Everything Everything - Get to Heaven

Everything Everything- Get to Heaven

RCA / Sony
VÖ: 19.06.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Hier soziales Brodeln und politische Revolution, da die Flucht und der Kampf ums Überleben, dort korruptes Schmierentheater und politisch fragwürdige Umfaller. Unruhige, surreale und für viele ungreifbare Zeiten, Mitte der Zehner-Jahre. Und es sind exakt diese ernsten Themen und Szenarien, die den euphorischen Tanz-Pop des dritten Everything-Everything-Albums "Get to heaven" inhaltlich konterkarieren. Doch tatsächlich ist es ebenjene künstlerische Unruhe, die intensive Spannung bis zum melodieverliebten Aufbruch, die das Schaffen des Vierers aus dem Umland von Manchester skizzieren.

Da war diese bei ihrem Debüt "Man alive" zwischen Brit- und Mathpop noch etwas umherirrende, aber höchst kreative Band, die ihre nimmer erschöpfte Ideenflut dann mit dem erstaunlich gereiften und langlebigen Zweitling "Arc" in den melodischen Wahnsinn trieb. Folglich verspricht Everything Everythings neuer Wurf nicht weniger als die pompöse, perfektionierte popmusikalische Himmelfahrt. Alle fest angeschnallt?

Nachdem der Opener "To the blade" anwesende Erlebnispark-Besucher mit Synthieflächen, großen Pop-Gesten und markantem 80s-Stromgitarren-Refrain in den Sitzen begrüßt, wird der Gurt schon mit dem vorab bekannten Tanzflur-Feger "Distant past" extrem strapaziert. Stillsitzen ist verdammt schwer, wenn Jonathan Higgs vom Beat beflügelt losrappt, als hätte er sich des nachts am Set zu "The wire" in Baltimore verirrt, und dann mit seiner wie gewohnt an Falsett-Rekordwerten nagenden Stimme im Refrain die Sterne vom Himmel holt.

Dort, am popmusikalischen Firmament, ist auch das wunderbar melancholische "Regret" samt Gebetsschor zu bewundern, diekt neben "Duet" von der letzten Platte, wenn es auch ohne die dort ansässigen Geigen auskommt. "Spring / sun / winter / dread" hat mindestens anderthalb Füße im Radio-Pop, bleibt dabei aber charmant wie die nicht zu schmalzige Produktion von Stuart Price (The Killers, Pet Shop Boys), während "Blast doors" sich samt Sprechgesang und verschmitzt-euphorischem Refrain zu einem weiteren zappeligen Geniestreich des Quartetts mausert. "Get to heaven" führt den mit "Arc" eingeschlagenen Weg fort, geht in etlichen Momenten aber noch ein paar Schritte weiter: "The wheel (is turning now)" wabert auf zartem Electro-Teppich und wird mit versteckten HipHop-Beats zu einem großartigen Popsong der Marke Alt-J meets Foals, ehe "Fortune 500" durchaus konsequent in Ambient-Sounds und Electronica badet, und dabei auch Radiohead ins Spiel bringt.

Veredelt wird die ruhige, atmosphärische Seite dieses Albums mit dem tollen "No reptiles", das einerseits die Magie von Higgs Falsett-Organ aufblitzen lässt, anderseits auch erneut die Raffinesse und das Talent Everything Everythings herausstellt, ihren Songs neben derart vielen, spannenden musikalischen Details fast immer auch die passgenaue Dramaturgie zu verpassen. Wo das alles noch hinführt? Schwindelfreie bitte vortreten, es folgen dutzende Extra-Runden!

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Distant past
  • Regret
  • The wheel (is turning now)
  • No reptiles

Tracklist

  1. To the blade
  2. Distant past
  3. Get to heaven
  4. Regret
  5. Spring/sun/winter/dread
  6. The wheel (is turning now)
  7. Fortune 500
  8. Blast doors
  9. Zero pharaoh
  10. No reptiles
  11. Warm healer

Gesamtspielzeit: 46:06 min.

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User Beitrag

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7302

Registriert seit 23.07.2014

2020-01-03 18:38:32 Uhr
Dann bin ich ja beruhigt. :D Stimmt, "No Reptiles" ist auch herrlich.

MopedTobias

Postings: 15232

Registriert seit 10.09.2013

2020-01-03 17:39:59 Uhr
Die Aussage ist ja schon fünf Jahre her, das seh ich schon länger nicht mehr so. "Distant past" wär sogar mein größtes Highlight nach "No reptiles".

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7302

Registriert seit 23.07.2014

2020-01-03 17:16:24 Uhr
Verstehe gar nicht, warum Moped den Anfang vom Album nicht so mag, der ist doch mega. Klar, der ist straighter und nicht so weird, aber in einer super effektiven und geilen Art und Weise. Alleine der Opener ist riesig.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7302

Registriert seit 23.07.2014

2019-12-30 18:21:19 Uhr
So ein fantastisches, spaßiges Album, ganz egal welches Genre das jetzt sein soll. Wie Machina das im Thread schon gut geschildert hat: nicht direkt mein Sound, aber die Band präsentiert den so verdammt gut und hat auch einfach super viel Herz.

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2306

Registriert seit 14.06.2013

2019-08-29 17:06:29 Uhr
Das "Nerven" bezieht sich wohl auf die doch recht simple Eingängigkeit des Songs.

Guter Versuch, hehe. Eingängige Songs mag ich, aber belassen wir es vielleicht bei "einfältig eingängig", der Refrain ist mir viel zu schunkel-mäßig - und wird dann noch penetrant häufig wiederholt. Rest des Songs ist natürlich passabel, aber so viel Rest bleibt nicht hängen.
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