Genetikk - Achter Tag

Genetikk- Achter Tag

Selfmade / Universal
VÖ: 08.05.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wünsch Dir was

Schon wieder! Zum zweiten Mal nach dem 2013er "D.N.A." stehen Genetikk mit ihrem neuerlichen Werk "Achter Tag" an der Spitze der Charts. Für eine HipHop-Crew aus dem kleinen Saarland mehr als ein Achtungserfolg, mischt die Truppe um Rapper Karuzo und Produzent Sikk die Rap-Szene doch mit einer fast ekelhaften Leichtigkeit auf. Saarbrücken ist das neue Berlin, ist das neue Hamburg, ist das neue Frankfurt dieser Tage. Und dann erhalten die maskierten Typen aus dem Südwesten auch noch Props aus ungewöhnlicher Richtung: Nach der Auskopplung von "Wünsch Dir was" meldeten sich prompt die Toten Hosen zu Wort, deren gleichnamiger Titel hier gesampelt wird: "Vor ziemlich genau 22 Jahren, im April 1993 haben wir 'Wünsch Dir was' rausgehauen und es ist toll, eine Adaption davon im Hier und Jetzt zu haben. Hey ho, let's go", verlautbarten die Punkrock-Veteranen via Facebook. Das Gesamtkunstwerk Genetikk kommt an, in seiner Ästhetik, mit seinen Themen und seinen Rhymes.

Mit der Erstauskopplung des Titeltracks im Splitvideo mit "Dago" wurde bereits im März der Grundstein für die aufkommende Euphorie gelegt. "Achter Tag" legte die Messlatte für alles Kommende unglaublich hoch: die kraftvolle Wu-Tang-Atmosphäre im Track, die Tempiwechsel im Flow, schon allein die düstere, fremdsprachige Einleitung – all das mochte Großes verheißen. Der achte Tag – im biblischen Sinne der Tag des Messias – kündet von der Wiederkehr des Göttlichen: Als nichts anderes als das, nämlich göttlich, möchten Genetikk wahrgenommen werden. Im Closer "Outta this world" besucht Karuzo seine eigene Beerdigung und erklärt sich auch dort so mir nichts dir nichts zu Gottes Ebenbild.

Tatsächlich, mit "Achter Tag" haben Genetikk stark vorgelegt, doch nicht jeder Titel möchte derart zünden. Schon das erwähnte "Dago" versprüht einen Hauch von Beliebigkeit, auch wenn die Instrumentierung mit tragischen Fanfaren und Industrial Drums durchaus etwas hermacht. Highlights aber finden sich eher im letzten Drittel des Albums: "Don't legalize" beispielsweise greift das Legalisierungsthema im Feature mit Sido einmal anders herum auf: Wenn's erlaubt ist, ist der Dealer-Job im Arsch. Auch an dieser Stelle sind die Drums wieder das stärkste Element neben dem piano-untermalten Beat. Das nächste Feature folgt auf dem Fuße, diesmal mit SSIO im Boot. Mit hispanischem Einschlag rollen Genetikk mit den "Jungs ausm Barrio".

Schließlich gibt sich noch der Ex-HipHopper und Neu-Schlagerstar Max Herre die Ehre. In "Sterne" übernimmt dieser rappender Weise eine Strophe und zwischenzeitlich die Hook bei der Auseinandersetzung Karuzos mit dem Allmächtigen. Die stöhnenden Chöre im Hintergrund erklären den Titel zum Requiem. Vielsagend, wie er gemeint ist, kommt der Track allerdings nicht an, zu theatralisch präsentiert er sich mitunter. So ist es mit "Achter Tag", bisweilen überspringt das Album die Planke und übertreibt mit dem Schein-Tiefgang. An anderer Stelle aber will es sich kaum aufhalten lassen seine ganze Größe zu entfalten. Und wenn Genetikk schon "Wünsch Dir was" von den Hosen stibitzen, nehmen wir die Aufforderung doch gerne wahr: Wir wünschen uns ein noch konsistenteres, gleichbleibend großartiges fünftes Album.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Achter Tag
  • Don't legalize (feat. Sido)
  • Jungs ausm Barrio (feat. SSIO)

Tracklist

  1. Achter Tag
  2. Rap Superstar
  3. Überüberstyle
  4. Einer von den Guten
  5. Dago
  6. Wünsch Dir was
  7. 22mmm (Prelude)
  8. 22mmm
  9. Caput mundis
  10. Mal es in die Wolken
  11. Mein Kung Fu
  12. Die Welt heilt
  13. Don't legalize (feat. Sido)
  14. Jungs ausm Barrio (feat. SSIO)
  15. Sterne (feat. Max Herre)
  16. Outta this world

Gesamtspielzeit: 52:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Solide
2015-06-08 12:25:55 Uhr
Anfang von Wünsch dir was hat sogar irgendwie Ähnlichkeit mit Kanye West, das ist schon nicht übel gemacht

Texte haben mehrmals echt Hirn, über dem Durchschnitt deutscher Protagonisten, imho

geile Optiken im Video zu Wünsch dir was, Iwo Shima-Verarsche mit weißer Fahne über US-Fahnen-Fetzen ist natürlich mega! - wer immer sich das ausgedacht hat

Mister X

Postings: 2218

Registriert seit 30.10.2013

2015-05-09 00:21:29 Uhr
hats auch schon wer gehoert ? meinungen ?
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