Ann Sophie - Silver into gold

Ann Sophie- Silver into gold

Polydor / Universal
VÖ: 24.04.2015

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wen kümmert's?

Am 5. März suchten Barbara Schöneberger und drei Millionen Fernsehzuschauer an den heimischen Empfangs- und Fernrufgeräten unseren Star für Österreich. Nach obskuren bis abstrusen Darbietungen – von Mittelalter-Folk bis Esoterik-Techno war alles dabei – standen sich im großen Finale der Vorentscheidungsshow der bärtige Grummelsänger Andreas Kümmert und die rehäugige Newcomerin Ann Sophie gegenüber. Das Publikum war sich ziemlich einig und entschied per Televoting für den Unterfranken. Doch der kränkelnde Sänger wirkte die ganze Show über schon hochnervös und in sich gekehrt und ließ am Ende in einer reich-ranicki'esken Aktion die Bombe platzen: Er will nicht, er kann nicht und überhaupt sei ihm das alles hier zu viel. Und die zweitplatzierte Ann Sophie sei ohnehin geeigneter.

Ende Mai darf nun also die Hamburger Sängerin nach Wien, wo sie die Thronfolge von Conchita Wurst antreten möchte. Passenderweise erscheint nun auch das zweite Album der gebürtigen Londonerin, die mit ihrem Debüt "Time extended" vor zwei Jahren größtenteils unter dem Radar segelte und nicht wirklich weiter auffiel. Wenig verwunderlich: Ihre Stimme ist weniger eigenständig als die vieler Kolleginnen, ihr Auftritt meist eher gediegen-unaufdringlich, die von ihr interpretierten Kompositonen harmlos-solide Pop-Nummern, ohne sonderlichen Nachdruck. Böse Zungen würden Ann Sophie wohl langweilig schimpfen und diesem Vorwurf lässt sich tatsächlich wenig entgegnen. "Silver into gold" macht eigentlich nicht viel falsch, liefert eben den erwartbaren Standard-Pop ab, der keinem wehtut, aber eben auch selten wirklich überzeugt. Wenig bleibt hängen, obwohl der Großteil der zwölf Tracks gut produzierte Stangenware ist. Die vielfach gehörten Geschichten über Liebe, Lügen und Liebeslügen sind kurzweilige Kost fürs anspruchslose Nachmittagsradio.

Letztlich ist "Silver into gold", aller berechtigten Meckerei zum Trotz, eine vollkommen unpeinliche Liedersammlung, die direkt mit dem stärksten Stück beginnt: "Black smoke" ist nicht nur "unser" Beitrag für den ESC, sondern auch ein recht schlüssiger Dreiminüter, der die Stärken Ann Sophies betont. Die am Lee-Strasberg-Institut in New York ausgebildete Sängerin weiß ja durchaus mit ihrer Stimme umzugehen. Auch das beschwingte "See the light" macht bei ungenauerer Betrachtung gute Laune, erinnert jedoch schon ein wenig an die letzten Geh- und Stehversuche Lena Meyer-Landruts. Von ebenjener darf sich Ann Sophie ohnehin gerne a bisserl etwas abschauen. Zum Beispiel, wie man den Eurovision Song Contest gewinnt. Auch wenn die Chancen eher schlecht stehen. Am Abend des 5. März war das ursprünglich ja auch nicht anders.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Black smoke

Tracklist

  1. Black smoke
  2. Jump the gun
  3. I don't know where I'm going
  4. Lie to me
  5. Get over yourself
  6. Still that girl
  7. Have you ever
  8. I believed
  9. See the light
  10. I think it's a love song
  11. Changing lights
  12. Silver into gold

Gesamtspielzeit: 41:23 min.

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