Kristofer Åström & Hidden Truck - Leaving songs

Kristofer Åström & Hidden Truck- Leaving songs

Startracks / V2 / Zomba
VÖ: 21.10.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Verlaßmeinnicht

Als Kristofer Åström vor einem halben Jahr mit seinen "Northern blues" zehn schüchterne Folkpreziosen hervorzauberte, durfte man sich immer wieder die Frage stellen, wie viele zerbrochene Herzen in dreieinhalb Minuten passen. So klein die Melodien wirkten, so groß waren die Gefühle. So trocken, wie er sich seine Songs produzieren ließ, war das bereitgehaltene Taschentuch allerdings nie. Das hätte man vom hauptamtlichen Frontmann der Postcoreler Fireside nun wirklich nicht erwartet.

Sein Herz für sparsam arrangierte Gitarrenklänge entdeckte der Schwede schon eine Weile vorher. Bereits 1998 hatte Åström ein Album voller zerbrechlicher Momente unter dem Titel "Go, went, gone" benutzt, um aus dem ohnehin schon nicht allzu engen Korsett seiner Krachgenossen auszubrechen. Mittlerweile zum Song geworden, kuschelt sich dieser herzergreifende Titel nun auf "Leaving songs" zwischen eine Schar weiterer Zärtlichkeiten, die mal im Wohnzimmer, mal im Studio zwischen Bierlaune (manchmal) und Schwermut (meistens) entstanden. Es darf also weiter geseufzt werden.

Åström linst derweil auf das handgemalte Schild "Strictly no overdubs" und gesellt sich zu den zwei flüsternden Gitarren in die Ecke. Ein paar verträumte und einige traurige Geschichten hat er diesmal dabei. So will er uns erzählen, wie sehr er diese Sie noch immer liebt, die genug von ihm hatte. Wie sehr er sich wünscht, daß sie auch endlich mal an ihn denkt und sich deswegen mächtig beschissen fühlt. Einen solchen Trauerkloß will man nicht zum Feind haben. "And it's true / Sometimes people makes me sick / But I'll bet the feeling is mutual."

Wenn dann ein zerkratztes Banjo mit dem Schifferklavier um die Wette stolpert ("You think you don't know me") oder die Mundharmonika bittersüße Liebeserklärungen in die Welt pustet ("Who"), stecken die eigenen Ohren förmlich direkt neben dem rauschenden Vier-Spur-Rekorder. Doch wer den Zuhörer so dicht auf die eigene Pelle rücken läßt, entblößt auch immer den Blick auf Schwächen. Und diese liegen dieses Mal beim Songwriting. So verzweifelt Åström auch säuselt, Songs wie "Oh, Lord" oder das Titelstück können dem furiosen Jammertal des Vorgängers das Salzwasser nicht immer reichen. "Lately I've been having trouble sleeping." Abschied war schon mal ein schärferes Schwert.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Go, went, gone

Tracklist

  1. What I came here for
  2. Leaving songs
  3. Who
  4. The drive
  5. Without your love
  6. Go, went, gone
  7. Mr. Bojangles
  8. You think you don't know me
  9. This surely ain't my home
  10. Oh, Lord
  11. Satan
  12. Where were you?

Gesamtspielzeit: 43:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
vilfer
2004-03-31 23:33:18 Uhr
das auf den 26. mai geplante album loupita

1. Loupita #3
2. Devil
3. Idiot talk
4. The wild
5. I am not the case
6. Loupita #2
7. Spinning
8. Well go on
9. I collect knives
10. Walpurgis night
11. Better with the night
12. Loupita #1
13. Just another lovesong
Obrac
2004-02-12 06:33:35 Uhr
Ich fand Northern Blues auch besser. Das soll nicht heissen, dass ich Leaving Songs schlecht fand. So ziemlich alles, was Aström macht, hat das Predikat "beachtlich" verdient.
vilfer
2004-02-11 23:50:25 Uhr
bald soll eine neue lp kommen. bin gespannt. übrigens kann ich nicht verstehen, dass man northern blues besser als leaving songs einstufen kann. braucht halt seine zeit. ich hoffe die neue schliesst an.
Horst Motor
2002-11-05 21:57:38 Uhr
"Ladenhüter" würde ich das Album nun wirklich nicht nennen. 'Northern Blues' bleibt zwar unübertroffen, aber auch 'Leaving Songs' finde ich richtig gut. Dafür kann ich wiederum mit den Fireside-Sachen nicht so sonderlich viel anfangen.
Hab Kristofer Aström letzten Freitag in Weinheim live gesehen und kann nur sagen, daß es sich auf jeden Fall gelohnt hat.
Oliver Ding
2002-11-05 18:58:22 Uhr
Der Vorgänger war um einiges besser. Ich bin froh, daß statt weiteren Ladenhütern aus Åströms Archiv demnächst endlich wieder eine neue Fireside ansteht, wo es doch ein Zeitlang hieß, die Band gäbe es nicht mehr.
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