Little Boots - Working girl

Little Boots- Working girl

On Repeat / Rykodisc / Warner
VÖ: 10.07.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Lunch Beat

Little Boots aka Victoria Hesketh scheint erwachsen geworden zu sein. Sie ist kein kleines Pop-Sternchen mehr und will dies auch nicht mehr sein. Second Hand war gestern, heute trägt sie neue Kleider, Business-Outfits von Dior und gibt sich seriös: ein "Working girl", so der Titel ihres dritten Albums, das sich an die Spitze kämpft und ihr eigener Boss sein will. Es erscheint selbstredend auf ihrem 2013 eigens gegründeten Label On Repeat. Zieht man das Albumcover in Betracht, auf dem sie mit edlem Trenchcoat vor hellblauem Grund posiert, ist ein Gähnen nicht gänzlich unangebracht. In Tönen ist ihr Business-Look jedoch durchaus spannend. Das "Intro" eröffnet mit einer Marketingnachricht auf Band. Der geneigte Hörer solle sich die folgende Botschaft anhören, möchte er etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anfangen. Wird gemacht!

Schnelle, recht monotone Beats zwischen Deep-House und R'n'B, eingängige Melodien und Heskeths Gesang bestimmen das Geschehen über die Länge einer Fußball-Halbzeit, plus der obligatorischen einminütigen Nachspielzeit. Der eröffnende Titelsong gibt das Sujet vor: irgendwas mit und im Biz. Dies ist ideale Begleitmusik für das Business-Dinner in der Luxus-Lounge des Stadions oder für das berüchtigte Lunch Beat, das in bürgerlichen Hipster-Kreisen Mahl und Tanz vereint. Einmal wird dabei mit "The game" der Weg in die 80er Jahre zu Kylie Minogue geebnet, ein anderes Mal mit "Help too" der futuristische Kongress eröffnet. Letzteres ist mit seinen zuckersüßen Harmonien und seiner Laszivität der beste Song auf "Working girl" und erhitzt die Gemüter in der ansonsten eher kühlen Atmosphäre.

Im Grunde ist jeder Track tanzbar. Das gilt insbesondere für die hypnotische Disco-Nummer "Taste it", das leider wie "Heroine" und das titelgebende Stück Zweitverwertung ist und schon auf der letztjährigen EP "Business pleasure" zu finden war. Zu Hilfe nahm sich Hesketh hier gleich mehrere Produzenten, darunter Ariel Rechtshaid, Grammy-Gewinner für die Produktion von Ushers Single "Climax", Com Truise und Jas Shaw von Simian Mobile Disco. Diese Expertise zahlt sich aus: Es gibt keinen Ausfall, jedoch auch keine Überhits wie "Remedy" und "New in town" von ihrem Debüt-Album "Hands". "Working girl" funktioniert ausgezeichnet als Gesamtwerk und ist mehr als nur die Summe der einzelnen Teile.

Für ein paar Gimmicks sorgt Hesketh dann schon selbst, da sie zu guter Letzt die Kontrolle über den gesamten Prozess behalten will. Piano für die Harmonien, Stylophone und das japanische Tenori-on für Rhythmus, Stil und Coolness. Es ist quasi die Ersatzdroge für die nicht geduldeten Substanzen auf den Lunch Beats. Die Zielgruppe von Little Boots dürfte heute auch eher Bio sein und zwischen Ökologie und Ökonomie keinen Widerspruch mehr sehen. Mit dem finalen "Better in the morning" versucht Hesketh ein letztes Mal, endlose Nächte und Berufsleben zu vereinen: "People are just waking up / But I can't stop yawning / Fasten up my coat / It's always better in the morning". Das geht in Ordnung, aber so glatt wie hier sollte es beim nächsten Versuch nicht werden. Vielleicht sollte sie einen Namenswechsel von Little Boots zu Victoria Hesketh vornehmen. Für die neue Zielgruppe!

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Working girl
  • Taste it
  • Help too

Tracklist

  1. Intro
  2. Working girl
  3. No pressure
  4. Get things done
  5. Taste it
  6. Real girl
  7. Heroine
  8. Interlude
  9. The game
  10. Help too
  11. Business pleasure
  12. Paradise
  13. Better in the morning

Gesamtspielzeit: 46:17 min.

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Armin

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2015-07-08 22:20:40 Uhr
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