Eleni Mandell - Dark lights up

Eleni Mandell- Dark lights up

Yep Roc / Cargo
VÖ: 24.07.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Muttis liebes Leben

Das Leben eines Musikers, sofern es lange genug währt, läuft in etwa so ab: Revolte in jungen Jahren. Kindliche Unsicherheit und Leichtsinn, Lampenfieber und Eskalation geben sich auf Tournee die Klinke in die Hand. Spätestens beim dritten Album wird das Leben geradlinig und überraschungsarm. Professionalität siegt über die Flasche Single Malt beim Zähneputzen im Tourbus. Dann kommt die Familie. Bei Eleni Mandell: Zwillinge, Della und Rex, Wunschkinder per Samenspende, die sie 2014 auf Tour begleiten. Cola im Schlafanzug und Revolte gegen das Zähneputzen.

Mama Mandell hat sich schon bei ihrem neunten Album "Let's fly a kite" vom Nachwuchs inspirieren lassen. Bei "Dark lights up" konnte sie sich dem Einfluss der kleinen Mandells kaum mehr entziehen. Nach einem Tourstop an der Country Music Hall Of Fame in Nashville spielte sie den Zwillingen Roger "King of the road" Miller vor. Die CD bleibt auf Wunsch der Kids ein Jahr der Wegbegleiter der Roadtrip-Familie und Mandell gesteht sich vor der Veröffentlichung ihres zehnten Albums ein: "Es sollte übersichtlicher und reduzierter werden – einfach, aber trotzdem reizvoll und reich im Sound ."

Hat man der Songwriterin aus Los Angeles 1998 bei "Wishbone" noch das Etikett der indifferenten poetischen Unbekannten aufgeklebt, verblasste der Experimentierdrang mit der Zeit. Zuletzt pendelte das Kritik-Barometer zwischen Langeweile und gähnender Langeweile, doch nun stellt sich Gelassenheit ein. Mandell reflektiert über und schwelgt in einer Zeit, die mindestens genau so alt ist wie sie selbst: "I'm old fashioned / I like to walk to the café down the street / I like to read a magazine / I like to talk to my friends on a telephone plugged into the wall."

Musikalisch hat sie sich nicht nur in "I'm old fashioned" für die Fassadenwelt der Fünfziger und frühen Sechziger entschieden. Mehr Country, weniger Folk, Swing und ein bisschen Träumen sind erlaubt: "Think what love can do / When you're feeling low / I know it's hard to believe", und so kommt "What love can do" zum Ergebnis: "Love can be good." Das Leben ist schließlich noch nicht vorbei. Im Video zu "Someone to love like you" verliert Mandell ihre Kleider an einen Cowboy beim Strippoker, ohne Stolz und Intimbedeckung einzubüßen. Selbst als "Old lady" wird sie sich eines Tages noch als "girl" oder "baby" fühlen. Zu guter Letzt bleibt immerhin noch die Sehnsucht und für Della und Rex zwei Gutenachtlieder für die Zeit nach Roger Miller: "Town called heartache" und "Butter blonde and chocolate brown". Sind die Kinder glücklich, ist es Mandell nämlich auch. Mit "Dark lights up" ist sie den Weg gegangen, der unausweichlich scheint. In den Songs hat Mutti zwischen Tourleben und Schokoeis auf der Hose Platz zum Träumen.

(Bastian Sünkel)

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Highlights

  • I'm old fashioned
  • What love can do

Tracklist

  1. I'm old fashioned
  2. What love can do
  3. Someone to love like you
  4. Cold snap
  5. China garden buffet
  6. Town called heartache
  7. Old lady
  8. Magic pair of shoes
  9. If you wanna get kissed
  10. Baby, don't call
  11. Butter blonde and chocolate brown
  12. Do it again

Gesamtspielzeit: 40:59 min.

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Armin

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2015-07-19 22:37:46 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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