Brandon Flowers - The desired effect

Brandon Flowers- The desired effect

Island / Universal
VÖ: 15.05.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ring der Niederungen

Bronski Beats "Smalltown boy" ist unkaputtbar. Gut 30 Jahre nach der Veröffentlichung lässt sich das problemlos sagen, denn derartige Versuche gab es zur Genüge. Septembers Instant-Pop-Version namens "Cry for you" beispielsweise, Supermode mit ihrem Clubtanker "Tell me why" und auch K.I.Z. konnten noch so schief "Hurensohn" intonieren, die renitente Melodieseligkeit des Originals blieb. Paradise Losts Metal-Cover und Didos schöne Akustik-Variante sind da noch nicht einmal erwähnt. Nun begibt sich Brandon Flowers aus Las Vegas an das Stück – und sampelt Bronski Beat samt Jimmy Somervilles Falsett für "I can change". Dabei startet der Song als Akustiknummer, nur am Piano und mit Flowers' von Backing Vocals gedoppelter Stimme, ehe sich Neil Tennant (Pet Shop Boys) für ein Sätzchen einschaltet und Flowers zum Persönlichkeits-Transformer mutiert: "I'll be what you're looking for / Even if it's not who I am."

Selten tauchte "Smalltown boy" in einer treffenderen, musikalischen Umgebung auf: "The desired effect" schreit aus jeder Pore "Ich will Pop" und "Ich liebe die 80er!" Wer dem nicht zustimmen kann, fasst das zweite Soloalbum des The-Killers-Frontmanns besser nicht mit der Kneifzange an. Schließlich reden wir in diesem Fall bei den Achtzigern nicht von The Cure oder The Smiths, sondern von Robert Palmer, Cock Robin, The Cars und Foreigner. Mit Flowers' Faible für Kitsch und seinem Händchen für große Melodien, nah an den Niederungen vermeintlicher Jugendsünden und irgendwie auch nah an Satire. Aber dennoch ist "Smile like you mean it" nichts für Mr. Brightside-Flowers. Nutzt der jetzt wirklich dieses Spielzeug-Keyboard und kurzzeitig den Autotune-Effekt in "Lonely town", bei dem Danielle Haim (Haim) an den Drums sitzt? Und blitzen da zusätzlich Partikel aus Marillions "Kayleigh"-Intro auf, ein Chor und Bläser? Die Antwort lautet immer ja und ergibt obendrein beste Unterhaltung.

Und damit wartet Flowers keine Sekunde: Während das metallene Glockenspiel von links nach rechts wiegt, dampft im Opener direkt eine Bläsersektion voran, nicht unähnlich Bruce Springsteens E-Street-Band in "High hopes". Hat man einmal die Zeile "Dreams come true, yes they do, dreams come true" überstanden, referiert Flowers weniger platt über das Land der Möglichkeiten. In der synthetisch kreisenden Single "Can't deny my love" kulminieren Haims Einfluss und der der Killers. Der Orgelsound von "Still want you" verschluckt sich an einer Poolnudel, karibisches Vibraphon und "Homecoming"-Piano klimpern und der feminine Background-Chor schielt gen Sixties-Girl-Pop. Hier ein kleiner Einschub: Sieben Leute sitzen in der Schlussredaktion von Plattentests.de – zwölf der 14 Hände wurden bis zu diesem Zeitpunkt mindestens einmal schon über dem Kopf zusammengeschlagen. Die anderen beiden schreiben diesen Text mit freudigem Kribbeln und erwähnen gerne, dass Flowers unter der Aufsicht von Produzent Ariel Rechtshaid (Haim, Vampire Weekend, Usher) weitere Wagnisse eingeht.

Für das balladeske "Between me and you" glätten Bruce Hornsby am Piano und Tony Levin am Bass in bester Manier die Wogen für Flowers Text: "There's a power in letting go / I guess I didn't want to let you know." Das countryrockende "Diggin' up the heart", ein in Synthies getauchtes Honky-Tonk-Mashup aus Billy Joels "We didn't start the fire" und Electric Light Orchestras "Rock 'N' Roll is king", wird hingegen schon bald der Favorit im Truck Eures Vertrauens. Als sich Flowers unmittelbar danach mit Classic-Rock-Anleihen in "Never get you right" um die Belange einer Prostituierten kümmert, wird es zwar kurzfristig doch etwas zu viel des Guten in der Cheesecake-Factory, aber der 33-Jährige weiß zu reagieren. Mit dem Hammond-Bläser-Closer "The way it's always been", dessen Dosenbeat einem nur deshalb die Schamesröte ins Gesicht treibt, weil er so ungewohnt nackt dasteht. Und mit "Untangled love", einem simplen aber höchst infektiösen Popsong, für den andere töten würden. Haters gonna hate. Der Rest verdient sich einen Mettigel.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Can't deny my love
  • I can change
  • Untangled love

Tracklist

  1. Dreams come true
  2. Can't deny my love
  3. I can change
  4. Still want you
  5. Between me and you
  6. Lonely town
  7. Diggin' up the heart
  8. Never get you right
  9. Untangled love
  10. The way it's always been

Gesamtspielzeit: 39:08 min.

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Mäinstream
2015-05-17 08:27:46 Uhr
Ziemlich dreist. Aber außer Hot Fuss hat Flowers eh nix anständiges zustandegebracht. Erledigt, der Typ.
steff
2015-05-17 07:30:09 Uhr
Ist eigentlich i can change ein offizielles Cover von bronski beats smalltown boy?

https://www.youtube.com/watch?v=Xuz94ZIPfJk
Brandon
2015-05-17 03:57:18 Uhr
Ja, bin auch positiv überrascht, auch wenn ich kein 80er fan. Kritiker loben das Album auch.

Metakritik derzeit 79/100...fast "universal acclaim" Das gab's mit den Killers schon lang nicht mehr!
steff
2015-05-16 10:02:50 Uhr
Absolut tolles Album mit in der Tat sehr vielen in die Moderne getragenen 80er Monumenten ...cant deny my love, i can change , between you and me, lonely town ... auf jedem Fall ein Album, dass ich diesen Sommer rauf und runter hören werde :)

Rick Lüh

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2015-05-16 03:32:32 Uhr
I can change you!
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