Nocturnal Sunshine - Nocturnal Sunshine

Nocturnal Sunshine- Nocturnal Sunshine

I/Am/Me / Kobalt / Rough Trade
VÖ: 22.05.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Kälter als draußen

Nicht überall, wo Maya Jane Coles drin ist, steht auch Maya Jane Coles drauf. Das weiß man spätestens seit Nicki Minajs Hit "Truffle butter", der musikalisch im Wesentlichen aus der verlangsamten Basslinie von Coles' Single "What they say" bestand – und zu dem wir an dieser Stelle lieber nicht erörtern wollen, wer da gerade mit was wo drin ist beziehungsweise bis vor Kurzem war. Produziert die Londoner DJane und Elektronikerin außerdem einmal keinen straight pumpenden Deep House, nennt sie sich Nocturnal Sunshine und frönt ihrer Vorliebe für UK Garage und Dubstep. Letzteres selbstverständlich nicht im dickhosigen Skrillex-(Stumpf-)Sinne, sondern im klassisch britischen. Geklacker statt Gebumse, synthetische Rohkost statt brauner, pardon grüner Soße, skelettierte Grooves statt saurer Drops.

Entsprechend verzichtet "Nocturnal Sunshine" anders als das Maya-Jane-Coles-Album "Comfort" auf renommierte Gäste Marke Tricky, Miss Kittin, Nadine Shah oder Karin Park und favorisiert weniger namhafte Features wie den Singer-Songwriter-Landsmann Chelou oder die Argentinierin Catnapp, zumal Coles diesmal auch ihre eigenen Vocals beisteuert. Trotzdem sind diese zwölf Tracks weit entfernt von großkariert-eingängigem Dance-Appeal und lassen alles in weitaus kleinerem Rahmen stattfinden. Abwechselnd hoch- und runtergepitchte Anrufungen wehen durch die diesige Luft, fragmentierte Beatmuster und tiefhängende Soundschwaden erzählen vom desolaten Soul regennasser Straßen und durchwachter Nächte – der Sonnenschein kann hier allenfalls metaphorisch gemeint sein. War er schließlich auch schon vor fünf Jahren.

Da wurde Coles mit dem hier zu neuerlichen Ehren kommenden "Can't hide the way I feel" nämlich erstmals als Nocturnal Sunshine vorstellig. Und da das Stück so gut gealtert ist, schmiedet sie das Eisen nochmals: "Take me there" funktioniert genauso auf mehreren rhythmischen Ebenen und quetscht noch etwas mehr Spuk aus den Geisterstimmen, die sich hypnotisch zu dem formieren, was Fachleute vermutlich als Über-Tune bezeichnen werden. Gleiches gilt für den schwelenden Kriecher "Drive", der eine vergleichbare Sogwirkung erzeugt wie die Beatschlaufen von Burial – fast so, als hätte Coles sie wie William Bevan unter Verwendung von Waffenaufsammel-Geräuschen aus Egoshootern zusammengeschraubt. Mit dem Unterschied, dass ihr unverfremdeter Gesang drohendem Gefrierbrand innerhalb des frostigen Konstruktes sanft entgegenwirkt.

Es ist diese menschliche Unberechenbarkeit, die allzu hartnäckiger Rigidität einen Riegel vorschiebt. Ob Chelou "Believe" nun zu einem latent lüsternen Torch-Song macht, Catnapp "Down by the river" mit Trotz-Rap aufbrezelt oder Coles selbst "It's alright" in einen fiebrigen, Poliças "Violent games" nicht unähnlichen Loop schickt. Und plötzlich hat es "Nocturnal Sunshine" doch gar nicht so weit zu Pop. Vor allem beim verspielt-kieksigen "Intergalactic", das die lateinamerikanische Big-Beat-Albernheit "Magic carpet ride" vom Fatboy-Slim-Projekt Mighty Dub Katz mit Helium abfüllt, bevor "Skipper" und "Hotel" dem Hörer kurz vor Schluss mit hyperaktiven Sequenzen und grollenden Subbässen noch einmal ordentlich die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Und wenn es nur die neongleißende der Clubs ist. Nachts dunkel bis duster? Dieses tolle Album weiß es besser.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • It's alright
  • Take me there
  • Down by the river ft. Catnapp
  • Can't hide the way I feel

Tracklist

  1. Intro (Holding on)
  2. Believe ft. Chelou
  3. It's alright
  4. Take me there
  5. Drive
  6. Footsteps
  7. Down by the river ft. Catnapp
  8. Bass bin
  9. Can't hide the way I feel
  10. Intergalactic
  11. Skipper
  12. Hotel

Gesamtspielzeit: 51:04 min.

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Jennifer

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Registriert seit 14.05.2013

2015-06-24 22:29:48 Uhr
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