Death In Vegas - Scorpio rising

Death In Vegas- Scorpio rising

BMG
VÖ: 21.10.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Urschreitherapie

Man nehme zwei notorische Primal-Scream-Fans, eine Wagenladung voller Songideen, eine Handvoll veritabler Mikrophonhalter und Liam Gallagher. Informierte Leser wissen bereits, daß es sich eigentlich nur um Death In Vegas handeln kann, die einmal mehr angetreten sind, um zu zeigen, daß es doch eine Verbindung zwischen Bluesrock, Big Beat, TripHop, analogem Gezirpe und Psychedelia gibt. Der eklektizistische Vorgänger "The Contino sessions" war nur die Vorlage, "Scorpio rising" macht Ernst.

Natürlich gibt es auch diesmal wieder die von satten Riffs und wuchtigen Drums angetriebenen Tanzrocker wie das ineinander übergreifende "Leather/Girls" oder Stroboskopgeblinke from outer space Marke "Natja". Natürlich wabern wieder bunte Bilder und knispelnde Beats umeinander, um zwischen Elektronik und Rock genügend Platz für den Song zu lassen. Und da so schon 1999 mit Iggy Pops Hilfe und "Aisha" die Hit-Lunte gelegt wurde, geben sich natürlich auch dieses Mal die Gäste die Klinke in die Hand.

Da hätten wir zum Beispiel Altmeister Paul Weller, der Gene Clarkes Klassiker "So you say you lost your baby" im Rockschuppen um die Ecke bei der Hand nimmt und unversehens nach Indien (oder zumindest in die nach Curry duftenden Vororte Londons) schleift. Oder Hope Sandoval, die mit ihrer unnachahmlich distanzierten Stimme "Killing smile" und "Help yourself" von der Kitschgrenze zu kratzen vermag. Und bevor die Herren Fearless und Holmes auch Elektrofee Dot Allison zu den bedröhnten Shoegazer-Gitarren von "Diving horses" das Wölkchen spielen lassen, darf auch das ganz große Showbiz endgültig Einzug halten. Im Titelstück nämlich fällt das Flutlicht auf die Coolness persönlich: Mr. Gallagher gefällt sich als verkiffter Späthippie, dem ein Gitarrendickicht die Räucherstäbchen hält.

"Scorpio rising" krankt letztlich ein wenig an seinem Überschuß an unterschiedlichsten Ansätzen. Die gewollte Vielseitigkeit wirft viele nette Einzeltracks ab, schmeißt aber bis auf eine gewisse Entrücktheit auch alle Anzeichen eines gemeinsamen Plans über Bord. Der bisweilen gezwungen erscheinende Stilmix gerät dadurch nicht ganz so energetisch wie der Vorgänger, läßt aber auch dessen dunkle Seite hinter sich. An deren Stelle tritt eine etwas hemdsärmelige Esoterik samt Sitar und anderem Klimbim. So ist es den Damen und ihren elfenhaften Momenten zu verdanken, daß auch der dritte Release von Death In Vegas nicht mit Reizen geizt. Die Mädels können Krishna zwar auch nicht abschütteln, bändigen ihn aber mit zwinkernder Verführung.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hands around my throat
  • Killing smile
  • Diving horses
  • Help yourself

Tracklist

  1. Leather
  2. Girls
  3. Hands around my throat
  4. 23 lies
  5. Scorpio rising
  6. Killing smile
  7. Natja
  8. So you say you lost your baby
  9. Diving horses
  10. Help your

Gesamtspielzeit: 49:55 min.

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