Aiko Aiko - Lab rats, escape!

Aiko Aiko- Lab rats, escape!

Wire Globe
VÖ: 22.05.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rattenborough

Der 2014 verstorbene Regisseur Lord Richard Attenborough nutzte seine Popularität gerne, um sich für die Benachteiligten in der Welt einzusetzen. Wäre er zudem ein Musikfreund gewesen, so hätte er sich bestimmt auch für die in Sachen eigener Unterhaltungskunst darbenden Österreicher starkgemacht. Diese mussten schließlich lange auf neue Identifikationsfiguren warten, seit der Tod von Johann Hölzel alias Falco 1998 Austropop als Kulturphänomen im deutschsprachigen Raum abrupt beendete. Doch inzwischen hat sich die Alpenrepublik von ihrer Agonie erholt, in aller Stille und unter Ausschluss von Media Control. Denn es sind Indie-Bands wie Ja, Panik, Bilderbuch oder Wanda gewesen, die sich mit Witz und Raffinesse längst in die Herzen ihrer Zuhörer schlawinert haben. Musik aus Österreich zeigt sich heute vitaler, selbstbewusster und zitierfreudiger denn je.

Ein Trumpf, der selbst einem Nischenprojekt wie Aiko Aiko aus Wien zugute kommen könnte. Dem tumben Calypso-Schlager gleichen Namens, 1982 verbrochen von der Saragossa Band, setzen Pascal Holper und Sängerin Nada Aiko nämlich sparsamsten TripHop mit ambientartiger Parfümierung entgegen. Kein Grund also, sich weitere Sorgen um die Namenswahl zu machen. Denn "Lab rats, escape!" möchte sich ausdrücklich von inneren und äußeren Schranken lossagen. Zu dieser Platte darf und soll demnach lauthals gedacht werden, ohne dass das Befinden dabei leidet.

Die unbescholtene Nacktheit des EP-Debüts "Love is a doing word" von 2012 hat für Aiko Aiko dabei weiterhin Bestand. Von den ersten dezenten Störgeräuschen an, die sich in "Silent city" um die kindliche Stimme Aikos schmiegen, bis hin zu den versonnen dahinperlenden Klaviertropfen von "Black pyramid": Alles sitzt freimütig an seinen Platz, wackelt nur im Sinne der Verantwortlichen und bekommt immer genügend frische Luft, um nie ins Schwitzen zu geraten oder gar zu miefen. Wodurch sich der smarte Downbeat von "Hunt" zu einer formidablen Wolke des Wohlgefühls ausbreiten kann, die so seit den schottischen Geistesgeschwistern von Pomegranate nicht mehr zu vernehmen war.

Es ist nicht überliefert, ob Songs wie das verloren hallende Drone-Getüm "XI", die Dream-Step-Ballade "Im Dämonengarten" oder das allem, nur nicht seinem Namen gehorchende "Not a film theme" jemals an Versuchstieren ausgetestet wurden. Aber auch in diesem Falle hätte sich der eingangs erwähnte Lord vermutlich vehement für seine Schützlinge engagiert. Oder besser noch: Er wäre erst gar nicht in die Versuchung gekommen. Denn was kann einem Geschöpf schon Schöneres passieren, als mit diesem Album gestreichelt zu werden?

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Hunt
  • Im Dämonengarten
  • Not a film theme

Tracklist

  1. Silent city
  2. Hunt
  3. XI
  4. Eternal warfare
  5. Im Dämonengarten
  6. Not a film theme
  7. Who will bother
  8. Implode
  9. Lab rats, escape!
  10. The scientist's monologue
  11. Black pyramid

Gesamtspielzeit: 66:22 min.

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