Groenland - The chase

Groenland- The chase

Bonsound
VÖ: 24.04.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die unendliche Weite

Erst mal alle Vorbehalte und die Abscheu vor Namensdiskussionen über Bord werfen. Groenland ruft. Im Fall der sechs Kanadier so laut, dass nur ein schneller Geistestrip ins arktische Eis hilft, den Traum hinter der Musik zu fassen. Noch weit bevor das Klavier tauwettertröpfelnd einsetzt und Sabrina Haldes Stimme darin herumspringt wie die Landjugend im ersten Schnee des Winters, liegt meilenweit davor eine riesige weiße Fläche mit grünen Rändern. Die Menschen, die sich auf zwei Millionen Quadratkilometern Grönland verteilen, füllen zusammengenommen Euskirchen oder Neu-Ulm. Irgendwo zwischen der Abhängigkeit von Dänemark und den deutschen Nachnamen missionierter Urvölker erzählt Wikipedia die Geschichte eines Staates kurz vor dem sozialen Kollaps. Grönland ist offenbar nur dort namenspatentauglich, wo keine Menschen leben.

Eine schneeweiße Projektionsfläche für Nachwuchsbands aus Montreal, die auf dem Cover vom Debutalbum den Scherenschnitt anlegen und sich ihr Groenland so basteln, wie es sein soll. Berge, Schafe, Bergziege auf Bergspitze, friedliebende Menschen, friedliebende Bären und nur so viel Infrastruktur, dass sie einem Sehnsuchtsort nicht gefährlich werden kann. Willkommen im arktischen Paradies, willkommen auf Groenland. Mittendrin in der schneeweißen Utopie springt also das kanadische Sextett umher. Sabrina Halde füllt die Stille der Polarnacht mit ausatmenden Aaahs ("Criminals") und kurzatmigen Hahahas ("26 septembre") . Ein Tänzchen mit Leslie Feist, eine Schlittenfahrt auf der Soulstimme Amy Winehouse', ein Gute-Nacht-Lied für Florence, und schon steht man mitten im Zentrum des Sounds Groenlands.

Orchestraler Indie-Pop mit Ukulele, Trompete, Violine, Schlagzeug, Klavier und der Sehnsucht nach einer Welt zwischen Musikmetropole und Polarlicht, in der alle Instrumente eine melodische Einheit bilden. Dass sich anfangs Jean Viver und Sabrina Halde als reines Electro-Pop-Duo zusammen gefunden haben, davon zeugt auf "The chase" fast ausschließlich das C64-Monkey-Island-Intro der gleichnamigen Singleauskopplung. Sie fühlten sich eingeschränkt. Es mangelte den beiden an "organischer Musik", sagte Halde in einem Interview. Groenland wächst auf Expeditionsgröße. Schon der Opener "Our last shot" zeigt, dass die Band dabei ist, sich selbst zu erkunden und die weitläufige Fläche, die sie sich geschaffen haben. Haldes Stimme nimmt die Last auf sich und läuft damit federleicht über Selbstfindungstrips hinweg, wie in "Immune": "When I look in my precious mirror / I try to get a grip of the old me." "Don't fix me yet" mit gehackter Ukulele und schwelgenden Streicheinlagen, ein schlummerndes "Daydreaming" und die langgezogenen Vokale eines lebensbejahenden "The things I've done" klingen nach: Groenland ist groß, und es gibt viel zu entdecken.

(Bastian Sünkel)

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Highlights

  • 26 septembre
  • Criminals
  • The chase
  • Don't fix me yet
  • Immune

Tracklist

  1. Our last shot
  2. Superhero
  3. 26 septembre
  4. The old ways
  5. Immune
  6. Criminals
  7. La pieuvre
  8. Daydreaming
  9. Detour
  10. The things I've done
  11. Our hearts like gold
  12. The chase
  13. Don't fix me yet
  14. Some of us
  15. Immune (Rich Aucoin Remix)

Gesamtspielzeit: 50:27 min.

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Jennifer

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2015-05-06 18:51:37 Uhr
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