Hiatus Kaiyote - Choose your weapon

Hiatus Kaiyote- Choose your weapon

Flying Buddha / Sony
VÖ: 08.05.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zwischendurch mal affengeil

Wer sich nach einem Hiatus Kaiyoten als Haustier sehnt, dem sei folgendes geraten: Man kreuze einen großen und haarigen Hund (allein frisuren-technisch eignet sich ein Komondor) mit einem Pavian (mit Bananen bestochen oder argumentativ überzeugt). Und schwupps: das geworfene Getier dann mit allen, wirklich allen, Pillen der Hausapotheke und des Dealers von der Ecke vollstopfen. Für die frühmusikalische Erziehung eignet sich, was auch immer auffindbar ist, gerne hat es das Kaiotchen aus dem Soul- und Hippie-Sektor, weiß aber auch Abwechslung – etwa Psychedelisches, R&B und/oder Funk – zu würdigen. Einfach nur immer rein damit.

Zum Glück ist das viel zu aufwändig und vom Tierschutz verboten, dennoch goutiert eine Band dieses Monstrum, auch auf ihrer zweiten Veröffentlichung. "Choose your weapon" ist ein ungestümes Fabelwerk, bei einer Länge von 70 Minuten bei 18 Titeln und Gestalt: Genres? Pfff. Hörerfreundlichkeit? Quatsch. Hier gibts Polyrhythmik. Nach dem selbstproduzierten Erstling "Tawk tomahawk" fand das Quartett gleich Unterstützer wie Prince, Questlove oder Pharrell, die jedoch nicht auf der Platte vertreten sind, und wurde für einen Grammy nominiert. Die Zeit für Zurückhaltung ist endgültig vorbei. Bedeutet: die musikalischen Autodidakten können vollends durchdrehen.

Freiheit, die erst einmal in viele elektronische Leerräume führt. Gleich im Opener wird mit Naturklängen und harten Beats zur Wahl der Waffen aufgefordert. "Shaolin monk motherfunk" ist der im Namen enthaltene Rhythmus-Funk mit Nai Palms jazziger Stimme. Prince lässt grüßen. In der skurrilen Betitelung der Lieder geht es weiter: "Borderline with my atoms" ist das in eine Hotelbar gehörige Klavierstück, ergänzt durch regnende Synthesizer-Läufe. "Pleasure / Melting your snowflake of lace down your face / For your love, for your lover to find" heißt es dann in "Breathing underwater" und, wie bei allem, defäkiert die Band auf Songstrukturen. Etwas Ordnung würde hier guttun.

Doch Palm singt einfach weiter, als ginge es um ihr Leben. Zwar bekundet die federführende und -tragende Songwriterin, wie intensiv an dem Album gearbeitet und jegliche Willkürlichkeit bekämpft wurde, das Endergebnis ist aber stellenweise sehr verkopft – ganz anders als das Debüt. Die Polyrhythmik mutiert zum Feind dieses Albums. "Fingerprints" und "Prince minikid" sind neben "Building a ladder" noch die Songs, bei denen Idee und Umsetzung am nächsten liegen. Ein durch und durch merkwürdiges Unterfangen. Das Ungetüm ist nicht domestiziert und daher nur bedingt haushaltstauglich. Reduziert man die Konfrontation auf kleine bewusste Dosen, kann es doch begeistern. "Choose your weapon" ist eher ein "Choose your songs", ein Do-it-yourself-Album, in dem der Hörer selbst herauspickt, was ihm gefällt und daraus eine sehr gute Compilation erstellt. Wurde dies von der Band bedacht? Freigeister eben.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Breathing underwater
  • Fingerprints
  • Prince minikid
  • Jekyll
  • Building a ladder

Tracklist

  1. Choose your weapon
  2. Shaolin monk motherfunk
  3. Laputa
  4. Creations part one
  5. Borderline with my atoms
  6. Breathing underwater
  7. Cicada
  8. Swamp thing
  9. Fingerprints
  10. Jekyll
  11. Prince minikid
  12. Atari
  13. By fire
  14. Creations part two
  15. The lung
  16. Only time all the time / Making friends with studio owl
  17. Molasses
  18. Building a ladder

Gesamtspielzeit: 69:17 min.

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afromme

Postings: 389

Registriert seit 17.06.2013

2015-12-03 20:55:15 Uhr
Frisch gehört. Mit 6/10 aufs erste Hören tendenziell unterbewertet, auch wenn's vielleicht zwei Lieder kürzer sein könnte.

Jennifer

Postings: 1516

Registriert seit 14.05.2013

2015-05-06 18:52:14 Uhr
Frisch rezensiert. Meinungen?
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