Hudson Mohawke - Lantern

Hudson Mohawke- Lantern

Warp / Rough Trade
VÖ: 12.06.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Viel Lärm um zu viel

Bei all dem Kritikerüberschwang möchte man eigentlich nicht der Spielverderber sein. Ross Birchards Debüt "Butter" wurde 2009 umjubelt als der Heilsbringer experimenteller und chaotischer Beat-Musik. Damals wie auch beim Zweitling "Lantern" von Künstleralias Hudson Mohawke zeigt sich eine bewundernswerte Auswahl inklusive unermüdlichem Spiel mit wunderbaren und heute vergessenen Samples. Doch das Muster, solche zu Klubtauglichem umzugestalten und quasi auf Teufel komm raus Partytracks zu kreieren, ermüdet in aller Einfachheit. "Ryders" basiert auf D. J. Rogers' "Watch out for the riders", einem wehmutsvollen Soulstück aus den Siebzigern. Programmatisch baut Mohawke hierauf drückende E-Drums und enervierende Synthies. Es ist ein höchst subjektives Empfinden, dies als unpassend zu bezeichnen, doch unterliegt auch der Opener "Very first breath" dieses possenreißerische einer durchkalkulierten Elektronummer.

Birchards Protektor Kanye West, auf dessen bald erscheinenden "SWISH" der junge Schotte mitwirkt, würde dem nicht zustimmen. Freilich ist es anzuerkennen, wie beispielsweise in "System" noch hektische Daft-Punk-Hommage betrieben wird oder "Kettles" vor Tuba, Xylophon und Streichern geradezu strotzt, doch kontextlose Aneinanderreihungen von Ideen und Instrumentierungen verstärken nur den Vorwurf eines reinen Eklektizismus. Die Schwäche auf Albumlänge: zu viel Unnötiges. "Scud books" beschwört den alkoholisierten Balztanz in aller Opulenz mit klebrigen Beats und Großorchester. "Indian steps" versucht den Gastgesang von Anthony Hegarty mit lauten E-Drums und Distortion-Rückkopplungen gen Ende erst gar nicht zur Geltung kommen zu lassen. Ohne das Drumherum wäre hieraus eine Anhimmelung der Julia aus Romeo-Perspektive geworden, einer Wohltat auch im Songtext: "Look at the sky / Now look through my eyes / Swim up from the deep / Dance in a field of weakness." Ist es in der Umsetzung nicht.

Was für Hegarty wie für den weiteren, etwas weniger verfremdeten RnB-Song mit Beteiligung von Miguel ("Deepspace") und die Samples sowieso gilt: Die Ingredienzen stimmen hier, die Zubereitung und Portionierung nicht. Sie ist herzleer und unkonzentriert, die Lieder erscheinen aufbereitet um voneinander losgekoppelt in einer Großraumdisko zu funktionieren – nirgendwo sonst. Auch "Brand new world" mit einer eigentlichen netten Melodie, die hin und her schlingert, wird zusammengestampft um letztlich zu implodieren. Mohawke produziert derzeit Hegartys neue Platte, diese sei "cool as fuck". Nach "Lantern" wird man diesbezüglich skeptisch.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Indian steps (ft. Antony)
  • Deepspace (ft. Miguel)

Tracklist

  1. Lantern
  2. Very first breath (ft. Irfane)
  3. Ryderz
  4. Warriors (ft. Ruckazoid & Devauex)
  5. Kettles
  6. Scud books
  7. Indian steps (ft. Antony)
  8. Lil djembe
  9. Deepspace (ft. Miguel)
  10. Shadows
  11. Resistance (ft. Jhené Aiko)
  12. Portrait of Luci
  13. System
  14. Brand new world

Gesamtspielzeit: 47:17 min.

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Jennifer

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2015-06-24 22:27:42 Uhr
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