den Referenzen an die Brit-Punk-Anfangstage: "The one" emuliert wunderbar akustisch The Jams "Town called Malice", während ein Gospelchor jubiliert und Lydon ungeahnte Kapriolen mit seiner Stimme schlägt, nachdem er sie durch ein Echogerät mit der Aufschrift "Ich gehöre John – fass mich an und stirb" gequetscht hat. Aus "Whole life time" lugt dagegen listig "Rock the Casbah" von The Clash hervor, und der Frontmann grinst sich eins: Wäre das also auch geklärt. Abschließend richtet sich "Shoom" zu staubtrocken wabbernden LCD-Soundsystem-Rhythmen noch einmal an alle, denen Worte nicht deutlich genug sein können: "Fuck you. It's all bollocks. What the world needs now is another fuck off." Wirklich schlauer ist man danach natürlich nicht. Aber um ein herrlich unversöhnliches Album reicher. Und das muss auch mal genügen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Double trouble
  • Know now
  • The one
  • Shoom

Tracklist

  1. Double trouble
  2. Know now
  3. Bettie Page
  4. C'est la vie
  5. Space of choice
  6. The one
  7. Big blue sky
  8. Whole life time
  9. I'm not satisfied
  10. Corporate
  11. Shoom

Gesamtspielzeit: 55:15 min.

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User Beitrag

Telecaster

Postings: 727

Registriert seit 14.06.2013

2015-09-05 13:14:50 Uhr
Ich wäre weniger enttäuscht, wenn er das ganze unter einem anderen Namen veröffentlicht hätte. Mit PIL hat die Platte für mich noch weniger gemeinsam als sein halbgares Soloalbum damals, "Psycho's Path".

Söze

Postings: 149

Registriert seit 14.06.2013

2015-09-05 10:26:53 Uhr
Finde das jetzt nach einem Durchlauf auch nicht besonders beeindruckend. Die Musik ist zu wenig interessant, um Lydons Gezeter aufzuwerten und umgekehrt hat Lydons Gezeter hier auch zu wenig Biss, als dass es ohne ein starkes musikalisches Gerüst bestehen könnte.

Dabei mag ich Lydon eigentlich ja wirklich sehr und gehöre auch nicht zu denen, für die PiL ohne Wobble und Levene bereits nicht mehr PiL ist (das beste PiL-Album ist nämlich Album/Cassette/Compact Disc von 1986! Von A bis Z nur Hits!). Aber das da ist harmlos und hat nicht halb so viel Saft, wie sich Lydon das wohl vorstellt. Der wirkt hier mehr wie der eine Onkel in der Verwandtschaft, der etwas verschroben und sonderbar, aber letztlich eben doch eine herzensgute und liebenswürdige Person ist. Weit weg vom Gift und Galle-Lydon der 70er und 80er Jahre.

Lydon bräuchte einen Partner/Produzenten auf Augenhöhe, der ihm im Studio auch mal klipp und klar sagen kann: "Sorry, Johnny, aber das ist jetzt ziemlicher Mist." Zum Beispiel jemanden wie Youth, der ja Leute wie Poly Styrene oder letztes Jahr Peter Murphy im Alter nochmals zu absoluten Höchstleistungen antreiben konnte. Aber so jemanden gibt es nicht (wer will sich schon freiwillig den Launen eines John Lydon aussetzen) und daher klingt das nun halt eher wie die Platte eines unterm Strich doch ziemlich zufriedenen und - Schock! - altersmilden Alt-Punks, der zusammen mit seinen Saufkumpanen im Studio zwar hörbar einen Riesenspass hat, aber dabei nicht unbedingt interessante Musik produziert.

Telecaster

Postings: 727

Registriert seit 14.06.2013

2015-09-04 00:36:18 Uhr
Eben, die davor fand ich auch recht cool.
Die neue - puh...
Gee
2015-09-03 02:00:30 Uhr
So schlimm?

Fand den Vorgänger gar nicht so übel, bin auch großer PiL Fan.

Telecaster

Postings: 727

Registriert seit 14.06.2013

2015-09-03 00:02:14 Uhr
Erster Eindruck war: Hilfe! Was macht er den jetzt für nen Sch... - und es fällt mir auch nach dem zweiten Durchlauf schwer, von dieser Meinung abzurücken.
Argumente:
1. Bis auf ein paar Momente erinnert der Sound des Albums nicht am entferntesten an PIL (und von den alten PIL-Leuten ist ja außer Lydon auch niemand mehr dabei), wenn man den Gesang jetzt mal außer acht lässt. Wo sind die monotonen Rhytmen, warum hört sich das alles meistens nur wie eine x-beliebige Punkband an?
2. Dieses Rumgeschimpfe, als ob er gerne Mark E. Smith oder der Typ von den Sleaford Mods wäre. Irgendwie peinlich.
3. In Kombination mit dem Sound hört sich das alles noch mehr nach Sleaford Mods an. Bäh.
4. Die Momente, die sich noch nach PIL anhören, klingen wie eine Selbstwiederholung der besonders gleichgültigen Art.
Schade. Bitte einfach wieder auflösen.
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