Ms Mr - How does it feel

Columbia / Sony
VÖ: 17.07.2015
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der äußere Schein
Wie es sich anfühlt, Ms Mr?! Herrje, bitte überrumpelt uns nicht gleich solch mit solch hochtrabenden Fragen. Wie es so geht, könnte man doch vielleicht erst mal voranschieben. Oder meinetwegen auch, wie es so ausschaut. Da gibt's nämlich keine Zweifel: Die Farbkombination aus Lila,Türkis und Rot, die Elizabeth Plapinger und Max Hershenow alias Ms Mr für das Artwork ihrer zweiten Platte "How does it feel" gewählt haben, beamt uns zielgerichtet in die Zeiten des Filmklassikers "Zurück in die Zukunft". Und die Musik schließt sich gleich an. Warum auch nicht? Schließlich war neben Plapingers knalligem Haarschopf auch schon "Secondhand rapture", das kurzweilige Debüt des New Yorker Synthpop-Duos, mit seinen 80s-(Dark)Pop und zarten 90s-R'n'B-Touch nah dran am Stil besagter Dekaden. Eine hohe qualitative Messlatte legten sich Ms Lizzy und Mr Max auch gleich selbst, oder wer erinnert sich nicht an "Bones", oder ihren Über-Hit "Hurricane" – an diese halbdunkle, aber bis heute nicht verblassende Ohrwurm-Perle?
Auf "How does it feel" setzen Ms Mr nun Vieles daran, die alten Klangwelten neu zu illuminieren. Zwar verleiht alleine das zart-düstere Organ Plapingers vielen Kompositionen erneut einen verdunkelten Schimmer, jedoch zeigt schon der Auftakt dieser Platte, dass eher Aufbruchstimmung herrscht – Ms Mr wagen mehr Pop, mehr Tanz und zeigen Mut zu pulsierenden Beats und Bässen: Die Auskopplung "Painted" legt gleich ungestüm los, nimmt ihren Tanzbeat als Droge, kommt nur zwischenzeitlich mal zur Ruhe und verbrät am Keyboard – tatsächlich! – ein DJ-Bobo-Gedächtnis-Sample. "Criminals" ist nicht weniger konsequent in seiner Ausrichtung, kreuzt kurzerhand Timbaland-R'n'B mit Konsens-Pop, wie er auch von Taylor Swift stammen könnte, und holt dann zu einem (leider nur halbstarken) Haim-Refrain aus. Zum Glück bedeutet die musikalische Öffnung hin zum populären Pop-Antlitz nicht, dass "How does it feel" eine oberflächliche Angelegenheit geworden ist, oder blass wirkt wie die vergilbten Wände des alten Hallenbades.
Dem feinen "Tripolar" zum Beispiel merkt man vielmehr die Akribie an, mit der Ms Mr – sowohl als Komponisten und Produzenten – in einem Zimmer in Brooklyn über Monate an ihren Sounds und Melodien feilten. Etwas verschrobener Beat, leicht wummernder Bass und ein toller Refrain, der auch textlich in die Vollen geht: "It's the terrible truth / That hurts the most." Überhaupt, nicht nur "Painted" erzählt von Selbstzweifeln und persönlicher Orientierungsfindung, auch der verzweifelte Schlussakt "All the things lost" und die intensive Ballade "Wrong victory", mit hübschen Pianoklängen verziert, gehen tief: "When a skin doesn't feel like home" eröffnet Plapinger eindrucksvoll ihr Innenleben, bringt dabei aber auch so ein bisschen den Schönheitsfehler dieses Albums auf den Punkt: dass manche Songs eben nicht unter die besungene Haut gehen wollen. Stücke wie "Leave me alone" oder auch "Tunnels" bleiben, anders als das atmosphärische "Pieces", doch ziemlich unscheinbar und hätten "How does it feel" mit ihrer Abwesenheit vielleicht in ein noch besseres Licht gerückt. Wie gut, dass der äußere Schein am Ende Interpretationssache ist.
Highlights
- Painted
- Wrong victory
- Tripolar
Tracklist
- Painted
- Criminals
- No guilt in pleasure
- Wrong victory
- Tripolar
- How does it feel
- Tunnels
- Leave me alone
- Reckless
- Cruel
- Pieces
- All the things lost
Gesamtspielzeit: 44:02 min.
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Referenzen
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- http://www.discogs.com/artist/2769572-MS-MR
- http://www.laut.de/MS-MR
- http://www.br.de/mediathek/video/ms-mr-im-interview-100.html
- http://www.fluxfm.de/it-feels-like-a-strong-revolution-ms-mr -im-fluxfm-interview/
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