Biolay Fiszman Benarrosh - Trenet

Biolay Fiszman Benarrosh- Trenet

Barclay / Riviera / Universal
VÖ: 31.07.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Im Chansonkleid des anderen

Fast nichts. Was hätte auch schiefgehen können, wenn der junge Lebende den alt Verstorbenen, der französische den belgischen Chansonnier für sich vereinnahmt. Genauer gesagt: wenn sich Benjamin Biolay an das zeitgenössische Liedgut von Charles Trenet wagt. Schließlich hat das auch in den 1960ern bei Scott Walker funktioniert, als dieser Jacques Brel für sich entdeckt hatte und mit allem eigenen Weltschmerz und genialischem Orchester romantisierte. Derart große Gesten hat Biolays "Trenet" allerdings nicht zu bieten.

Was am Jazz-Trio liegt, das den Kern dieser Coversongs definiert. Es besteht aus Nicolas Fiszman an Gitarre und Bass, Schlagzeuger Denis Benarrosh und Biolay selbst, der Klavier, Violine und Posaune spielt. Es wirkt improvisiert, war akribische Arbeit. Freigeistig setzten die Instrumente aus und wieder ein, lassen sich treiben. Berieselnde E-Gitarrenläufe bestimmen "Le temps des cerises". Tonangebend, melodiedienlich ist alleine Biolays Stimme. Er wechselt ins Zerbrechliche, brummt vor sich hin, sucht die Untiefe seines Baritons. Zweifelnd fragt er "Que reste-t-il de nos amours?" – was sollte von der Liebe auch mehr bleiben als fast nichts. Und er klingt dabei wie Mark Lanegan, der sich ebenfalls gekonnt an den "Imitations" erprobt hat. In "Verlaine" leitet Biolay die orchestralen, stoßartigen Parts pfeifend ein. Wuchern dürfen diese nie.

Pointiert ergänzen sie einzelne Takte, wechseln sich ab, stützen sich dann wieder. Hierdurch gewinnt die Produktion etwas Luftiges, Sommerliches. Bevor zu viel Dramatik zu gewichtig wird, brechen die Streicher ab. Statt wie viele Chansons die großen Themen Liebe und Tod zu beweinen, werden sie hier besungen, bei "Le grand café" auch mal in Form eines swingenden Boogies. "J'ai ta main" verändert Biolay in ein im Original nicht vorgesehenes Duett: Vanessa Paradis singt zurückhaltend sachte mit, dort, wo die Hommage endet, die nie bloße Imitation war. Mit "La chanson du faussaire" möchte Biolay dann Trenet fälschen, im Geiste des anderen Chansonkünstlers. Daraus wurde ein Niemandslied, das in kein Repertoire passt – weder in Biolays noch in Trenets. Fernab bleibt es schön grazil, wie hier eines anderen Werk heraufbeschworen, ihm nicht blind gehuldigt, sondern Damaliges in etwas modernes Eigenes übersetzt wird. Und dabei kann wie eingangs erwähnt wenig schiefgehen.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Revoir Paris
  • Que reste-t-il de nos amours?
  • J'ai ta main (avec Vanessa Paradis)

Tracklist

  1. Revoir Paris
  2. Verlaine
  3. Le grand café
  4. Que reste-t-il de nos amours?
  5. L'âme des poètes
  6. Le piano de la plage
  7. En avril à Paris
  8. Le temps des cerises
  9. J'ai ta main (avec Vanessa Paradis)
  10. Coin de rue
  11. Vous qui passez sans me voir
  12. La romance de Paris
  13. La chanson du faussaire

Gesamtspielzeit: 43:05 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2015-08-25 21:48:44 Uhr
Frisch rezensiert!

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