Citizens! - European soul

Citizens!- European soul

Kitsuné / Sony
VÖ: 10.04.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Super Kleber

Das Bürgertum in England unterscheidet sich in seiner sozialen Gestalt durchaus von seinem deutschen Pendant. Daher leuchtet es ein, wenn eine britische Band namens Citizens! gänzlich andere Töne anschlägt, als man sie hierzulande erwarten könnte. Entsprechend rotten sich auf dem neuen Album der Angelsachsen schwülstiger Interkontinental-Pop und amerikanische Unterhaltungsmusik zu einer perfiden Einheit zusammen, die ihre Indie-Wurzeln längst kompostiert hat. Dabei ist Stillstand ihr treuer Begleiter. "European soul" klebt zudem binnen kürzester Zeit die Trommelfelle zu. Was erst einmal polymorph-pervers und mies klingt, aber trotzdem Laune macht. Wenn man nicht vergisst, sich nach jedem Stück erneut die Gehörgänge zu putzen.

Somit scheint die Ohrenkaries der Single "Lighten up" und ihrem brünftigen House-Piano, das eine jugendfreie Disco-Funk-Fregatte im Schweinsgalopp verführt, eine gewollte Nebenwirkung zu sein, die sich über die gesamte Platte verteilt. Laurent d'Herbécourt, Mitmischer des letzten Phoenix-Albums, hat den intimen Kontext des Vorgängers "Here we are" in eine prunkvolle Schenkelspreizer-Atmosphäre übertragen, wie man sie von Hot Chocolate oder auch The Commodores kennt. Sänger Tom Burke agiert in diesem Kontext nahezu perfekt als jugendlicher George Michael, der soeben in der Blutlache auf dem Tanzflur ausgerutscht ist, weil er seine Sonnenbrille partout nicht ablegen wollte. Und die Landsleute von Metronomy stehen feixend daneben, weil ihre Saat endlich aufgegangen ist.

Aber nimmt man dieses Werk mit Humor hin, klappt's gleich besser mit dem Lachbarn. Sicher ist "Waiting for your lover" von der gleichen prüden Oberflächlichkeit wie manches Werk einer Sophie Ellis-Bextor. Die quiekenden Oszillatoren von "European girl" wären bestimmt gerne über eine dieser unterkühlten Zoot Women gestiegen, um deren Hüften sie schlappe drei Minuten lang kreisen, ohne auf den G-Punkt zu kommen. Auch der abgestandene Disco-Pomp in "My kind of girl" ist von Daft Punk längst genug zitiert worden. Trotzdem besitzt "European soul" eine sympathische Unschuld, wahrscheinlich weil seine Urheber während der Top-Ten-Platzierungen ihrer frühen Vorbilder allesamt noch als Quark bei Aldi herumlagen.

So lasst uns den tuckernden Groove von "Trouble" still kichernd als Hommage an den nimmermüden Stuart Price und MGMT hinnehmen. Mit "Have I met you" liegt zudem eine verzaubernde Kastagnetten-Nummer im zweiten Teil der Platte versteckt, die uns ohne Umschweife wachrappelt. Und wenn jemand am feierlichen Ende von "Idiots" noch beide Hände frei hat, dann darf er gerne so lange applaudieren, bis seine Lauscher wieder freigeklatscht sind. Selbst wenn das etwas dauert.

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Trouble
  • Have I met you

Tracklist

  1. Lighten up
  2. Waiting for your lover
  3. European girl
  4. My kind of girl
  5. Only mine
  6. Brick wall
  7. Trouble
  8. I remember
  9. Have I met you
  10. Xmas Japan
  11. Are you ready
  12. All I want is you
  13. Mercy
  14. Idiots
  15. Lighten up (Cesare remix)

Gesamtspielzeit: 60:43 min.

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Gordon Fraser

Postings: 1177

Registriert seit 14.06.2013

2015-04-27 09:03:44 Uhr
Mir gefällt's sogar besser als das Debüt. Schöner Albumfluss.

Das reguläre Album hört allerdings mit "Are You Ready?" auf. Ich weiß nicht was hier rezensiert wurde, aber jedenfalls nicht das eigentliche Album. Finde ich immer ärgerlich wenn das hier bei den Rezensionen nicht deutlich gemacht wird.
Thinkman
2015-04-14 13:51:08 Uhr
Haben im Vergleich zum Vorgänger voll den Dampf und die Spannung rausgenommen. Total weichgespült! Nach dem ersten Durchgang echt enttäuschend, aber vielleicht dauert es ja ein bisschen...obwohl ich es nicht glaube.

Das Album davor fand ich spitze!

Armin

Postings: 14278

Registriert seit 08.01.2012

2015-04-01 19:44:50 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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