Cosmic Wheels - Cosmic Wheels
Heavy Psych / Cargo
VÖ: 05.06.2015
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Der Trip ist das Ziel
Paul und Vincent Marrone sind mit Sicherheit nicht die am einfachsten gestrickten Kerle im Musikgeschäft. Wer eine christliche Ska-Band gründet, obwohl er diese Musik grauenhaft findet und mit dem Christentum nur bedingt viel zu tun hat, bietet ja schon genug Stoff zum Grübeln. Die Marrones sind nun allerdings nicht die Menschen, denen das genug wäre, der eine schmiss mit einer Bibel um sich, der andere wurde wegen allgemeiner Rüpelhaftigkeit gleich mit aus der eigenen Band geworfen. Glück gehabt, denn ansonsten hätte es wohl weder das nun auf die Marrones beschränkte Projekt Cosmic Wheels noch deren selbstbetiteltes Debüt gegeben, und dieses Werk besticht durch eine unkonventionelle Herangehensweise, psychedelische Riffs und Schlagzeugsoli.
Der eine oder andere unbetitelte Song ist fast jedem Künstler schon mal in der Tracklist untergekommen, Cosmic Wheels schmücken ihr Album gleich mit einer neunteiligen "Untitled"-Serie. Wenn man dann auch noch bemerkt, dass die restlichen beiden Songs die einzigen mit Vocals sind, weiß man spätestens, dass man es mit etwas Ungewöhnlichem zu tun hat. Sobald die Musik eintritt, nimmt der Rausch seinen Lauf. Die Arrangements werden zur Projektionsfläche für kunterbunte Bilder der 60er-Jahre, durch die man wie der Dude auf der Bowlingbahn schwebt, und wenn man sich umsieht, erhascht man beispielsweise Jack Kerouac und Allen Ginsberg mit bewusstseinserweiternden Mitteln vollkommen vollgepumpt bei verrückten Meditationsübungen. Noch bevor einem der Gedanke kommt, dass die beiden ja trotz der Jazz-Anleihen ganz andere Musik hörten, wird man schon von der nächsten Hook mitgerissen und wähnt sich in anderen Filmlandschaften der Coen-Brüder.
Auf Albumlänge könnte ein solcher Trip ermüdend werden, seine Wirkung verlieren. Dass das nicht passiert, ist der Verdienst der atmosphärischen Kohärenz, die nicht zuletzt wegen des treibenden Schlagzeugs zunehmend eine Sogwirkung entfaltet. Exemplarisch dafür steht bereits der Opener "Untitled 1". Beginnend mit psychedelisch-meditativen Klängen entwickelt sich der Song zu einem Monster, das von einem Riff zum nächsten jagt, in verschiedene Richtungen schlägt, nach einer fünfzehnsekündigen Pause erneut loslegt und zum Schluss wieder in die Anfangsstimmung verfällt. Was dem Album zum Meisterwerk fehlt, ist der eine oder andere Song, der sich noch etwas stärker aus dem rundum starken Feld heraushebt. Dennoch lassen sich auf diesem Trip mit den Gebrüdern Marrone viele Erfahrungen sammeln. Ob man sich mit jeder davon anfreunden kann, spielt ohnehin keine Rolle, nach der angetäuschten Versöhnung in "12 o'clock Groove Street" endet der Trip schließlich sowieso unaufhaltsam im Wahnsinn. Wer sich ihm hingibt, hat dafür aber einiges zu erzählen.
Highlights
- Untitled 1
- No one knows where they've been
- Untitled 6
Tracklist
- Untitled 1
- Untitled 2
- Untitled 3
- Untitled 4
- No one knows where they've been
- Untitled 6
- Untitled 7
- Untitled 8
- Untitled 9
- 12 o'clock Groove Street
Gesamtspielzeit: 44:41 min.
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Jennifer Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion Postings: 4712 Registriert seit 14.05.2013 |
2015-06-17 22:07:28 Uhr
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Radio Moscow; Goat; Monomyth; Kenny Rogers & The First Edition; Kadavar; Deap Valley; The Jimi Hendrix Experience; Prisma Circus; Led Zeppelin; Radar Men From The Moon; Hollow Mirrors; The Doors; Eidetic Seeing; Pink Floyd; Stoned Jesus; Rival Sons; Colour Haze; The Byrds; Trans Am; Blues Pills; Ty Segall; Deadwood; Master Musicians Of Bukkake
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- Cosmic Wheels - Cosmic Wheels (1 Beiträge / Letzter am 17.06.2015 - 22:07 Uhr)