Laetitia Shériff - Pandemonium, solace and stars

Laetitia Shériff - Pandemonium, solace and stars

Impersonal Freedom / Yotanka / Differ-Ant
VÖ: 19.06.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Tanz den Nihilismus

Kontrolle, das ist so ein Irrglaube der Moderne. Nichts und niemand kann vollends kontrolliert werden – die Krankheiten nicht, die Triebe nicht. Und wie jüngste Attentate wieder zeigen: auch das menschgewordene Böse nicht. Laetitia Shériff packt derartige Erkenntnisse in zehn verzweifelte und erboste Lieder, die zwischen Aufbrausen und Aufgeben zu einem wankelmütigen Tanz animieren wollen. Vor allen anderen wusste es mal wieder Nick Cave, dass dieser Dame mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

Bereits der Opener "Fellow" lädt ein zum Weltuntergang. Shériff wispert zwischen simpler Gitarrenspur und wabernden Streichern von "stormy kisses before you go", denn ist der Gefährte erst verschwunden, ist jede Spur der Hoffnung vergangen. Weiter ins Nirgendwo strauchelt die Uptempo-Nummer "The living dead", thematisch und dramatisch opportun für jede Zombie-Fiktion. Wie eigentlich "Pandemonium, solace and stars" als Ganzes. Der Witz von Shériffs Videos findet sich hier nicht.

Weiß doch "Opposite" von E-Orgeln begleitet, dass die Nacht zu früh kommt. Zu Beginn noch auf Grenzgang, entscheidet sich das Album, über das die Künstlerin die Kontrolle verloren hat, für die Seite der Düsternis. Im rauschartigen Strom stampfen die Gitarren den zuvor schwelgerischen und von Streichern begleiteten Nachtgesang in "To be strong" nieder. "Be strong, you're not alone" wird mantraartig eingeredet, denn "Can't you realise all the things you've done / Minds make noise since you're gone." Der Kopf ist befallen von Klängen, die klares Denken überhaupt verhindern. Darum bestimmen in aller Drastik lärmende Gitarren die Folgelieder, wenn sie etwa Furcht gebieten mit ihren Rückkopplungen im punkigen "Wash".

Am Ende reicht es nur noch für eine bittende, betende Schlussnummer. "Far & wide" beseitigt die Gitarren, lässt die Synthesizer wiederauferstehen. Mit der Zeile "It sounds like love" endet dieser 42-minütige Parforceritt, der letztlich wenig, aber immerhin ein wenig hoffen lässt. Vielleicht ist der Lärm im Kopf ein Donnerhall, der vom Unwesentlichen ins Wichtige lenken soll. Den düsteren Sound zelebrierte die Französin Shériff bereits auf ihren beiden vorigen Alben, doch noch nicht derart bestimmt und drakonisch. Die Kollaboration "A midsummer night's dream" war beinahe poppig. Wem das mit dem Sommer schon jetzt auf die Nerven geht, der darf Shériff nur lobpreisen.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • The living dead
  • To be strong
  • A beautiful rage II

Tracklist

  1. Fellow
  2. The living dead
  3. Opposite
  4. To visit Brighton
  5. To be strong
  6. Friendly birds
  7. A beautiful rage II
  8. Wash
  9. Urbanism-after Goya
  10. Far & wide

Gesamtspielzeit: 41:41 min.

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