Leonard Cohen - Can't forget: A souvenir of the grand tour

Leonard Cohen- Can't forget: A souvenir of the grand tour

Columbia / Sony
VÖ: 08.05.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unterwegs ankommen

Live-Alben genießen bekanntlich einen zwielichtigen Ruf. Künstlern, die regelmäßig Konzertmitschnitte unters Volk bringen, wird gerne Geldmacherei oder gar Gier vorgeworfen. Besonders, wenn auf den Tonträgern zum hundertsten Mal sattsam bekannte Hits in minimal abgeändertem Arrangements zu hören sind. Dass Leonard Cohen solchen Unfug nicht nötig hat, mag auch seinem Kontostand geschuldet sein – hört man aber seine neueste Live-Compilation "Can't forget: A souvenir of the grand tour", wird wieder einmal klar, weswegen ihm das Melken der eigenen Diskographie sowieso nicht in den Sinn käme: Er hat Klasse. Und trotz seines Alters und seines bewegten Lebens ist der Mann noch lange nicht fertig. Schon gar nicht mit der Musik.

"Can't forget" durchzieht jene Leichtigkeit, die bereits die letzten Alben des Sängerpoeten auszeichnete. Mit einem feinen Sinn für Ironie stellt sich Cohen der Realität und blickt dabei in den Spiegel: "I got this full-length mirror / It ain't a pretty sight" singt er in dem bis dato unveröffentlichten "Got a little secret". Bitterkeit oder gar Reue sucht man allerdings vergeblich. Die fast schon verschmitzte Milde, die der späte Cohen on stage ausstrahlt, überträgt sich gottlob auch via Lautsprecher. Wenn er etwa bestens aufgelegt und mit voller Stimme noch einmal den "Field commander Cohen" mimt, ist garantiert, dass ihm das Publikum zu Füßen liegt. Die herausragend eingespielte Band samt fähiger Backgroundsänger tut natürlich ihr Übriges dazu. Dominant sind Geigen- und Orgelklänge, insgesamt bildet das Album eher die amerikanische Seite des cohen'schen Werks ab.

So folgt etwa der zweite neue Song "Never gave nobody trouble" ganz klassisch dem Blues-Schema, während der Mann mit Hut den folkig-verhuschten Troubadour früherer Tage am Bühnenrand stehen lässt und Onkel Tom Waits heraufbeschwört. Das George-Jones-Cover "Choices" wagt dagegen den Sprung in countryeske Gefilde, wobei es leider etwas zu seifig instrumentiert ist. Doch nur selten wird der Bogen überspannt, meist sind die Arrangements sowohl zweckdienlich als auch stilsicher. Ganz und gar wundervoll ist etwa das im 6/8-Takt dahinschwelgende "Light as a breeze", das zum Refrain hin dank der tollen Gesangsharmonien regelrecht aufblüht. Ebenfalls umwerfend ist das 2012 in Mönchengladbach aufgenommene "Night comes on", das nach all den Jahren überhaupt keinen Staub angesetzt hat und immer noch die Zeit anzuhalten verma

Beim Blick in die Vergangenheit spart Cohen auch die eigene Heimat nicht aus. "La manic", ein Chanson des Québécois Georges Dor, wird auf unnachahmliche Weise und alles andere als akzentfrei interpretiert – hier ist er wieder, der große Melancholiker, der unnachahmliche Charmeur. Wobei letzterer bei kritischer Selbstbetrachtung schon bessere Tage gesehen hat: "You start off irresistible / Then you become resistible / Then you become transparent. [...] / And then you actually do become invisible / And then – and this the most amazing transformation – you become repulsive" kalauert Cohen in "Stages", ehe er schmunzelnd zu einigen Versen von "Tower of song" überleitet. Das wirkt nicht aufgesetzt und erst recht nicht anbiedernd, sondern abgezockt und ungemein entspannt. Hier ist einer mit sich im Reinen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Field commander Cohen
  • Light as a breeze
  • Night comes on
  • Joan of Arc

Tracklist

  1. Field commander Cohen
  2. I can't forget
  3. Light as a breeze
  4. La manic
  5. Night comes on
  6. Never gave nobody trouble
  7. Joan of Arc
  8. Got a little secret
  9. Choices
  10. Stages

Gesamtspielzeit: 48:35 min.

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Jennifer

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2015-05-13 23:04:29 Uhr
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