The Wooden Sky - Let's be ready

The Wooden Sky- Let's be ready

Nevado / Rough Trade
VÖ: 19.06.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unterwegs

Es gibt manchmal diesen Moment, an dem man alles hinschmeißen will. Aus seinem geregelten, kleinen Leben ausbrechen, alles umkrempeln. Sack und Pack ins Auto laden. Keine Pläne, keine Pflichten. Einfach losfahren. Irgendwohin. Bis die Sonne am Horizont verschwindet. Die große Freiheit. Jack Kerouac und so. Beim Konsum der neuen Platte von The Wooden Sky dauert dieser Moment ganze 41 Minuten lang.

Die fünf Kanadier, die mit "Let's be ready" ihren vierten Langspieler rausbringen, machen diese Sehnsucht nach Transzendenz des profanen Alltagstrotts schmerzlich spürbar, wenn bombastisch-raumgreifende Arrangements à la The War On Drugs auf den wohldosierten E-Gitarren-Einsatz eines etwas reiferen Ryan Adams treffen. Stilistisch knüpfen sie damit direkt an den Vorgänger "Every child a daughter, every moon a sun" an. Sänger Gavin Gardiner, der mit seinen langen Haaren und 80er-Retrobrille auf den ersten Blick aussieht, als würde er in seiner Freizeit an Platinen herumlöten, steuert mit seinem leicht quäkendem Gesang das perfekte Quäntchen Urigkeit bei. Die Songs wechseln dabei von mitreißenden Folkrock-Nummern wie "Maybe it's no secret" oder "When the day is fresh and the light is new", zu denen man aufs mentale Gaspedal steigt, zu verträumten Akustik-Stücken wie dem Titeltrack und "Write them down" bei denen man kurz aussteigt, durchatmet, eins mit dem Moment ist.

Auf so einer Reise kann man sich aber auch mal verlieren: "Well I've been on the road longer than I said I'd be / When somebody to love is really all you need", lamentiert Gardiner auf "Shake for me" ein wenig über das Nomadendasein, während die E-Gitarre im einem melancholischen Post-Punk-Riff schwelgt. Eher bittersüß geraten ist "Our hearts were young", einer der gelungensten Tracks des Albums. Gardiners Stimme erinnert hier frappierend an The Tallest Man On Earth, während die Songzeilen vor lauter Silben schier überschwappen. Er hat aber auch viel zu erzählen, von Greyhound-Bussen und der großen Liebe, von Kindheitserinnerungen und Einsamkeit, und man will unweigerlich das Fenster aufreißen und die ganze Welt teilhaben lassen an diesem wunderschönen, musikgewordenen Sehnsuchtsexzess. Mit "Don't you worry about a thing" verabschieden sich The Wooden Sky schließlich mit einem etwas lässigeren Tom Petty-Tenor.

Leider dauert kein Roadtrip ewig, und so muss man auch nach "Let's be ready" wieder Halt machen in der jetzt noch etwas fader wirkenden Realität. Zum Glück gibt es aber die Repeat-Taste, und so kann man jederzeit wieder einsteigen, die Nase in den Wind halten und noch ein Stückchen weiterfahren, oder wie Kerouac es so schön ausdrückte: "We lean forward to the next crazy venture beneath the skies." Und manchmal sind diese Himmel eben aus Holz.

(Martina Bähring)

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Highlights

  • Saturday night
  • Our hearts were young
  • When the day is fresh and the light is new
  • Write them down

Tracklist

  1. Saturday night
  2. Our hearts were young
  3. Baby, hold on
  4. When the day is fresh and the light is new
  5. Kansas City
  6. Write them down
  7. Maybe it's no secret
  8. Shake for me
  9. Let's be ready
  10. Don't you worry about a thing

Gesamtspielzeit: 41:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gordon Fraser

Postings: 1350

Registriert seit 14.06.2013

2018-01-06 08:17:13 Uhr
Sehe jetzt erst, dass die 2017 ein neues Album hatten. Ist irgendwie völlig untergegangen. Höre gerade mal rein.
Lars Tøve Rasmussen
2015-07-09 11:11:08 Uhr
Schöne Platte, vor allem "Saturday Night" ist großartig. Aber selten fand ich die Referenzen so unpassend wie hier: Mich erinnert das eher an Counting Crows, Matchbox 20 oder Gaslight Anthem als an TWOD, Decemberists oder Bob Dylan.
ichundnichtdu
2015-06-30 16:04:18 Uhr
adw = Album der Woche

Hätte man jetzt aber auch aus dem Kontext erraten können.
jonas jonasson
2015-06-24 03:27:07 Uhr
6-7/10
was heisst...
2015-06-23 01:54:12 Uhr
eigentlich die abk. "adw"?
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