Life Of Agony - Unplugged at the Lowlands Festival '97

Life Of Agony- Unplugged at the Lowlands Festival '97

Roadrunner
VÖ: 21.08.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gemeinsam einsam

Über einen Live-Mitschnitt von Life Of Agony viele Worte zu verlieren, kommt dem berühmten Eulen-Nach-Athen-Tragen gleich. Die Band war zu ihren Lebzeiten berühmt für eindringliche Konzert-Darbietungen, und viele, denen es vergönnt war, dabeizusein, schwärmen noch heute davon. Daß mit Eulen, Mythen und Legenden viel Geld zu verdienen ist, gehört zu den ältesten Weisheiten im Musikgeschäft. Wenn es sich dann noch wie im Falle Life Of Agony um eine Band handelt, die das Zeitliche gesegnet hat, ist endgültig Grund genug für ein postmortales Live-Album gegeben.

Um nicht banalerweise einen beliebigen Live-Auftritt zu veröffentlichen und den finanziellen damit als einzigen Zweck im Raum stehen zu lassen, fiel die Wahl auf den Unplugged-Auftritt beim Lowlands-Festival 1997. Dadurch unterscheiden sich die Stücke natürlich um mehr als nur das Klatschen des Publikums von der bekannten Studioversion, und "Weeds" erfährt gar vor seiner offiziellen Veröffentlichung eine komplette Umstrukturierung. Zwar konnte man bei dem Auftritt in punkto Songmaterial aus den Vollen schöpfen, und gerade die zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Stücke vom dritten Album "Soul searching sun" werden dem Unplugged-Gedanken am ehesten gerecht, doch mag dahingestellt bleiben, ob die Wahl dieses Mitschnitts die glücklichste war. Jedem Ton merkt man an, daß Life Of Agony als Band zu dem Zeitpunkt bereits genauso tot waren wie Kurt Cobain als Person bei den Aufnahmen zu Nirvanas Unplugged-Album. Caputos Stimme und Charisma dominieren, die Band und ihre Instrumente halten sich im Hintergrund oder werden in selbigen gedrängt. Der Frontmann hat sich merklich von seinen Mitstreitern distanziert und nimmt sich den Raum, den er braucht.

An manchen Stellen wird leider überdeutlich, daß Caputo der angemessene Dialog mit dem Publikum und die richtige Dosierung von Pathos noch nicht perfekt gelingt. Spätenstens wenn der Wahl-Holländer bei "Let's pretend" das versammelte Publikum "You're always getting stoned" zum Gedenken an seine verstorbene Mutter singen läßt, fühlen sich äußerst böswillige Gemüter an die Huldigungen erinnert, die weiland Heintje seiner Mutter darbrachte. Der Stachel sitzt tief bei Keith Caputo und wurde auch auf seinem ersten Solowerk "Died laughing" noch in jeder Komposition offensichtlich oder unterschwellig verarbeitet. Gerade durch dieses Elementn bei diesem Unplugged-Auftritt wird die aufkeimende Intimität (anders als bei den Auftritten seiner Akustik-Tour letztes Frühjahr) mitunter noch unter der Last der großen Gefühle erdrückt.

Da die acht Stücke vom Lowlands-Festival noch mit sechs weiteren Live-Stücken sowie einer alternativen Version des Klassikers "Other side of the river" angereichert werden, bieten sich aber letztlich sowohl den neuen Anhängern Keith Caputos, als auch den trauernden Life Of Agony-Fans genügend Kaufgründe für "Unplugged...". Denn auch wenn der Lack bereits ab ist, so ist dieser Tonträger ein überwältigendes letztes Lebenszeichen einer der wichtigsten Rockbands der Neunziger.

Zum Keith Caputo-Interview-Special

(Armin Linder)

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Highlights

  • Angry tree
  • Weeds
  • Other side of the river (David Thoener Mix)

Tracklist

  1. Introduction
  2. How it would be
  3. Angry tree
  4. Weeds
  5. Desire
  6. My mind is dangerous
  7. Let's pretend
  8. River runs red
  9. Other side of the river (David Thoener Remix)
  10. Seasons (live)
  11. Plexiglass gate (live)
  12. Respect (live)
  13. This time (live)
  14. Method of groove (live)
  15. My eyes (live)

Gesamtspielzeit: 73:06 min.

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