Nathaniel Rateliff & The Night Sweats - Nathaniel Rateliff & The Night Sweats

Nathaniel Rateliff & The Night Sweats- Nathaniel Rateliff & The Night Sweats

Caroline / Universal
VÖ: 21.08.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Das Nicht-Vergnügen

Nathaniel Rateliff dürfte in der Liste der Lieblings-Interviewpartner bei den meisten Musikjournalisten kaum auftauchen. Und wenn, dann ganz unten. Der wohlgenährte, bärtige Mann wirkt oft etwas stoffelig und mundfaul. Vielen noch so eloquenten, tiefbohrenden und zugleich zugeneigten Fragen begegnet der 36-Jährige zumeist nüchtern und mit Wortkargheit. Er ist nicht wild darauf, Genre-Verquickungen auszuwalzen, sich groß zu erklären und selbst privat kein großer Redner. Vielmehr dienen seine Songs als Ventil. Für Sachen, die er verbockt hat. In Beziehungen beispielsweise. Und für den Alkohol, den alten Buddy und Downer, der das alles noch beschissener macht.

Mit The Night Sweats an seiner Seite wandelt sich der Eigenbrödler, der seine Songwriter-Qualitäten auf "In memory of loss" und "Falling faster than you can run" bereits noch und nöcher unter Beweis gestellt hat, zum Mannschaftskapitän. An seinen Themen ändert sich dabei eigentlich kaum etwas, nur die Verpackung ist eine andere. Klammert man das balladeske "I'll be waiting" und "Mellow out" als Verweis auf seine Soloarbeiten aus, stampfen und frohlocken hier oberflächlich Rhythm'n'Blues und (Country-)Soul in guter alter Memphis-Tradition, während Rateliffs Stimmbänder bluten. Zart in Aussagen wie "I won't let you go" und unbändig wie im Opener: "I needed the time, I needed to fall / I needed your love, I'm burning away / I need never get old." Live sicherlich ein Pflicht-Termin.

Die Energie, die mit dem Stil auf "Nathaniel Rateliff & The Night Sweats" einhergeht, fordert auch den Frontmann in Rateliff. Einst Hausmeister und Gärtner, nun Tänzer und Antreiber. Was auch zwingend notwendig war, um die Zügel der One-Take-Aufnahmen – nur die Bläser bekamen Overdubs verpasst – nicht schleifen zu lassen. So schmückt der Raumklang umgemein "Thank you" oder das Gitarrensolo am Ende des schwülen Cha Cha "Shake". Der Ansatz ist konsequent. Das wurde früher nicht anders gehandhabt. Zu Zeiten von Referenzstücken wie Marvin Gayes "Can I get a witness", Wilson Picketts "Land of a thousand dances" und zuvorderst Sam & Daves "Soul man", das die breite Öffentlichkeit durch die Blues Brothers liebenlernte.

Die Loop-Strukturen von "Trying so hard not to know" knarzen leicht bassgeschwängert und versprühen den Charme von Grumpy Cat im Aschenbecher. Der herrliche Lap-Steel-Country-Souler "Wasting time" und das Saloon-Piano von "I've been failing" fallen dem unbestrittenen Album-Kern "S.O.B." in der Bar in die Arme. Angetrieben von munterem Gospel-Summen, Handclaps und Fußstampfern entlädt sich zum Refrain ein Ohrwurm erster Güte. Rateliff steigert sich in die Nummer hinein, gerät beinahe ins Lallen, sucht Halt und findet ihn am nächsten Glas. "Son of a bitch, give me a drink / One more night, this can't be me / Son of a bitch, if I can't get clean / I'm gonna drink my life away". Und so könnte sein größter Hit ein vergnüglich verpackter Scheunenparty-Song über sein größtes Laster werden. Was aber nur wieder untermauert, dass in seinen Songs mehr steckt als in jedem Interview.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • I need never get old
  • I've been failing
  • S.O.B.
  • I'd been waiting

Tracklist

  1. I need never get old
  2. Howling at nothing
  3. Trying so hard not to know
  4. I've been failing
  5. S.O.B.
  6. Wasting time
  7. Thank you
  8. Look it here
  9. Shake
  10. I'd been waiting
  11. Mellow out

Gesamtspielzeit: 38:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Guido
2018-03-31 18:34:37 Uhr
Habe die Band in Köln im E-Werk gesehen .Einfach genial. Publikum von Jung bis Alt.
Mega Auftritt
namenslos
2015-11-17 20:49:07 Uhr
Wirklich eigenständig ist hier eigentlich nichts. Das ändert für mich aber nichts daran, dass sie live grandios sind, die Platte mega Laune macht und ich diesen rootsigen Soul wie ihn Van Morrison früher spielte, einfach sehr, sehr liebe.
7/10

Stephan

Postings: 814

Registriert seit 11.06.2013

2015-08-13 21:10:41 Uhr
Stream:

http://www.npr.org/2015/08/12/430367065/first-listen-nathaniel-rateliff-nathaniel-rateliff-the-night-sweats

Jennifer

Postings: 1508

Registriert seit 14.05.2013

2015-08-11 22:00:15 Uhr
Frisch rezensiert. Meinungen?
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