Gill Landry - Gill Landry

Gill Landry- Gill Landry

ATO / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 19.06.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Take me home, country roads

Eddie Vedder macht jetzt also in Alternative Country – so oder so ähnlich fällt die erste Assoziation aus, die man beim Hören des selbstbetitelten Debüts von Gill Landry hat, dessen Stimme frappierende Ähnlichkeiten mit dem knarzigen Organ Vedders aufweist. Landry kennt man ja ansonsten als Bestandteil der immer gut gelaunten Old-Time-Kapelle Old Crow Medicine Show, wo er wechselweise für Gesang, Banjo und Steel Guitar zuständig war. Sein Solo-Exkurs fällt etwas schwermütiger und weniger keck aus, bezaubert dafür aber mit bombastisch produzierten Balladen, die so amerikanisch klingen wie Springsteens Jeans aussehen.

Dabei beginnt das Album mit dem Ende, genauer gesagt einer Beerdigung: "Funeral in my heart" heißt der Opener, der einen direkt an den Fuß der Appalachen katapultiert. Mit ganz viel Banjo und ganz viel Pathos könnte er so auch von Americana-Institution A.A. Bondy stammen. "There's a funeral in my heart and everyone is dressed in black / With crysanthemums and voodoo dolls, trying to bring you back", ölt Landry ins Mikro, und legt damit das melancholische Grundfundament des Albums. Weniger um Tod als um Transzendenz reiner Körperlichkeit geht es im melancholischen "Take this body", einer sich wunderschön auffächernden Akustik-Nummer, bei der Laura Marling sich zu Landry ans Mikro gesellt und in den ganz tiefen Lagen ihrer Stimme für angenehme Gänsehaut sorgt.

Von den Appalachen nach New Mexico geht es dann mit "Fennario" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Joan-Baez-Song), das ein bisschen klingt, als würde Jakob Dylan sich zu "One headlight" lässig den Sombrero überstreifen. Dabei nerven nur die leider immer latent zu aufdringlichen Mariachi-Bläser ein wenig, die bei "Lost love" auch besser in der Mottenkiste geblieben wären. Bei "Lately right now" und "Long road" geht es wieder in Richtung Osten, langsamer Schunkel-Country mit Hammond-Orgel und Brushstick-Drums, den man am besten auf der heimischen Couch mit einer Tasse Tee und dem leisen Hintergrundrauschen prasselnden Regens genießt.

"Bad love" ist dann schließlich der perfekte, kuschelig-verträumte Abschluss, der selbst Kenny Chesney ein bisschen Pipi in die Augen zaubern würde. Es ist das alte Motiv von Liebe, Einsamer-Wolf-Dasein, bittersüßer Cowboy-Romantik, das Landry mit seinem holzig-warmen Timbre so wunderbar transportieren kann, dass man sich beinahe schmerzhaft in das Land der weiten Prärien, üppigen Wälder und großen Seen sehnt. Und so sattelt man in Gedanken seinen Schecken, winkt noch einmal kurz dem Marlboro-Mann und reitet in den staubverhangenen Sonnenuntergang. Oder zumindest bis zur nächsten Ampel.

(Martina Bähring)

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Highlights

  • Take this body
  • Long road
  • Bad love

Tracklist

  1. Funeral in my heart
  2. Just like you
  3. Waiting for your love
  4. Emily
  5. Take this body
  6. Fennario
  7. Lost love
  8. Lately right now
  9. Long road
  10. Bad love

Gesamtspielzeit: 36:55 min.

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Jennifer

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2015-07-01 23:11:33 Uhr
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