Sophie Hunger - Supermoon

Sophie Hunger- Supermoon

Two Gentlemen / Caroline / Universal
VÖ: 24.04.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Diese Welt ist nicht genug

Großes Frohlocken: Sophie Hunger veröffentlicht ihr viertes Studioalbum, und bald dürfte Einigkeit herrschen, dass auch dieses wieder gut bis fantastisch geraten ist. War ihr der Erfolg doch hold nach "The danger of light": über 250.000 verkaufte Exemplare, gefüllte Hallen in Europa und Amerika. Diesem Trubel wollte Hunger entfliehen, nicht in die heimische Schweiz, sondern ins ferne Kalifornien. Dort tingelte sie dann von einer Airbnb-Bude zur nächsten, war quasi ständig unterwegs und begeisterte sich auch noch in San Franciscos Museen für den Mond. Inspirationskräfte strömt dieser Himmelskörper bekanntlich aus und trotz gelobter Abstinenz begann Hunger wieder zu musizieren. Darum widmet sie dem "Supermoon" auch gleich das ganze Album. Im Titelsong tritt Hunger gar als personifizierter Mond auf, denn ob nun von der alten oder neuen Welt nach droben geblickt, er ist laut der Künstlerin Teil einer faszinierenden "Sehnsucht nach dem Fremden", wo der Mond doch stets "ein Teil von uns" bleibt.

Produktionstechnische Sollbruchstellen stechen bei "Supermoon" gleich hervor. Für diese zeichnet Mark Lawson verantwortlich, den Hunger für dessen Arbeit mit Timber Timbre bewundert, der aber auch schon bei Arcade Fire mitwerkelte: Viel Hall belegt den Gesang, einiges an hektischen Einspielern, ob psychedelisch oder mit Bläsern versetzt wie in "Superman woman", hinzu gelegentlich gesampelte Drums bei "Fathr". Die kindliche Chipmunks-Stimme in "Heicho" (Schwizerdütsch für "nach Hause kommen") ist dann die größtmögliche Übertreibung und hat nichts Verjüngendes, sondern etwas Befremdliches, computerisiert Unnatürliches. Das ist eine ungewohnte Sophie Hunger, auch weil sie gerade in den ersten vier Liedern eine Pop-Leichtigkeit verströmt, insbesondere bei "Mad miles" oder "Superman woman".

Sie findet zurück ins Grüblerische mit "Die ganze Welt": "Was werd' ich tun, wo geh' ich hin / Was werd' ich tun, wenn das / Was ich bin, Dir nicht gefällt? / Du bist die ganze Welt". Da führt das bunte, energische Albumcover in die Irre, denn eigentlich überragen die gemächlicheren und tristen Lieder den Rest – an Menge und Kunstfertigkeit. Auch "La chanson d'Hélène" sticht hervor, im Original von Romy Schneider und Michel Piccoli im Soundtrack zu Claude Sautets Film "Les choses de la vie" (1970), heute einer der bekanntesten französischen Chansons. Sehr pointierte und leise arrangierte Streicher, dazu Sprechgesang von der Fußballlegende Éric Cantona. Und Hungers verträumter Gesang.

Auch wenn sich Hunger von der Gitarre ausgehend versteht und definiert, scheint sie mittlerweile stärker, wenn sie nur Streicher oder Klavier begleiten, wie auch beim abschließenden "Queen drift". "Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!" ist einer der bekanntesten deutschen Denksprüche, der mal Goethe, mal anderen zugeschrieben wird – für Hunger ist es, ganz Weltbürgerin, nicht das nahe Gute, sondern immer das unbekannte Ferne, das sie umtreibt und inspiriert. "The danger of light" war weitaus stringenter, in der Instrumentierung spürbar zeitaufwändiger. Da hat "Supermoon" mehr vom ständigen Unterwegssein. Denn Hungers Reise ist eine der Unbeständigkeit, der Hast, ob transatlantisch oder in die kosmische Ferne schweifend.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Die ganze Welt
  • La chanson d'Hélène
  • Queen drifter

Tracklist

  1. Supermoon
  2. Mad miles
  3. Love is not the answer
  4. Superman woman
  5. Die ganze Welt
  6. Fathr
  7. The age of lavender
  8. La chanson d'Hélène
  9. We are the living
  10. Craze
  11. Heicho
  12. Queen drifter

Gesamtspielzeit: 42:59 min.

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Menikmati

Postings: 267

Registriert seit 25.10.2013

2018-03-31 16:13:41 Uhr
Nach langer Zeit wieder mal am hören. Unglaublich schöne Songs (Supermoon, Die ganze Welt, Le Chanson d'Helene, Queen Drifter) im Wechsel mit eigensinnigem spinnertem Pop, manchmal Jazz (Mad Miles, Superman Woman, The Age of Lavender, We are the Living). Hunger schafft, was nur wenige können: immer anders klingen und trotzdem sich selbst sein. Daran soll sie beim nächstem Album anknüpfen. Hoffentlich dauerts nicht mehr lange..
sam
2015-09-28 22:31:25 Uhr
passender blutmond soundtrack gewesen :D
Lev
2015-05-28 16:26:22 Uhr
Live auch wieder unbeschreiblich gut, nur leider viel zu kurz!
Robert G. Blume
2015-04-27 15:25:26 Uhr
Ich glaube, das ist einer dieser Menschen, die einfach nicht daneben liegen können. Neues Album ist mal wieder von vorne bis hinten gut.

afromme

Postings: 394

Registriert seit 17.06.2013

2015-04-25 13:49:04 Uhr
Deluxe-Edition inzwischen auch tatsächlich angekommen. Ganz hübsch gemacht - gebundenes Buch mit Banderole. Buch selbst hat geprägte Rückenaufschrift und ebenso geprägtes Cover, drinnen dann vorne und hinten die CDs, im Mittelteil die Liedtexte und einige Fotos. Nun die Wahl - Kopfhörer oder warten, bis die schlafende Person im Wohnzimmer wach ist und ich laut hören kann.
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