J Mascis & The Fog - Free so free

J Mascis & The Fog- Free so free

City Slang / Labels / Virgin / EMI
VÖ: 14.10.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Flugstunden

J Mascis widmet sich auf seiner neuen Post-Dinosaur Jr.-Platte der Freiheit. Aufgrund seines notorisch verschlafenen Aussehens und seiner von Eloquenz, Beredsamkeit und Mitteilungdrang nur so strotzenden Interviews könnte man zwar meinen, seine Freiheit beginne mit dem Aufstehen irgendwann nach 13 Uhr. Nach dem Frühstück im Bett schlurfe sich der Protoslacker mit seiner Klampfe zwischen Marmeladenbagels gemächlich ins Tonstudio, um die dort gelebte Langsamkeit in musikalische Ergüsse à la "Feel the pain", "Freak scene" oder "Green mind" umzuwandeln. Vielleicht war das früher der Fall – heute jedoch singt Mascis von der Freiheit und meint damit seine neue Leidenschaft, die er mit Bauchlandungs-Möllemann teilt: das Fallschirmspringen.

Ein solches Hobby hinterläßt scheinbar frischen Wind im Musikzentrum des Mascis'schen Großhirns. Natürlich bläst sich Mascis nicht Helium durch die Mundhöhlen, um sein unverkennbar nörgeliges Näseln zu verstecken. Aber die Lieder atmen, pulsieren, hauchen. In "Free so free" beispielsweise nimmt einen die simple, aber warmherzige Akkordfolge über den Wolken gefangen. Dazu umflattern Kinnladen-fallen-runter-Soli und der scheinbar jammernde Lyrik-Vortrag die Ohren wie der Flugwind. Das träumerische "Someone said" – mit Flöte und sanftem Keyboard zur Akustischen vorgetragen - läßt den freien Fall noch einmal in langsamster Zeitlupe mit Engelsflügeln nacherleben.

Doch auch die Hart-Klampfen-Fans des Godfathers aller Slacker werden bedient: In der ungewohnt eingängigen Single "Everybody lets me down", auch in "Set us free" hackt Mascis in die Saiten. Noch eine Spur heftiger und weiter neben dem erwarteten Ton geriet "Boppin", während "Freedom" und "Say the word" mit frischem Schlagzeug-Beat daherkommen. Natürlich war bei Mascis schon mehr Feuer zu spüren und waren bessere Songs zu hören. Aber immerhin schafft er es, in Würde zu altern, ohne seinen Legendenstatus einzubüßen. Mit Nebel hat dieser weitere Alleingang von Mascis - der wieder einmal den Löwenanteil an Instrumenten selber traktiert hat - nichts zu tun. File under J Mascis + The Sunrise.

(Daniel Löb)

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Highlights

  • Free so free
  • Everybody lets me down

Tracklist

  1. Freedom
  2. If that's how its gotta be
  3. Set us free
  4. Bobbin
  5. Free so free
  6. Tell the truth
  7. Someone said
  8. Everybody lets me down
  9. Say the word
  10. Outside

Gesamtspielzeit: 43:28 min.

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