Young Fathers - White men are black men too

Young Fathers- White men are black men too

Big Dada / Rough Trade
VÖ: 03.04.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Läuft bei denen

Eine Auszeichnung zu gewinnen, die bei Kritik wie Kunde gleichermaßen angesehen ist, kann schon Fluch und Segen sein. Plötzlich erwartet man vom Preisträger einen weiteren Quantensprung, eine noch bessere Leistung, mehr Innovation, mehr Mut, mehr von allem. Vor allem erwartet man keine Schwächen, nicht mal kleine Makel, die man anderen sofort verzeihen würde. Der schottische Dreier Young Fathers begegnet jenen, die glauben, die Jungs müssten nach dem Gewinn des Mercury Prizes für ihr Debüt "Dead" das Rad des Alternative-HipHops neu erfinden, ebenso erwartungsgemäß: Der politisch nicht ganz korrekte Titel ihres zweiten Albums "White men are black men too" ist nur der Anfang. Kampfeslust paart sich auf den zwölf Songs mit Ablehnung, rohe Dynamik trifft auf den unbegrenzten Willen, genau das zu machen, was sie wollen – nicht, was andere von ihnen wollen. Young Fathers ziehen ihr Ding durch, und das ist – wie man schnell feststellt – auch sehr gut so.

Das Preisgeld zumindest haben sie gut angelegt: Die Produktion wirkt professioneller, die Strukturen ausgefeilter, die Songs größer, ohne großspurig zu klingen. Hinzu kommt, dass die Band wohl auch durch den neugewonnenen Bekanntheitsgrad reifer geworden ist. Die stellenweise (t)rotzigen Posen des Vorgängers wurden ersetzt durch echtes Selbstbewusstsein. Zudem finden sich auf "White men are black men too" mehr denn je auch Popmelodien bei Young Fathers wieder: Die Dschungel-Rhythmen von "27", das vom berüchtigen Club der in jenem Alter verstorbenen Musiker handelt, werden immer wieder von beinahe sensiblem Gesang unterbrochen. Der Opener "Still running" spielt mit Freak-Folk-Elementen und steigt an der selben Bushaltestelle aus, an der "Feasting" sich gerade nach einer durchzechten Nacht die Seele aus dem Leib kotzt. Ein tief wummernder Beat sorgt für Unwohlsein, die auf links gedrehte Instrumentierung für die Extraportion Schwindel. Was hier zunächst komisch riechen mag, wird zukünftig genau das sein, worauf man nicht mehr verzichten möchte.

Tanzbar wird es mit dem an TV On The Radio erinnernden Lo-Fi-Soul "Shame", völlig irre im zwischen Himmel und Hölle wandelnden "Sirens". Von einem ähnlich seltsam anmutenden und doch gefälligen Kaliber zeigt sich gegen Ende auch "Dare me", das wie eine bittersüße Kitschballade startet und nach gut 45 Sekunden plötzlich die harten Geschütze auffährt. Dass Young Fathers das Gerede um sie, den Mercury Prize oder ihr neues Album kaum egaler sein könnte, wird dem Hörer spätestens zu den Marschklängen von "Liberated" klar, in dem das Trio im schnellen Schritt einfach über alles und jeden hinweglatscht, der sich ihnen zwei Sekunden zu lange in den Weg stellt. Da ist es quasi Ehrensache, dass sie das Album mit genau dem einen Song beenden, der für ein Finale nicht nur vom Titel her am ungeeignetesten sein dürfte: "Get started" lässt den Vorhang mit einer Mischung aus Gospel und Soul nicht einfach nur zugehen, sondern mit mit rasender Geschwindigkeit von der Decke fallen. Wen es jetzt noch auf seinem Sitzplatz hält, der wartet beim nächsten Mal am besten gleich vor der Tür. Oder daheim. Young Fathers dürfte es jedenfalls egal sein.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Still running
  • Shame
  • Sirens
  • Dare me

Tracklist

  1. Still running
  2. Shame
  3. Feasting
  4. 27
  5. Rain or shine
  6. Sirens
  7. Old rock n roll
  8. Nest
  9. Liberated
  10. John Doe
  11. Dare me
  12. Get started

Gesamtspielzeit: 38:58 min.

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The MACHINA of God

Postings: 14404

Registriert seit 07.06.2013

2015-10-16 13:53:23 Uhr
Die beiden EPs sollen ja klasse sein.

Sind übrigens Support von Massive Attack nächstes Jahr.

Plattenbeau

Postings: 589

Registriert seit 10.02.2014

2015-05-02 17:17:29 Uhr
Erfrischender Sound. Experimentell, schmutzig und dennoch eingängig. Das hat mehr Aufmerksamkeit verdient.

Armin

Postings: 14777

Registriert seit 08.01.2012

2015-02-04 21:02:57 Uhr
Young Fathers – Das neue Album “White Men Are Black Men Too” erscheint schon am 03. April 2015
(Big Dada / Ninja Tune. Vertrieb: Rough Trade)

Bämm! Nur einige Wochen nach Erhalt des renommierten Mercury Prize für das beste Album 2014 (in dem sie u.a. Damon Albarn und FKA Twigs hinter sich ließen) und halb-öffentlicher Albumaufnahmen (u.a. in Berlin-Moabit, Edinburgh, Illinois und Melbourne) hauen die Young Fathers ihr neues Album raus - und was für ein Album das geworden ist!
Spektakulär, konsequent und randvoll mit Rock, Pop, Rap und allem was man will. Die scheren sich nicht. Und - konsequenterweise - trägt das Album einen Titel, an dem man sich reiben wird: “White Men Are Black Men Too” - dazu äußert sich Young Father Alloysious weiter unten, neben dem Cover.**

Der treibende, vielschichtige erste Song aus dem neuen Album ist "Rain or Shine". Über die Website der Band kann man ihn ab sofort hören: young-fathers.com
Wenn man die Band um einen Beschreibung bittet, sagen sie: “you wanted to hear The Monks jamming with Can and the Commodores, right? And then The Last Poets jumping in on the end before it gets too late? And a paranoid prophet, wandering a post-apocalyptic desert, talking to himself? Served with fries…”
Den Embed-Code zur Einbindung bei euch findet ihr - ebenfalls - weiter unten.

Was es sonst zum Album bereits zu verkünden gibt, überlassen wir dem Team Young Fathers direkt, denn wir wollen vermeiden, dass etwas "lost in translation" auf der Strecke bleibt:
"Let’s get that title out of the way: White Men Are Black Men Too. Please read the accompanying words, straight from Alloysious’ mouth.

And then the sticker on the vinyl and CD: ´file under Rock and Pop’… When the sci-fi 20’s ‘Urban’ might as well be the atomic 50’s ‘Race’, when R&B has no blues and hiphop is a boom bip with a shorty, a hoe, it’s off to the street corner we go… where does a group like Young Fathers call home in a record store? So… Young Fathers are breaking out of the ghetto.

2014 was an interesting year for the group. Yep, awards etc and they played around 130 shows, around the world and, on the way, recorded this album in a hotel room in Illinois, a rehearsal room in Melbourne, a freezing cellar in Berlin, a photographic studio in London and their normal hole in the ground basement in Edinburgh. It was easy - it’s always easy. You can hear the smiling.

Formed in a hue of a reddy blue with a touch of yellow, like most things - the colour of the future."

https://www.facebook.com/youngfathers
young-fathers.com

Pre-order "White Men Are Black Men Too" via Itunes: http://smarturl.it/WMABMT-IT oder den Ninja Shop: http://smarturl.it/WMABMT

** White Men Are Black Men Too
- The album title explained (sort of).

This is an extract from an email exchange between members of the group and management. In this extract Alloysious passionately explains his reasoning against worries that the title of the album could be seen as offensive to black people and/or could be seen as negative or pretentious.

19 Jan 2015

“I still prefer the first title by far and stand by it.
I'm aware of the points we've discussed but all that sounds like to me is, we are trying to cater to what other people might think, as if it's a negative thing, which it's not. We came at it from a different angle, a positive angle. it's got issues of race and so what? Why should alarm bells start ringing, even though in general conversations race, politics, sex and religion are always the subject matter? Why should it be discussed behind closed doors and never confronted head on?
How do we help tackle one of the biggest hinderances in people's lives and the world… by not putting the question forward and not letting people debate positively or negatively about the statement?
Motown music helped change the world, made it expectable for blacks to be on radio and seen on tv, MJ did it too. Martin Luther King wanted equality and achieved it to some degree. But, after all that, are things equal in this world? FUCK NO. I still want to ask for it (equality) backed with the best music we've ever recorded. A pop album, our interpretation of what a pop album should be.
Weight with words, which is the title plus the pop sensibility of the songs (respectively).
I wanna stand for something which I helped make. Folk will complain about absolutely anything… Even it's it from the purest of intentions you just can't win. We don't make music to please other people or write certain lyrics to do so, either. Why start now?
When the title was first put forward everybody was excited and 100% there was no fear. That same commitment needs be carried on to make it work despite worries after it's been digested.”
Ends.
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