Fear Factory - Genexus

Fear Factory- Genexus

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 07.08.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Metal machine music

Fear Factory waren mal innovativ. Also so richtig bahnbrechend. Denn als 1992 "Soul of a new machine" erschien, waren die Amerikaner so ziemlich die einzigen, die es wagten, knüppelharte Death-Metal-Klänge mit vereinzelten Clean Vocals zu ergänzen. Damit nicht genug, denn mit "Demanufacture" gelang ihnen nicht nur der endgültige Durchbruch, sondern dank Produzent Rhys Fulber erstmalig eine faszinierende Mischung aus brutalen Riffs und klirrend kalten Industrial-Beats. Zeitsprung in die Gegenwart. Es benötigte einige Umbesetzungen und deren Rücknahme in der Band, um festzustellen, dass die besten Alben letztlich doch diejenigen mit Dino Cazares an der Gitarre und Fulber als verantwortlichem Kopf im Studio waren. Will sagen: Nach Jahren der Orientierungslosigkeit durften "Mechanize" von 2010 und "The industrialist" von 2012 wieder als gelungene Platten angesehen werden, wenn auch nicht an Meisterwerke wie "Obsolete" aus dem Jahr 1998 heranreichend.

Nun also "Genexus", Album Nummer neun einer Band, die sich schon immer mit der Maschinisierung von Menschen (oder wahlweise Humanisierung von Maschinen) und deren Folgen befasst hat. Denn nichts passt besser zu dieser Dystopie, eben der Beginn dieser Verschmelzung, wie der eisige Sound der Amerikaner. Brutal bratende Riffs von Cazares, abgrundtief dröhnender Bass, dieses Mal gar befeuert von einem Drummer aus Fleisch und Blut – das sind die Fundamente, über denen Burton C. Bell seine heiseren Lyrics bellt. Letzteres jedoch nur, um wie im Opener "Autonomous combat system" (Skynet, anyone?) darüber ein Hookmonster von Refrain schweben zu lassen. Das erinnert an Großtaten aus der Ära von "Obsolete", das ist schlicht großartig.

Das folgende "Anodized" weiß erst recht zu gefallen, spielen Fear Factory und vor allem ihr Produzent immer wieder mit Referenzen an Fulbers Hausband Front Line Assembly. Synthesizer-Teppiche breiten einen unterkühlten Boden aus, auf dem sich Cazares' Gitarrenwände türmen – genau so muss Industrial Metal klingen, das ist die Blaupause, die die frühen Werke der Diskographie so unverzichtbar gemacht hat. Und wenn "Dielectric" und später der Titeltrack nochmals einen draufsetzen, lächelt der Kritiker zufrieden, und der Fan mosht sich auf dem Weg in den siebten Metalhimmel die kalte Seele aus dem Leib.

Wäre da nicht das eine, das vieles verdeckende Manko von "Genexus". Es ist schon verrückt, dass ausgerechnet einer so stilprägenden Band Experimente missraten, doch die abgehackten Riffs sollten die Amerikaner dann doch lieber Meshuggah überlassen. Viel tiefgreifender jedoch ist, dass mit zunehmender Spielzeit das Feuer der ersten Hälfte zu erlöschen scheint. Mehr und mehr ertappt sich der Hörer auf der Suche nach weiteren Überraschungsmomenten, nach weiteren aufrüttelnden Momenten. Allemal sind Fear Factory nicht Motörhead oder ähnlich gelagerte Truppen, bei denen Innovationen höchst unerwünscht sind. Songs wie "Regenerate" oder "Battle for utopia" können schlicht nicht mit dem großartigen Anfangstempo Schritt halten und hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Ein schlechtes Album ist "Genexus" deswegen noch lange nicht, ganz im Gegenteil. Und vielleicht mögen die Erwartungen an eine Band, die immerhin ein ganzes Genre mitbegründet haben, überhöht sein. Aber auf Vinyl würde "Genexus" das Schicksal einer abgenudelten A- und einer fabrikneuen B-Seite drohen. Fear Factory waren mal innovativ. Heute sind sie – so bösartig es klingen mag – einfach "nur" gut.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Anodized
  • Dielectric
  • Genexus

Tracklist

  1. Autonomous combat system
  2. Anodized
  3. Dielectric
  4. Soul hacker
  5. Protomech
  6. Genexus
  7. Church of execution
  8. Regenerate
  9. Battle for utopia
  10. Expiration date

Gesamtspielzeit: 48:01 min.

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Jennifer

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2015-08-11 21:57:22 Uhr
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