John Howard & The Night Mail - John Howard & The Night Mail

John Howard & The Night Mail- John Howard & The Night Mail

Tapete / Indigo
VÖ: 21.08.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Gefällige Harmonie-Liebhaberei

Harmoniensüchtige leiden voller als andere Süchtlinge. Sie kommen in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht voran, denn werden sie als Streitverweigerer nicht ernst genommen. Versuchen sie musikalische Karrieren, werden sie wie John Howard zu schnell als zu langweilig etikettiert. 40 Jahre sind vergangen, seit dieser 1975 mit "Kid of a big world" debütierte, einer wunderbaren, weichstimmigen Songwriter-Platte. Zwar stand er bei CBS unter Vertrag und Kritiker feierten den nächsten Elton John, doch mit suizidalen Songs, besungenen Abtreibungen und bekennender Homosexualität wurde erfolgsverhindernden Ressentiments Nährstoff geboten.

Howard gab hingegen nicht auf, er veröffentlichte weiter und weiter, bis heute 14 Alben. Und kollaborierend mit The Night Mail erscheint nun das 15. Werk. Unter den Mitwirkenden tummeln sich Andy Lewis (Paul Wellers Bassist), Ian Button (mal bei Death In Vegas, dann bei Papernut Cambridge am Schlagzeug). Die Harmoniesucht begleitet den Briten seit jeher, das Album "John Howard & The Night Mail" ist daher keine Reminiszenz an seine frühe Phase oder der 1970er/1980er, sondern eine Auffrischung. Gefällige, zum Fußwippen animierende Melodien ohne Brüche oder Auffälligkeiten. Songtextlich wird erzählt vom Weiterleben nach Menschenverlusten oder verloren gegangenen Menschen, weil diese sich von Grund auf verändert haben, so etwa in "Before". Viele Songs erinnern sich, wenngleich nicht auf eine melancholische, vielmehr dankende und lebensbejahende Weise.

Leise Chöre barmen über "In the light of fires burning", das Klavier klimpert wie in Billy Joels "Piano man", nur wesentlich unspektakulärer. Heraustreten ist nicht Howards Sache. Ähnlich grundiert ist "Thunder in Vienna", einzig auffällig durch schnelle Schlagzeug-Rhythmik. Etwa 42 Minuten wird versucht, ein Gefühl des Wohligen, Vertrauten und Behaglichen einzufangen. Das kann auch etwas dümmlich daherkommen wie "Deborah Fletcher", diese Dame mit einem "diploma in love" und einem Doktortitel in anderen Liebesangelegenheiten. Zumindest erzählerische Schwülstigkeiten sind Howards Liebäugeleien mit dem Broadway geschuldet. "This song" könnte inkognito den nächsten Beatles-Abend überstehen. Vielleicht ist es auch das Porträtieren eines harmoniesüchtigen Menschen in "Tip of your shoes", einem, der die Welt an den Schuhspitzen enden lässt, weil alles weitere nur verängstigt. Nicht in den Augen heißt: Nicht im Sinn. Eine abgedroschene Erkenntnis zu überhaupt nicht markiger Musik. Wohlgefällig für Liebhaber des Einklangs.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Before
  • In the light of fires burning
  • This song

Tracklist

  1. Before
  2. Intact & smiling
  3. In the light of fires burning
  4. London's after-work drinking culture
  5. Small world
  6. Thunder in Vienna
  7. Deborah Fletcher
  8. Control freak
  9. Safety in numbers
  10. This song
  11. Tip of your shoe

Gesamtspielzeit: 41:41 min.

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Armin

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2015-08-04 00:56:53 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?

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