All Time Low - Future hearts

All Time Low- Future hearts

Hopeless / Soulfood
VÖ: 17.04.2015

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus den Badelatschen

Wäre es nicht herrlich, wäre das Leben jeden Tag von neuem aufregend, und dabei simpel und sorgenfrei? So wie damals, mit 15 oder 16! Abgesehen vom Pflichtprogramm namens Schule und Elternhaus, das man irgendwie nebenbei auf einer Arschbacke managte, zählten ausschließlich Freunde, Freizeit und Musik – und, okay, vielleicht noch das erste Techtelmechtel mit dem anderen Geschlecht, gefolgt von Zoff oder der ein oder anderen Liebeskummer-Attacke. Mit all diesen Dingen, so sehr man heute darüber schmunzelt, ließ sich prima der Alltag füllen. Ach ja, zum Baggersee-Feeling durfte natürlich der passende Pop-Punk-Soundtrack nicht fehlen. Ungefähr 16 waren die Kumpels Alex Gaskarth (Gesang, Gitarre) und Jack Barakat (Gitarre, Gesang) 2003 auch, als sie auf der Highschool in Towson, Maryland, All Time Low gründeten – ihre eigene Pop-Punk-Band, immerhin, mit Liedern über all die (un)wichtigen Dinge, für all die Teenies da draußen.

Hätte man den beiden College-Schönlingen mit den betonierten Emopop-Matten damals geflüstert, dass ihre sechste Platte "Future hearts" sie im Jahr 2015 eben mal an die Pole-Position der US- sowie UK-Album-Charts hieven würde – sie hätten einen vermutlich für verrückt erklärt. Die Charts stürmen mit solch atemberaubend vielsagenden Songtiteln wie "Kicking & screaming", "Missing you" oder "Don't you go"? Dass so etwas in einer Welt, die immer noch ihre juvenilen Friede-Freude-Herzschmerz-Boybands braucht, funktioniert – geschenkt. Dass All Time Low, mittlerweile nicht mehr 16, sondern im Schnitt Ende 20, die Nummer aber nach wie vor derart konsequent durchziehen? In Sachen Altersvorsorge nicht der uncleverste Schachzug. Wenn man allerdings banale Popliedchen wie "Tidal waves" oder Emo-Schmalz-Pop wie "The edge of tonight" dann tatsächlich mit dem Wörtchen "Punk" serviert bekommt, wenn sich unter der Niveau-Gürtellinie befindliche Pennäler-Lyrik mit harmlosem College-Poprock paart, stellen sich dem interessierten Musikhörer längst die Nackenhaare. Nur leider nicht wegen der Pheromone.

Und auch nicht wegen der routiniert-biederen Schul-Chöre. Wie auf Knopfdruck, zwischen halbgaren Breaks und ziemlich vorhersehbaren Refrains platziert, lauern sie, die Doppel-"OhOh"s, die Dreifach-"AhAhAh"s, die x-fachen "Hey"s. Und geben dem Hörer immer dann noch mal eins mit, wenn er gerade unachtsam ist – aus Sicherheitsgründen, versteht sich. Okay, "Kicking & screaming" hat gegenüber den meisten glatt lackierten Nummern auf "Future hearts" sogar ein bisschen Schmiss, und angenehm-ohrwurmige College-Rocker wie die erste Single "Something's gotta give" oder "Old scars/future hearts" tun sicher keinem weh. Und ja, das Genre hat es in Sachen Anspruch noch nie leicht gehabt. Aber dass Pop-Punk auch amüsant geht und auch musikalisch ein paar Grenzen ausgelotet werden dürfen, bewiesen Blink 182 schon vor weit über zehn Jahren. All Time Low hingegen nehmen sich in ihrem Teenage-Angst- und Kopf-hoch-Herzschmerz-Gehabe viel zu ernst, bedienen schamlos die Klischees.

Wer's braucht? Bahnbrechend-investigative Recherchen haben ergeben, dass All Time Low vor allem von Pubertierenden oder junggebliebenen Damen gehört werden. Mal abgesehen davon, dass ihre Musik ähnlich kantig ist wie die Fusselrolle aus dem Drogeriemarkt und sicherlich für ein breites Publikum taugt, fragt man sich schon, was das für eine Jugend ist, die sich zu Zeilen wie "They left us alone / Kids in the dark / We'll come together / State of the art / Never surrender / Kids in the dark" in den Armen liegt. Vermutlich die selbe, die Barakats Tweet "My nipples are hard from the brisk ocean breeze" über 4600 Retweets schenkt, diesen "Text" als Poesie oder Kunst bezeichnet und dem jungen Padavan dafür – natürlich – noch ein Herzchen schickt. Hach. Da kippt selbst der hartgesottene Sommer-Romantiker aus den Badelatschen. Sorgenfreie Zeit, wo bist Du hin?

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Something's gotta give

Tracklist

  1. Satellite
  2. Kicking & screaming
  3. Something's gotta give
  4. Kids in the dark
  5. Runaways
  6. Missing you
  7. Cinderblock garden (feat. Mark Hoppus)
  8. Tidal waves
  9. Don't you go (feat. Joel Madden)
  10. Bail me out
  11. Dancing with a wolf
  12. The edge of tonight
  13. Old scars/future hearts

Gesamtspielzeit: 45:32 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 13412

Registriert seit 08.01.2012

2015-05-10 17:38:11 Uhr
Hop Along kommt noch. Ansonsten legen wir dann doch für alles sie gleichen Maßstäbe an. Und sortieren aus, was uns nicht begeistert (leider bei vielem der Fall). Daneben gibt es aber ein paar Bands, die wegen der Bekanntheit ein Muss sind, da zählen auch All Time Low dazu.
Gordon
2015-05-06 13:25:21 Uhr
Wie wärs mal, relevanten "Pop-Punk im weiteren Sinn" zu rezensieren? The story so far, Trophy eyes, Hop along. Das alles wäre doch toll, wohingegen man hier weiß, was dabei rumkommt. Kann mir schwer vorstellen, dass sich jnd drum reißt, das hier zu rezensieren. Ab an die Arbeit!
ganz schön...
2015-04-30 17:27:52 Uhr
...schwchtelig

Armin

Postings: 13412

Registriert seit 08.01.2012

2015-04-29 23:35:48 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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