Owl City - Mobile orchestra

Owl City- Mobile orchestra

Republic / Universal
VÖ: 10.07.2015

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Runter damit

2010 passierte es. Ein gewisser Adam Young lieferte mit "Fireflies" einen Sommer-Hit ab, der problemlos im Hintergrund einer jeden Grillparty vorbeidudeln konnte. Hätte man doch damals nur gewusst, mit welchen Konsequenzen diese unschuldige Rezeption eines Liedes, welches nur wegen etwas Schlaflosigkeit auf uns losgelassen wurde, behaftet sein würde – man hätte sich einiges ersparen können. Stattdessen legt Young nun mit "Mobile orchestra" das bereits vierte Owl-City-Album in fünf Jahren vor und schreibt abermals mit süßen Glitzerstiftchen Klischee um Klischee nieder.

Der liebe Gott, der liebe Himmel und die liebe Liebe sind die bestimmenden Themen von "Mobile orchestra". Die meisten Songs funktionieren nach einem ziemlich simplen Muster. Young überlegt sich zuerst eine schöne Melodie, sie muss nur irgendwie catchy sein. Danach füllt er sie beliebig mit den Versatzstücken Natur (bestenfalls der Himmel) und Liebe auf. Und so entstehen in kürzester Zeit Zeilen wie "When I collapse into your arms / I'm just a stranger in the stars / Cause somehow it seems when I am with you / That all of my dreams begin to come true." Oder "So lead me home and lift me up / Above the stars and even higher / I'm not afraid because your love / It falls like rain and burns like fire." Oder "Out on the verge of the rest of our lives tonight / Top of the world and we're dressed to the nines tonight / Edge of the Earth and we're touching the sky tonight." Wie ein verkohltes Schnitzel bei der Grillparty ganz einfach mit einem Klatsch Ketchup oder mit Remoulade überzogen wird, übertüncht Young die Zeilen noch einfacher mit Synthesizern, und seine niedliche Stimme tut das Übrige.

Lediglich die möchtegern-nostalgische Kindheitsnummer "Unbelievable" und der unbeholfene Anflug von Storytelling in "This isn't the end" entziehen sich dem Schema komplett, tun sich jedoch auch keinen großen Gefallen. "My everything" und "You're not alone" hingegen verpacken das Behütetsein durch Gott in gleicher Manier wie die sonstigen x-beliebigen Liebesgeschichten auf "Mobile orchestra". Also naiv, plump, süßer als Hubba Bubba und dabei irgendwie so unschuldig, dass man Young doch eigentlich nichts Böses will. Bis man sich klar macht, dass er nun vier beinahe identische Alben mit gefühlt 30-facher Ausführung desselben Songs herausgebracht hat. Egal, ob er mit Hanson und Aloe Blacc illustre Gäste ins Studio gekarrt hat.

Wenn man sich einmal eingehend mit gar nichts beschäftigen will, tierisch auf Synthesizer steht und nur ein paar wirklich nette Hooks will, dann wird man an "Mobile orchestra" wie an den bisherigen Werken von Owl City einen Riesenspaß haben. Wenn man sich aber auch nur annähernd mit Musik auseinandersetzt, das zwölfte Lebensjahr überschritten hat und nicht gerade nach einem Geschenk für die ungeliebte Nichte sucht, dann lieber so lange die Pfoten weg, bis sich Adam Young wenigstens die Mühe gibt, seine immergleichen Lieder ein klein wenig zu variieren. "I'm saying goodbye to the skyline" – ach, wenn es doch nur so wäre. Egal, mit Ketchup und Remoulade geht's schon runter.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Unbelievable (feat. Hanson)
  • This isn't the end

Tracklist

  1. Verge (feat. Aloe Blacc)
  2. I found love
  3. Thunderstruck (feat. Sarah Russell)
  4. My everything
  5. Unbelievable (feat. Hanson)
  6. Bird with a broken wing
  7. Back home (feat. Jake Owen)
  8. Can't live without you
  9. You're not alone (feat. Britt Nicole)
  10. This isn't the end

Gesamtspielzeit: 35:50 min.

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