Sinah - Sinah

Finaltune / Broken Silence
VÖ: 12.06.2015
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Kühlen, zugrunde
Vorschnelle Urteile sind selten tragfähig. Betrachtet man das Coverartwork von Sinah Blohbergers Debütalbum, erwartet man Hochglanz-Tanzmusik für überteuerte Hipster-Clubs. Doch die in Berlin aufgewachsene und in London lebende Musikerin ist alles andere als ein zu Stampfbeats singendes Anziehpüppchen. Sie hat eine künstlerische Vision. Und ziemlich schlechte Laune. Ihre Einflüsse bezieht Sinah aus allen erdenklichen Ecken zeitgenössischer elektronischer Musik, wobei Trip-Hop, Post-Dubstep und Deep House die wichtigsten Fixpunkte des erfreulich eigenständigen Sounds der jungen Chanteuse sind. Gerade durch immer wieder durchschimmernde Jazz-Elemente gewinnen die Songs an Tiefe. So kreist die Downtempo-Ballade "Starry eyed" um einige voluminöse Klavierakkorde, während irrlichternde Synthesizer einen unscheinbaren Beat umfangen.
Im Fokus befindet sich jedoch Sinahs zurückhaltender, meist an der Schwelle zur Unbeteiligtheit operierender Gesang. Die größtenteils trübsinnigen Texte berichten von Vereinzelung, Verlorensein und vergebenem Hoffen. Zwar deutet die Künstlerin immer wieder an, dass sie auch zu kraftvollen Ausbrüchen in der Lage ist, zur grauen Kulisse würden derlei Eruptionen auf Dauer aber nicht passen. Stattdessen flüstert und haucht die rothaarige Songwriterin Zeilen wie "You cannot talk to me", während wabernde Soundscapes am Ohr vorbeiziehen. Besonders eindrucksvoll gelingt die Symbiose aus bedrückter Lyrik und geschmackvoller Elektronik in "Loveless", das zudem mit aus dem Dickicht hervorlugenden Sitartönen zu überzeugen weiß. Auch das mit CHLLNGR entstandene "Home" zieht mit depressiver Lässigkeit die Laune in subterrane Regionen.
Nur selten nimmt Sinah den Fuß von der Spaßbremse. "Sleek" wirkt etwa beim ersten Hören nahezu beschwingt, bei genauerer Betrachtung ist das einzig Beschwingte der flotte 2-Step-Beat, der während des Refrains erklingt. "It's gonna hurt / But not for long", lautet der Wahlspruch. Partymusik ist das hier definitiv nicht. Dabei ist es nicht überschwängliche Emotionalität, die das Album bestimmt, sondern ein Gefühl der Indifferenz. Kein "aber" nach "Es ist egal". Oder, um es mit Sinahs Worten zu sagen: "It's never getting better than just okay." Keine Liebe, kein Hass. Gefühle liegen außer Reichweite. Den folgerichtigen Kulminationspunkt der Kargheit markiert "R.I.P.". In Zeitlupe dahinfließend, in Ausweglosigkeit gegossen. Das bisschen Licht, das durch einige E-Piano-Klänge durch die zugezogenen Vorhänge dringt, reicht kaum, um auf die Tageszeit zu schließen. Nur eines ist sicher, egal, wie spät es ist: Es ist kalt. Verdammt kalt.
Highlights
- Sleek
- Loveless
- Starry eyed
- R.I.P.
Tracklist
- Harder
- Sleek
- Loveless
- Potters
- I had the need to
- Just OK
- Home (feat. CHLLNGR)
- Starry eyed
- Nobody knows
- R.I.P.
Gesamtspielzeit: 38:55 min.
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Plattencover von Lena geklaut. |
Jennifer Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion Postings: 4716 Registriert seit 14.05.2013 |
2015-06-24 22:35:38 Uhr
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
CHLLNGR; La Roux; Katy B; Alt-J; Jengan Skies; Róisín Murphy; FKA Twigs; Lana Del Rey; Lorde; Grimes; Burial; Cocteau Twins; Portishead; The Weeknd; Sampha; Tricky; Massive Attack; Janet Jackson; Björk; Chet Faker; Lykke Li; Kate Bush; Rhye; Soap & Skin; The Acid; Sky Ferreira; Shlomo; The xx; Jamie xx; Scuba; James Blake; Banks; Caribou; Future Brown; Tori Amos; Depeche Mode; CocoRosie; Jenny Hval; Julia Holter; Goldfrapp; Lamb; Robyn; The Album Leaf; tUnE-yArDs
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- Sinah - Sinah (2 Beiträge / Letzter am 24.06.2015 - 22:55 Uhr)