MoTrip - Mama

MoTrip- Mama

Urban / Universal
VÖ: 19.06.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zellteilung

Die Marketing-Abteilung eines Bastian-Schweinsteiger-Sponsors untermalt mit gutem Timing einen Werbespot mit: MoTrip. Lena Meyer-Landrut arbeitet an ihrem Image und probiert sich schauspielerisch aus in einem Video von: MoTrip. "Lass die Ander'n sich verändern und bleib so wie Du bist" heißt es in beiden Fällen gemeinsam mit Feature-Gast Lary. Dabei hat sich allein schon metaphorisch das "Embryo"-Debüt hin zu "Mama" naturgemäß kräftig verwandelt.

Nach der ganzen Zellteilung bleibt dem Zweitling des Deutschrappers immer noch eine Dreigliedrigkeit erhalten. Im ersten Drittel präsentiert sich der Aachener als verwegenen Einzelkämpfer, der am Ende der Schlacht wie selbstverständlich als unangefochtene Nummer eins auf alles herunterblickt: "Heute triumphier' ich allein / Auch wenn sie dreist sind und zweifeln / Hier steht die Eins." Neben der gelungenen Zahlenspielerei in "Mathematik" liegen auch die übrigen Highlights gleich zu Anfang der Platte. Dazu gehören die röhrenden Orgelflächen des Eröffnungsstücks, der starke Representer-Track "Trip" und das kläffende aber trotzdem bissige "Wut". Besonders letzteres Stück hält dann auch nicht mit der obligatorischen Kritik an der aktuellen Deutschrap-Szene zurück: "Früher wollte man noch rappen um die Kids zu motivieren / Heute geht es nur noch darum ein paar Klicks zu generieren", bekommen erst die Künstler ihre Quittung, dann aber auch all die "stumpfen Kosumenten", die das am Ende doch kaufen.

Die Stärke des ersten Drittels und die klaren Ansagen sind so Maßstab für die zwei anderen Abschnitte von "Mama". Es folgt ein großer Block voller Feature-Gäste, der dem Flow des Albums nur bedingt förderlich ist. Während der gemeinsame Track mit MoTrips buchstäblichem Bruder Elmo noch organisch wirkt, drücken besonders die Kollaborationen mit Samy Deluxe und Sido den Stempel der Gäste zu deutlich auf. Auch wenn die Tracks mit Sicherheit als Hommage an MoTrips eigene Rap-Sozialisation gedacht sind, bleiben ein angestaubter Samy-Part in "Fan" und ein unfreiwillig ulkiges "Kaltes Wasser" zurück, welches in der Mitte des Albums deplatziert wirkt. Und auch wenn Haftbefehls Auftritt im Titeltrack sowohl inhaltlich als auch raptechnisch deutlich frischer wirkt, spricht es letztlich für MoTrip selbst, dass seine Gäste ihm auf seiner eigenen Platte größtenteils nicht das Wasser reichen können.

Die eingangs angesprochene Zusammenarbeit mit Lary ist als einziges Feature in das letzte Drittel von "Mama" verschoben. Wohl auch deshalb, weil "So wie Du bist" thematisch besser in diese Nachbarschaft passt und MoTrip nun auch selbst ein paar Refrains singt. Aus dem anfänglichen Einzelkämpfer wird in "Malcolm mittendrin" der einsame, verkannte Außenseiter. Aber auch "Wenn die Sonne tief steht", wird alles schon irgendwie klappen: Kopf hoch! Neben den Texten werden auch die Beats im letzten Drittel deutlich handzahmer. In "Selbstlos" singt dann sogar ein waschechter Kinderchor: "Sag die Wahrheit und wir glauben Dir / Darum schließen wir die Augen / Wir träumen von einer besseren Welt." Um von den regelmäßig eingestreuten Gewaltszenen des ersten Drittels zu diesem maximal entschärften Punkt zu kommen, ist es ein weiter Weg. Die Vielfalt des Albums mag genauso viele freuen wie enttäuschen. Sie ist aber in jedem Falle ein Zeichen von anhaltender Zellteilung.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Mathematik
  • Trip
  • Wut

Tracklist

  1. David gegen Goliath
  2. Mathematik
  3. Wie ein Dealer
  4. Trip
  5. Wut
  6. Hype (feat. Elmo)
  7. Fan (feat. Samy Deluxe)
  8. Kaltes Wasser (feat. Sido)
  9. Lauf der Zeit (feat. Azad & Manuellsen)
  10. Mama (feat. Haftbefehl)
  11. Malcolm mittendrin
  12. Wenn die Sonne tief steht
  13. Selbstlos
  14. So wie Du bist (feat. Lary)
  15. Bevor ich geh
  16. Gegenwart

Gesamtspielzeit: 56:42 min.

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User Beitrag
mama
2015-08-31 11:14:03 Uhr
schönes genesis-cover!

AndreasM

Postings: 379

Registriert seit 15.05.2013

2015-08-31 11:08:25 Uhr
@Demon Cleaner + ich denke:

Eine Mischung aus 2 Sachen: sicherlich die Tatsache, dass "Mama" (und "So wie Du bist") eine recht hohe Chartsplatzierung erreicht hat. Dazu kommt aber auch, dass bei der Bemusterung etwas schief gelaufen ist und es daher zu Verzögerungen kam.


Ich sehe die Platte auch weiter bei einer 6, auch wenn die Tendenz eher nach unten geht. Die 8 ist schreiend übertrieben, die 4 mMn aber auch. Da habe ich in diesem Jahr schon viele, deutlich schlechtere Deutschrap-Alben gehört.
ich denke
2015-08-21 22:09:08 Uhr
Die Rezension kam nur weil "So wie du bist" unerwartet ein echter Hit geworden ist.

Da das Album deshalb nun auch kommerziell sehr erfolgreich ist konnte es von PT natürlich keine bessere Bewertung geben.

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2015-08-21 11:09:34 Uhr
Ich würde auch eher Christopher zustimmen. Was mich wundert ist, dass die Rezension jetzt erst 2 Monate nach VÖ überhaupt kommt.

Christopher

Postings: 1000

Registriert seit 12.12.2013

2015-08-21 06:40:58 Uhr
also ich höre beinahe jedes genre und finde motrips album mit der 6 noch wohlwollend bewertet. für mich wär das maximal ne 4/10. beats sind langweilig, inhalte dröge, raps okay bis nervig. und das hafti-feature ist auch eher lahm.
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