Richard Thompson - Still

Richard Thompson- Still

Fantasy / Proper / H'art
VÖ: 26.06.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Verjüngungskur in Chicago

Wen Richard Thompson bittet, an seiner neuen Platte mitzuwirken, der lässt alles stehen und liegen, um dem Wunsch Folge zu leisten. Oder im Fall von Jeff Tweedy: der schiebt das Songwriting an neuen Wilco-Stücken auf und lädt die Gitarrenikone in sein Chicagoer Studio ein. Binnen einer Woche waren die zwölf Songs von "Still" aufgenommen und fertig gemischt. Tweedy brachte später seine Verunsicherung darüber zum Ausdrick, was er seinem Idol denn hätte raten können, um die schon ausgearbeiteten Songs zu verfeinern. Wohingegen nach Tweedys Produktion von Mavis Staples' "One true vine", der posthumen Veröffentlichung einiger Pops-Staples-Songs unter seiner Regie und der Arbeit an Lows "The invisible way" für Thompson feststand, dass nur der Wilco-Kopf an dem mittlerweile 40. Album seiner Diskografie mitwirken konnte.

"Still" bietet daher einerseits die zu erwartende Melodien- und Harmonienliebe, andererseits leichtfüßigen Folk. Bei "Beatnik walking" ist es Tweedys Produktion, die viele Gitarrenspuren bändigt und fließend wirken lässt. Auch wenn "Patty don't you put me down" erst vorwurfsvoll beginnt, wird das Lied im Chorus zu einer rockigen Blues-Melange, die nur auf Thompsons famoses Solospiel hinleitet. Häufig lebt der Maestro seine Liebe zu keltischer Musik aus, glänzt dann in "Broken doll" mit mehrere Oktaven überspannendem Gesang. Der Song behandelt in Zeilen wie "All the tears in the world / won't mend a broken doll" die Angst vor psychischen Krankheiten und versucht, mit Zithern das Durcheinander in der Kopfwelt zu vertonen. Derartige Spielereien verfeinern und modernisieren Thompsons Songwriting – auch wenn es sich um altertümliche Instrumente handelt – und machen es dynamischer und zugänglicher. "Long John Silver" und "Pony in the stable" sind die stringent-schnellen Rocknummern, in denen Thompson an der Gitarre gaukelt, sie niederringt und unter Beweis stellt, warum er gemäß Rolling Stone einer der 100 besten Gitarristen aller Zeiten ist.

Und doch wird dem Tragöden im rauen "No peace, no end" bewusst, dass das Zusammenkleistern von Halbtönen den Krieg dann doch nicht verhindern kann. Der produktionstechnische Kunstgriff und die unterstützenden Gitarren (mal von Tweedy, mal von Studiomusiker James Elkington) verjüngen Thompson, der sich ungehemmt austoben darf. Ob er sich selbst zu den "Guitar heroes" zählt, denen er im letzten Track virtuos huldigt? Sollte er unbedingt.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Beatnik walking
  • No peace, no end
  • Guitar heroes

Tracklist

  1. She never could resist a winding road
  2. Beatnik walking
  3. Patty don't you put me down
  4. Broken doll
  5. All buttoned up
  6. Josephine
  7. Long John Silver
  8. Pony in the stable
  9. Where's your heart
  10. No peace, no end
  11. Dungeons for eyes
  12. Guitar heroes

Gesamtspielzeit: 50:46 min.

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Jennifer

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2015-07-01 23:16:39 Uhr
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