SDP - Zurück in die Zukunst – Angriff der Riesenohrwürmer

SDP- Zurück in die Zukunst – Angriff der Riesenohrwürmer

Berliner Plattenbau / Chapter One / Universal
VÖ: 22.05.2015

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Im Vorgarten des Universums

"Was bisher geschah: Durch einen schicksalshaften Fehler in der Konstruktion ihrer Machtübernahmemaschine war es Vincent und Dag gelungen, zu Zeitreisenden zu werden." Noch vor einem Jahr waren SDP die Doppelspitze einer Alleinherrscherpartei. Als Begründer der "Bunten Rapublik Deutschpunk" feierten ihre Fans sie für den ach so guten Witz, sich doch endlich damit auseinanderzusetzen, dass Stonedeafproduction sich nur in einem Buchstabendreher von der Mitte-Partei unterscheiden. Also, schnell auf die Metaebene und ran an die Macht, haha.

Nun düsen Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin durchs Universum, durch die Zeit oder den Rahmen, den sich diesmal vorgegeben haben, weil die offensichtlichten Anspielungen vergriffen sind. Denn ist die Welt erst einmal erobert, lehrt jede 90er-Anime-Serie, führt der Weg den Helden ins Universum, ins Jenseits, in die Vergangenheit oder Zukunft, jedenfalls schleunigst weg von dieser beengten Welt auf zu neuen Horizonten. SDP braucht Platz. Das klingt abgehoben? Könnte es, wenn das Universum nicht derart abgegriffen wäre.

"Zurück in die Zukunst" ist kein Konzeptalbum auf der Reise durch Zeit und Raum. Es ist ein einziger Sturzflug. Im besten Fall ein Intro, ein zweiter und letzter Track samt Cover, die einem Schwarm uninspirierter Songs einen Raumanzug überstülpen, weil dort draußen bekanntlich alles möglich ist. Das ist, um in den Worten der Band zu sprechen, weder vielschichtig noch witzig. Mehr Dosenravioli als Replikator.

"Klopf klopf" eröffnet mit einer kleinen Vorstellungsrunde: "Es macht klopf, klopf an deiner Tür / Wir sind wieder hier", um anschließend gepflegt abzufeiern. Nach dem einzigen Lichtblick des Albums, den Passagen des Bielefelder Kollektivs Trailerpark in "Ich will noch nicht nach Haus!", findet die Reise durch die Bedeutungslosigkeit im Ballermann-Lieschen-Lieschen-Schenkelklopfer "Deine Freundin" ihren absoluten Tiefpunkt: "Deine Freundin die kann Blasen / die kann Blasen an den Füßen nicht ertragen." Ebenfalls schwer zu ertragen: Das Rachestück "Gewalt" erinnert an Die Ärzte in "Planet Punk"-Zeiten.

Mit dem altbekannten Berliner Kollegen Frauenarzt dreschen die drei dann in "F.I.C.K.D.I.C.H." Phrasen wie "Gibt dir das Leben Zitronen / Frag nach Salz und Tequila." "Cyb3r cr!m3" oder "Erstmal ein Selfie!" handeln belanglos Zeiterscheinungen ab. Nach ein paar erzkonservativen Beziehungssongs über Liebe "und so'n Scheiß" wie "Ich will nur dass Du weißt" und einem Elf-Minuten-Outro gewinnt man den Eindruck, in der neuen SDP-Welt klingt alles ähnlich altbacken wie Aliens in grünen Overalls, Bügeleisen-Walkie-Talkies oder die Zeitreise von gestern. Kein Wortwitz, der zündet. Keine Idee, die überrascht. Als hätte das Universum seine unendlichen Weiten gegen einen Spandauer Vorgarten eingetauscht.

(Bastian Sünkel)

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Highlights

  • Ich will noch nicht nach Haus! (feat. Trailerpark)

Tracklist

  1. Intro
  2. Klopf klopf
  3. Ich will noch nicht nach Haus! (feat. Trailerpark)
  4. Die Wahrheit in schön
  5. Cyb3r cr!m3
  6. Gewalt
  7. Restaurant Skit
  8. Deine Freundin
  9. Keine Ahnung warum
  10. Kurz für immer bleiben
  11. Männer und Frauen
  12. Vincent und Dag forever!
  13. F.I.C.K.D.I.C.H. (feat. Frauenarzt)
  14. Ich will nur dass Du weißt
  15. Erstmal ein Selfie! (feat. Mad Maks)
  16. Ganze Galaxien
  17. Zurück in die Zukunst

Gesamtspielzeit: 62:06 min.

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