Pfarmers - Gunnera

Pfarmers- Gunnera

Joyful Noise / Cargo
VÖ: 08.05.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Pfreunde pfürs Leben

Es wäre blödsinnig zu behaupten, Pfarmers seien eine Supergroup¹, nur weil die drei Mitglieder bereits in anderen mehr oder weniger bekannten Bands in Erscheinung getreten sind. Nein, vielmehr als dieser Umstand sollte doch im Vordergrund stehen, dass sich hier drei Freunde zusammengetan haben, die einfach Lust hatten, ihre individuellen musikalischen Fähigkeiten in einem ergebnisoffenen Prozess einzubringen. Und doch kommt man nicht umhin, die Namen und Referenzen der involvierten Herren zu nennen: Hinter Pfarmers stecken also die beiden Drummer Bryan Devendorf – spielt an Werktagen das Schlagzeug bei The National –, und Danny Seim – trommelt und singt sonst für Menomena –, sowie Hornist Dave Nelson, der bereits für illustre Künstler wie St. Vincent oder Sufjan Stevens sein Lungenvolumen strapazierte. Ihre gemeinsame Band klingt streng genommen wie keines der Mutterschiffe und erinnert stilistisch doch an alle: In diesem Königreich regieren Melancholie und Schönklang, Quatschkopftum und Experimentierfreude. Und zwar alle irgendwie für sich und doch in enger Absprache miteinander.

Zunächst legen Pfarmers eine falsche Fährte, ist der Opener "Benthos" doch ein sich über sieben lange Minuten dehnendes Ambient-Intro, dunkel-dräuend und dennoch irgendwie einladend und aufregend, weil man nach jedem Horn-Einsatz einen Ausbruch erwartet. Und doch: Es gibt keinen. Nahtlos geht die Ouvertüre in den ersten wirklichen Song über, "You shall know the spirit": Das Schlagzeug zittert nervös, spacige Synthies bliepen im Takt, der Gesang mischt sich unaufgeregt in die Szenerie, Nelsons Bläser-Arrangements stolzieren majestätisch und verleihen dem Stück die nötige Grandezza. So kann Indie-Rock klingen, der sich von Erwartungen freimacht, der niemandem gefallen will und es dadurch umso mehr tut, schenkt man ihm die nötige Aufmerksamkeit²: Die Melodien drängen sich nie auf, sondern bilden mit den Rhythmen der einzelnen Songs eine Einheit, sie konvergieren und irgendwann löst sich jedwede Unterscheidung in Wohlgefallen auf.

Den größten Pop-Moment dieses Albums hält "Work for me" parat: Zu einem schlingernden Bass und pulsierenden Synthies gesellen sich nach und nach nervöse Drums und harmonischer Gesang und fusionieren auf wunderbar leichte Weise zu einem sehr eingängigen, aber keineswegs unterkomplexen Song. Im Herzen von "Gunnera" steht jedoch zweifelsfrei "The ol' river gang", den man bereits vorab zu hören bekam. Die emporsteigenden Bläser deuten Dramatik³ an, Devendorfs Drumbeats akzentuieren diese Grundstimmung, die sich bis in den Refrain hineinsteigert und sich dann wunderbar entlädt. Das fast neunminütige Abschlussstück "Promised land" gönnt sich ein extrem langes Ambient-Intro, nur um dann einen repetitiven Sog entstehen zu lassen, dem man sich kaum entziehen kann. Auch hier bringen sich die drei Musiker mit ihren Eigenheiten ein und pinseln ein verqueres Kunstwerk, das letztlich größer ist als die Summe der einzelnen Teile. Und am Ende kommt es eben doch nicht mehr darauf an, wo die Beteiligten sich sonst so verdingen. "Gunnera" steht für sich.

¹: Super sind sie natürlich trotzdem.

²: "Gunnera" ist durchaus ein Album, dem man Zuneigung und Zeit schenken sollte, möchte man sich auch in den verwinkelten Ecken zurecht finden.

³: Die Art Dramatik, die man an The National seit jeher so schätzt, womit auch die Frage geklärt wäre, wieso Anhänger der Band um Matt Berninger unbedingt in dieses Album reinhören sollten.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • You shall know the spirit
  • The ol' river gang
  • Promised land

Tracklist

  1. Benthos
  2. You shall know the spirit
  3. Work for me
  4. El Dorado
  5. The ol' river gang
  6. How to build a tube
  7. Promised land

Gesamtspielzeit: 40:03 min.

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The MACHINA of God

Postings: 15465

Registriert seit 07.06.2013

2015-07-14 14:55:22 Uhr
Finds auch nach ca. 10 Durchgängen angenehm und immer wieder gern im Ohr, aber nicht mehr.

MasterOfDisaster69

Postings: 444

Registriert seit 19.05.2014

2015-07-14 14:49:57 Uhr
ganz nett und teilweise unkonventionell instrumentalisiert, aber kommt doch bei weitem nicht an die Qualität der besagten Mutterschiffe heran. Oder muss ich mir die Platte erst 30mal anhören ? 06/10.

The MACHINA of God

Postings: 15465

Registriert seit 07.06.2013

2015-07-04 22:22:07 Uhr
Ziemlich gut asugedrückt. Wobei ich das lange Intro mag.

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2015-06-09 22:05:45 Uhr
Das Intro würde ich auch um die Hälfte kürzen, so spannend ist es leider nicht.
Der Rest ist eine wunderbar entspannte Platte, die jetzt vor allem zu wärmeren Tagen passen sollte.
Donti
2015-06-09 21:45:26 Uhr
Inzwischen der Meinung, dass es viel zu kurz ist.
Jedes Lied super, nur das Intro spar ich mir ab und zu.
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