Powerwolf - Blessed & possessed

Powerwolf- Blessed & possessed

Napalm / Universal
VÖ: 17.07.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Heilig's Blechle

Räumen wir doch endlich einmal mit einem in der Metal-Szene immer noch tief verwurzeltem Postulat auf. Nämlich demjenigen, dass Charterfolge böse sind. Von wegen Kommerz, Ausverkauf und so. Denn als 2013 plötzlich Powerwolf den unverbauten Blick von oben auf die Rangliste genießen durften, gab es nur wenige, die den Sakral-Metallern diesen Erfolg missgönnten. Klar, man kann über das ganze Bohei drumherum, den Bombast und vor allem die immerhin konsequent beibehaltene Story der vorgeblich rumänisch verwurzelten Band aus Saarbrücken halten, was man will. Aber niemand kann abstreiten, dass der Erfolg insbesondere der letzten beiden Alben "Blood of the saints" und eben "Preachers of the night" hart erarbeitet war, nicht zuletzt durch intensive, schweißtreibende Konzerte. Und eine veritable Kirchenorgel als wesentlicher Bestandteil des Bandsounds muss man auch erst einmal auf die Bretter wuchten.

Insofern steht der vermeintlich größte Nachteil von "Blessed & possessed" bereits vor dem ersten Riff fest – Es wird keine Überraschungen geben. Aber mal ehrlich: Wären die Romano-Saarländer (oder Saar-Rumänen? Who knows...) nicht mit dem sprichwörtlichen Klammerbeutel gepudert, würden sie auch nur ein Iota von ihrem Erfolgsrezept abweichen? Eben. Also Arme ausbreiten und los: "Benedictus / Et affectus / Benedictus / Hallelujah." Keine 30 Sekunden dauert es, und der Titeltrack lässt Haare und Fäuste zu Melodien und Riffs fliegen, die in ihrer geradezu unverschämten Eingängigkeit in der Tat derzeit ihresgleichen suchen. Kaum zu glauben, wie es den kreativen Köpfen Matthew Greywolf und Falk Maria Schlegel immer und immer wieder gelingt, solche Hooks scheinbar mühelos aus dem Ärmel zu schütteln, deren Gesangslinien vom brillant ausgebildeten Frontmann Attila Dorn problemlos getragen werden.

Wer nun also immer noch nicht glauben mag, dass kraftvoller Metal und Hitpotenzial einander ausschließen, darf sich spätestens bei der Vorabsingle "Army of the night" eines besseren belehren lassen. Denn hier übertreffen sich Powerwolf nochmals selbst, hier dürfte auch die erschöpfteste Zuschauermeute live innerhalb weniger Sekunden in einen tobenden Pit verwandelt werden. Das ist stumpf, wenig filigran? Na sicher. Aber hier dürfte außer in der Wolle gefärbte Black Metaller, für die jeglicher Anflug von Melodie ein Sakrileg darstellt, so ziemlich jeder umgehend von diesen mächtigen Harmonien mitgerissen werden. Zumal das folgende "Armata strigoi" mit seinem in der Tat an russische Melancholie erinnernden Refrain nicht einen Deut schlechter daherkommt.

Es ist schon ein besonderer Spagat, eine besondere Herausforderung, der sich Powerwolf mit "Blessed & possessed" stellen müssen – und die sie in weiten Teilen höchst eindrucksvoll meistern. Denn auf der einen Seite ist dieser pastorale True Metal, der bei näherem Hinsehen eben gerade nicht aus vertonten Predigten besteht, ohnehin stilistisch einigermaßen limitiert. Auf der anderen Seite gelingt es immer wieder, eben gerade nicht den Eindruck des "More of the same" entstehen zu lassen. Ausnahmen wie das in ähnlicher Form auf jedem Album zu findende "We are the wild" oder die Küchenlatein-Lyrik von "Sanctus dominus" bestätigen da nur die Regel. Und da Powerwolf bei allem Mummenschanz eine gewisse humoristische Distanz bewahren, wie immer wieder live zu erleben ist, ist das Klerikal-Image eben nicht peinlich, sondern passt einfach nur ins Bild. Letztlich gebührt den Saarländern höchster Respekt, auch mit "Blessed & possessed" dem Druck des Charterfolgs standzuhalten. Und das eben gerade nicht auf Kosten der künstlerischen Integrität.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Army of the night
  • Armata strigoi
  • Sacramental sister

Tracklist

  1. Blessed & possessed
  2. Dead until dark
  3. Army of the night
  4. Armata strigoi
  5. We are the wild
  6. Higher than heaven
  7. Christ & combat
  8. Sanctus dominus
  9. Sacramental sister
  10. All you can bleed
  11. Let there be night

Gesamtspielzeit: 45:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Zoro
2015-07-30 19:10:11 Uhr
ich kann mir sogar vorstellen warumk die verbrauchten tanten auf unheilig stehen.

- vom mann betrogen
- alleinerzeihend
- problem mit der erziehung der kinder
- billiglohn job,

da sehnt man sich nach pathosgetränkter musik
Die alten Weiber,
2015-07-30 06:20:27 Uhr
die so etwas tragen, sind alle overused.

Sex macht alt.
Zoro
2015-07-30 06:15:13 Uhr
ich sehe im moment viele 20-25 jährige mit t-shirts von powerwolf, freiwild, haudegen,

und viele verbrauchte 40 jährige frauen mit unheilig und mittelalter bands t-shirts.

Superhelge

Postings: 633

Registriert seit 15.06.2013

2015-07-28 00:26:26 Uhr
Imho genauso überflüssig und aufgebläht wie seinerzeit der erst Hype um Sabaton oder Rhapsody (of Fire) oder Edguy... Ist mir einfach alles irgendwie zu lieblich... dann doch lieber kernigeres wie Ghost, Falconer, Astral Doors oder Mystic Prophecy - oder wenn schon Käse, dann die Kings of Cheese: HammerFall... Im Melodic Metal haben Bands wie Angra und Stratovarius mE bereits in den 90gern alles gesagt (Blind Guardian lasse ich hier mal außer Konkurrenz laufen, da die für mich nie typischer Melodic waren...)

Armin

Postings: 14239

Registriert seit 08.01.2012

2015-07-27 22:02:35 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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