Summer Camp - Bad love

Summer Camp- Bad love

Moshi Moshi / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 22.05.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nicht noch ein Teenie-Film

Die meisten Bands kommen irgendwann in Ihrer Karriere an den Punkt, an dem sie mehr Kontrolle über ihr künstlerisches Schaffen wollen. Es werden eigene Labels gegründet, man krempelt den Sound um oder jagt den bisherigen Produzenten vom Hof. Nach zwei EPs, zwei LPs und dem Soundtrack zu Charlie Lynes Teenager-Dokumentation "Beyond Clueless" sind nun auch Summer Camp an diesem Punkt angelangt. Das sympathische Indiepop-Duo aus London hat sich dabei für Variante drei entschieden und erstmal selbst hinter den Reglern Platz genommen. Da wird man als Künstler dann auch nicht müde zu betonen, wie sehr dieser Schritt zur Definition des eigenen Bandsounds beigetragen hat.

Dabei bleibt das Ehepaar seinen Trademarks grundsätzlich treu. Keyboard und Bass dröhnen im eingängigen Opener um die Wette, während Elisabeth Sankey vor Ihrer "Bad love" warnt. Als Single eine gute Wahl, wenngleich der Sound etwas überladen wirkt. Den ersten Wechsel beim Leadgesang gibt es dann gleich beim zweiten Song. Gatte Jeremy Warmsley trauert im von verzerrten Gitarren dominierten "You're gone" einer Verflossenen nach, und spätestens nach Zeilen wie "You're gone, you're gone, you're gone and I can't stand still" wähnt man sich wieder im Soundtrack einer Teenie-Schmonzette. Poesiealbum-Lyrics wie diese sind es dann auch, die Songs mit interessanten Ansätzen wie das aufgekrazte "Sleepwalking" oder das sommerliche "Horizon" gnadenlos ins Mittelmaß ziehen. "If you never put your future on the line, everything will be just fine." Aha.

Auch die Entscheidung gegen einen Produzenten stellt sich im Laufe der Platte als – mindestens – zweifelhaft heraus. Ehrgeizig werden hier pluckernde Bässe auf Synthies, Drumloops, Fuzz-Gitarren, Chöre und noch mehr Synthies gestapelt, sodass man Mühe hat, den Song darunter zu finden. Da hätte ein Paar zusätzlicher Ohren hinterm Mischpult sicher für etwas Entschlackung sorgen können. Überzeugend sind schließlich vor allen Dingen die Stücke, die etwas reduzierter daherkommen. Das gospelige "Run away" könnte glatt als verschollene Rilo-Kiley-B-Seite durchgehen, und auch "Drive past my house" vermittelt mit beschwingter Melodie eine Aufbruchsstimmung.

Nach diesen beiden Höhepunkten und dem sphärisch-schönen "Everlasting" rumpelt sich der Schlusstrack "Keep up" leider wieder durch uninspirierte Abzählreim-Gefilde. So hinterlässt einen die Platte etwas ratlos. Wo das Debüt noch mit einem erfrischenden Mix aus New Wave, Synthiepop und Schrammelrock aufwartete, schreckt "Bad love" eher durch schablonenhaftes Songwriting und produktionstechnische Überfrachtung ab. Dennoch mag man die Band nicht gleich abschreiben, da "Bad love" durchaus einige spannende Ergänzungen zum bisherigen Backkatalog zu bieten hat. Das nächste Mal vielleicht lieber wieder mit Produzent. Sonst wird das nichts mit dem Coming of Age.

(Marco Cianci)

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Highlights

  • Bad love
  • Run away
  • Drive past my house

Tracklist

  1. Bad love
  2. You're gone
  3. Sleepwalking
  4. Beautiful
  5. Horizon
  6. Run away
  7. Angela
  8. Drive past my house
  9. If you hate me
  10. Everlasting
  11. Keep up

Gesamtspielzeit: 39:00 min.

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  • Summer Camp (4 Beiträge / Letzter am 23.01.2011 - 22:15 Uhr)