Babymetal - Babymetal

Babymetal- Babymetal

Ear / Edel
VÖ: 29.05.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kapitulation, ohohoh

Drei Mädchen zwischen 15 und 17 springen über eine gigantische Bühne. Sie singen unverständliches Kauderwelsch aus Japanisch und Englisch, während im Hintergrund die Begleitband in bester Duracellhasen-Tradition durch die Setlist brettert. Die Songs tragen Titel wie "Head bangeeeeerrrrr!!!!!" oder "Uki uki midnight", Choreographie und Lightshow wecken Erinnerungen an jene epileptischen Anfälle, die die Familie Simpson einst beim Konsum japanischen Fernsehens erleiden musste. Fragen drängen sich auf: Was zum Geier passiert hier? Und warum finden das alle so toll? Die Antwort fällt kurz und prägnant aus: Weil es toll ist. In beiderlei Hinsicht.

Im Jahr 2010 ursprünglich als temporäres Spin-Off der japanischen Idol-Gruppe Sakura Gakuin angelegt, hat sich das Projekt Babymetal binnen kürzester Zeit verselbstständigt. Ausverkaufte Hallen, virale Videos, das volle Programm. Erklärbar ist der Erfolg durchaus: Die Verbindung niedlicher Teenagermädchen mit bösem, lautem Metal lässt sich nicht nur hervorragend bewerben, sondern ist in dieser Form und Konsequenz tatsächlich neu. Authentisch oder gar true ist hier natürlich überhaupt nichts – und das ist auch gut so. Babymetal sind ein auf dem Reißbrett entworfenes Produkt, das bis ins kleinste Detail durchdesignt wurde. Konservative Metalheads sind empört, der Rest schmeißt die Hände in die Luft und schreit "Gimme chocolate!!", bis das Kunstblut aus den Ohren quillt.

Die drei Protagonistinnen hören auf die schönen Namen Su-Metal, MoaMetal und YuiMetal, wobei erstere den Leadgesang übernimmt und ihre Kolleginnen sich auf Hintergrundgeräusche und unterstützende Tanzeinlagen beschränken. Su-Metals Stimme macht hierbei eine ziemlich gute Figur, auch wenn hier und da natürlich nachgeholfen wurde. Mühelos meistert sie den Spagat zwischen tieferen Lagen und schwindelerregenden Höhen. Der Vogel wird jedoch vom instrumentalen Part abgeschossen, denn Babymetal sind Musik gewordene Reizüberflutung. Egal, welches Element man herauspickt: Es ist immer im Überfluss vorhanden. Halsbrecherisches Riffing, virtuose Soli und bekloppte Tranceparts geben sich die Klinke in die Hand. Verschnaufpausen werden keine eingelegt. Subtilität? Fehlanzeige.

Die Songs auf "Babymetal" bieten daher auch von allem alles, teilweise auch Dinge, die nun wirklich niemand hören will. Der HipHop-Ausflug in "Iine!" klingt etwa wie ein Restposten aus einem Grand-Theft-Auto-Soundtrack. Witzig ist dagegen der Reggaeteil, der in "Song 4" in das Geknüppel grätscht. Dominant ist aber natürlich der Metal, beziehungsweise das, was das Songwriter-Team hinter der Band unter Metal versteht. Double-Bass-Gewitter und Beatdown-Passagen finden sich ebenso wie waschechte Arpeggio-Massaker. Nur folgerichtig ist daher der Gastauftritt der DragonForce-Frickler Herman Li und Sam Totman im großen Finale "Road of resistance". Ein Entrinnen? Unmöglich. Nach einer Stunde Babymetal fühlt man sich, als hätte man in einer Zentrifuge aus Zuckerwatte übernachtet. Letzte Option: Kapitulation.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Megitsune
  • Gimme chocolate!!
  • Road of resistance (feat. Herman Li & Sam Totman of DragonForce)

Tracklist

  1. BABYMETAL DEATH
  2. Megitsune
  3. Gimme chocolate!!
  4. Iine!
  5. Akatsuki
  6. Doki doki morning
  7. Onedari daisakusen
  8. Song 4
  9. Uki uki midnight
  10. Catch me if you can
  11. Rondo of nightmare
  12. Head bangeeeeerrrrr!!!!!
  13. Ijime, dame, zettai
  14. Road of resistance (feat. Herman Li & Sam Totman of DragonForce)
  15. Gimme chocolate!! (Live at O2 Academy Brixton, London)

Gesamtspielzeit: 65:58 min.

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User Beitrag

Robert G. Blume

Postings: 392

Registriert seit 07.06.2015

2015-06-10 10:33:16 Uhr
Ich hab heute Nacht von Babymetal geträumt °_0

necrodex

Postings: 18

Registriert seit 13.06.2013

2015-05-30 08:49:30 Uhr
Es hilft nichts, ich mag die Truppe. Auch wenn ich mir nicht ganz erklären kann, wieso.
japan wth
2015-05-29 13:04:53 Uhr
japan hat viel seltsamen metal am start. hier visual kei bzw anime metal. https://www.youtube.com/watch?v=2RMY81aJ59w

übrigens auch der gitarrist, der wie eine frau aussieht, ist ein mann.
Robert G. Blume
2015-05-29 12:56:42 Uhr
Ist als Platte schon ziemlich anstrengend. Aber zusammen mit den Videos gibt das den vollen WTF-Effekt. Japan halt mal wieder ...
Miss Thai-Ling
2015-05-29 06:25:23 Uhr
teng siao peng
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