Unleashed - Dawn of the nine

Unleashed- Dawn of the nine

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 24.04.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bruderzwist

Hach ja, die Wikinger. Es gibt ja mittlerweile jede Menge Metaller, für die Begriffe wie "Viking Metal" mittlerweile ein rotes Tuch sind. Und natürlich haben so manche Bands, für die die nordische Mythologie anscheinend ausschließlich aus Schunkeln und Trinkhornschwingen zu nicht immer lustigen Polka-Sounds besteht, ihr nicht eben geringes Scherflein dazu beigetragen. Den sicherlich bekanntesten Vertretern des Genres – die Rede ist natürlich von Amon Amarth – wird bisweilen gar vorgeworfen, sie würden durch ihren kommerziellen Erfolg die wie auch immer gearteten Ideale des Genres verraten. Was natürlich blanker Unsinn ist. Und dann gibt es da noch Unleashed. Denn während die erwähnten Mannen um Frontkoloss Johan Hegg anscheinend imstande sind, so ziemlich jede Konzertlocation scheinbar mühelos auszuverkaufen, war es doch Johnny Hedlund, der nach dem Ende der legendären Nihilist 1989 mit seiner neuen Band erstmalig die skandinavischen Vorfahren als lyrisches Thema in den Death Metal einführte.

"Dawn of the nine", das zwölfte Studioalbum der Schweden, macht da keine Ausnahme, denn es setzt dort an, wo der Vorgänger "Odalheim" 2012 aufhörte: In dessen letzten Song "The great battle of Odalheim" formierten sich die Fronten zwischen den Kriegern von Midgard und den Christen zur finalen Schlacht. Nach der ersten Abrissbirne "A new day will rise" ist allerdings klar, dass diese Schlacht keinen Sieger kennt, sondern sich in vielen Scharmützeln fortsetzt und dabei eine neue Macht, den so genannten "Bolt thrower" einführt. Nun ja, so viel zur Story, die gekonnt Mythologie und eigene Fiktion vermischt. Denn am Ende zählt die Musik, und die ist über weite Strecken schlicht großartig. Unleashed verlassen immer wieder den auf "Odalheim" eingeschlagenen Pfad in den Black Metal, um wieder konsequent ihren klassischen Stil zu verfolgen, nämlich ruppigen, zentnerschweren Death Metal, der zwar nicht mit der Virtuosität ihrer so erfolgreichen Landsleute protzt, aber dennoch immer wieder großartige Epen hervorbringt.

Wer beispielsweise beim simplen wie effizienten Refrain von "They came to die" nicht sofort euphorisch mitgrölen kann, hat Death Metal vermutlich nicht als primäre Musikrichtung erkoren, während das Eröffnungsriff zum folgenden "Defenders of Midgard" keinen Stein auf dem anderen lässt. Doch das wirkliche, definitive Gemetzel der Platte ist "Where is your god now?", das durch seinen Thrash-Einfluss noch ein gerüttelt Maß an zusätzlicher Brutalität erfährt. Und so nicht nur in Midgard, sondern auch in hiesigen Gefilden ausschließlich Trümmer und verbrannte Erde hinterlassen dürfte. Die Schweden allerdings gönnen der sturmreif geschossenen Hörerschaft nicht etwa eine Atempause, sondern legen mit "The bolt thrower", "Let the hammer fly" und "Where churches once burned" ein Dreigestirn nach, das nur ein Ziel verfolgt – gnadenlose Zerstörung. Sei es nun die Zerstörung des imaginären Gegners im Albumkonzept oder schlichtweg der eh schon geplagten Nackenmuskulatur. Keine Experimente, keine Gefangenen, einfach nur pure Raserei.

Also nur auf die Glocke? 45 Minuten Prügelei ohne Abwechslung? Oh nein. Denn beim Titeltrack treten die Schweden plötzlich mit Macht aufs Bremspedal, und verleihen diesem durch ein kühn bei Tony Iommi entliehenes Riff sowie Hedlunds drohend gefauchten Vocals eine drohende Düsternis, die die Intensität zunächst ins Unermessliche steigert, bis denn endlich ein großartiges Solo zum kompletten Ausrasten auffordert. So nachhaltig, dass der eigentliche Rausschmeißer "Welcome son of Thor!" Schwierigkeiten hat, seine Rolle als eigentlicher Cliffhanger zum nächsten Teil der Story komplett auszufüllen. Was bleibt, ist außer rauchender Asche die Erkenntnis, dass auch "Dawn of the nine" Unleashed sicher nicht zu Chartbreakern macht. Doch letztlich ist das vollkommen egal. Denn die Schweden zeigen eindeutig, dass die Erfinder des Viking Death Metal noch nicht von ihren Nachfolgern hinweggefegt worden sind. Mehr noch: Die Rolle des großen, bösen, wütenden Bruders von Amon Amarth steht Johnny Hedlund und seinen Bandkollegen ganz ausgezeichnet. Diese Platte zeigt jedenfalls auf beeindruckende Weise, zu welch Glanztaten die alte Garde des Death Metal noch imstande ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • They came to die
  • Where is your god now?
  • The bolt thrower
  • Dawn of the nine

Tracklist

  1. A new day will rise
  2. They came to die
  3. Defenders of Midgard
  4. Where is your god now?
  5. The bolt thrower
  6. Let the hammer fly
  7. Where churches once burned
  8. Land of the thousand lakes
  9. Dawn of the nine
  10. Welcome son of Thor!

Gesamtspielzeit: 45:03 min.

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Armin

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2015-06-04 00:11:03 Uhr
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