Of Monsters And Men - Beneath the skin

Of Monsters And Men- Beneath the skin

Republic / Universal
VÖ: 05.06.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nach dem Baumhaus

Wer hätte das vor drei Jahren schon gedacht: Of Monsters And Men taugen tatsächlich zu einer kleinen Reflexion über Musik. Wie man sie hört, wie die Kritik und natürlich der Verwertungsapparat funktioniert. Schließlich hat das Sextett im Jahre 2012 einfach flugs alles genommen, was in der seinerzeit noch so einfachen Dreicecksbeziehung von Indie, Pop und Folk so zu finden war und zu einer Mischung verquirlt, die das Wort "Konsens" schon mit der Muttermilch verabreicht bekommen hat. So kam es, wie es kommen musste: "Little talks" wurde zu jeder Tages- und Nachtzeit im Formatradio totgedudelt, vom versteckten Hipsterblog bis bild.de jubilierten alle ob "My head is an animal", der Plattentests.de-Chef zückte im Rausch der Euphorie 9 Punkte, und im hauseigenen Forum wurde fortan mit größter Freude und Gründlichkeit auf die Band eingeprügelt und auf alle, die sie gut fanden. So weit, so normal.

Nur dass diese Episode erst vor drei Jahren passiert sein soll, das möchte man nicht so recht glauben. Of Monsters And Men, das ist eine Band, an die man sich 2015 nur noch verschwommen erinnert. Von der man feststellt, dass man sie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gehört hat. Und auch genau weiß, warum. Weil das Debüt eben ein Album für einen Sommer war. Schöne Monate waren das, die man mit der Platte verbracht hat. Die aber selbst bei nochmaligem Hören nicht über den Status der verklärten Erinnerung hinauskommen. Das Buch der Halbwertszeit ist da lange zu. Sie wären also willkommen, die neuen Songs für den Sommer. Neue, euphorisch-kindische Melodien von Nanna Nanna Bryndís Hilmarsdóttir und Konsorten. Doch die haben mit "Beneath the skin" anderes im Sinn. Schon der Albumtitel lässt vermuten, das sich die Band für das zweite Album die ruhigeren, tiefgründigeren Töne vorgenommen hat. Und die elf neuen Stücke bestätigen genau diese Vorahnung.

Die Richtung Firmament stürmenden Melodien, die jubilierenden Bläser, die Purzelbäume schlagenden Gesangsharmonien – sie sind bis auf weiteres eingemottet. Wer böse ist, unterstellt der Band an dieser Stelle, sie würde Mumford & Sons auf den Pfaden folgen, die Coldplay und Snow Patrol eigentlich schon zur Genüge erkundet haben. Und findet durchaus Belege für diese Behauptung. Die luftige Produktion vom Debüt ist zwar noch immer zugegen, die Songs selber sorgen aber dennoch für einen breiteren Sound, für größere Gesten, für Momente, die auf noch größeren Bühnen verortet sind. "We sink" platziert sich in dieser Kategorie ganz vorne. Da arbeitet von der ersten Sekunde weg alles auf einen größtmöglichen Refrain hin, der seine Hörer dann auch entsprechend ausladend umgarnt. Zuckrige Streicher inklusive. Aber das wusste man von Beginn an. Das ist deswegen noch lange nicht schlecht, man muss es aber auch nicht gut finden. Allgemein häufen sich die Zweifel, je näher man an das Ende von "Beneath the skin" gelangt.

Nicht, weil das Album gegen Ende wirklich schlecht wird. Aber weil eben der achte und neunte und zehnte und elfte Song im gleichen Tempo und im gleichen Habitus einfach jedes Mal ein kleines bisschen unspektakulärer wird. Und natürlich auch, weil der Einstieg zweifelsohne sehr gelungen ist. "Crystals" bringt die von früher bekannten Trademarks traumwandlerisch im etwas gediegeneren Gewand unter und zeigt eindrücklich, wie schön Midtempo sein könnte. Um den so oft bemühten Vergleich auszugraben: Arcade Fire hätten das vermutlich auch abgenickt. Auch die anrührende Ballade "Organs" gerät geradezu wundervoll. Weil sie exakt an der Kante zum Kitsch unterwegs ist und doch keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass sie auf der richtigen Seite steht. Doch auch wenn sich "Thousand eyes" schließlich mit seinem finsteren Songfinale an neuen Wegen versucht: Of Monsters And Men haben auf diesem Album ein bisschen zu viel milden Wind im Gepäck. Man wäre schließlich gerne ein wenig überrascht worden, von dieser Band, die einst plötzlich überall stattfand. Die macht mit dem schwierigen zweiten Album einen guten, abgeklärten Job. Und baut mit diesem Album lieber Stadien statt Baumhäuser.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Crystals
  • Organs
  • Thousand eyes

Tracklist

  1. Crystals
  2. Hunger
  3. Wolves without teeth
  4. Empire
  5. Slow life
  6. Organs
  7. Black water
  8. Thousand eyes
  9. I of the storm
  10. We sink
  11. Human

Gesamtspielzeit: 48:25 min.

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